Sprache "for future" ist Anglizismus des Jahres 2019

Ein Teilnehmer steht mit einer Flagge mit dem Aufdruck Fridays For Future
Unter dem Motto "Fridays for Future" startete die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ihren Schulstreik, mittlerweile wurde ein Klimaschutz-Slogan daraus. Bildrechte: dpa

Der Ausdruck "... for future" ist zum Anglizismus des Jahres 2019 gekürt worden. Wie die Jury rund um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin am Dienstag mitteilte, wurde der von Greta Thunberg geprägte Ausdruck zur "produktiven Schablone" auch für Studenten, Wissenschaftler ("Scientists for Future"), Eltern ("Parents for Future") oder Großeltern, die sich für den Klimaschutz engagieren wollten.

Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht bei einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt. Die junge Schwedin ist erstmals für einen Schulstreik für mehr Klimaschutz nach Deutschland gekommen.
Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht bei einer Kundgebung in Hamburg Bildrechte: dpa

Überzeugt habe die Jury an dem Ausdruck "for future", dass er im öffentlichen Sprachgebrauch kreativ verwendet werden könne. In der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über "einen angemessenen Umgang mit der Erderwärmung und ihren Konsequenzen" sei er inzwischen zentral. Weltweit unterstützten viele Menschen das Anliegen von Greta Thunberg, die im August 2018 einen freitäglichen Schulstreik unter dem Motto "Skolstrejk för klimatet" vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm gestartet hatte. Dass Anglizismen ein globales Phänomen seien, zeige sich daran, dass mit der jungen Klimaaktivistin eine schwedische Muttersprachlerin einen englischen Slogan geprägt habe, der international verwendet würde.

Publikumsliebling: OK Boomer

Als Publikumsliebling nannte die Jury darüber hinaus den Ausdruck "OK Boomer", der hauptsächlich von den jüngeren als Millennials und Gen Z bezeichneten Generationen verwendet werde, "um Aussagen und Ansichten der Babyboomergeneration auf sarkastische Weise abzutun, die sie als besserwisserisch, selbstgerecht und herablassend" empfänden. Seit Mitte 2019 verbreitete sich der zehn Jahre zuvor erstmals verwendete Ausdruck demnach sprunghaft in sozialen Medien und inzwischen auch in der gesprochenen Sprache junger Menschen.

Außerdem würdigte die Jury das Wort "Deepfake", das aus den Wörtern Deep Learning und Fake zusammengesetzt ist. Es bezeichne auf neuronalen Netzwerken beruhende, oft manipulativ eingesetzte Technik zur Erzeugung oder Verfälschung statischer oder bewegter Bilder, die wie echte Fotos oder Videos wirkten. In den Diskussionen über das Phänomen drücke sich "Sorge über eine zunehmende Realitätsverzerrung in medialen Repräsentationen" aus.

Jury aus Sprachwissenschaftlern und Anglisten

Die Initiative "Anglizismus des Jahres" würdigt seit 2010 den Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Die jüngsten Gewinner waren "Gendersternchen" (2018), "Influencer" (2017), "Fake News" (2016) und "Refugees Welcome" (2015). Die Jury der Initiative besteht zu einem großen Teil aus Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern sowie aus Anglistinnen und Anglisten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Januar 2020 | 10:30 Uhr

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