Lebensmittel im Müll
In Deutschland landen viel zu viele Lebensmittel im Müll. Bildrechte: Colourbox.de

Nachhaltigkeit "Too Good To Go": Hilft diese App, Essen zu retten?

In Deutschland werden laut einer WWF-Studie jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Eine App vernetzt nun Händler und Restaurants mit Verbrauchern, die Essen vor der Mülltonne retten wollen. Wir haben "Too good to go", zu deutsch "Zu gut, um es wegzugeben“ getestet.

von Ole Steffen, MDR KULTUR

Lebensmittel im Müll
In Deutschland landen viel zu viele Lebensmittel im Müll. Bildrechte: Colourbox.de

Eine App, die Essen rettet. Sie verbindet Menschen mit Restaurants, Bistros, Hotels und Fast-Food-Ketten. Immerhin 235 Betriebe sind es in Mitteldeutschland, rund 90 davon in Leipzig: die Fast-Food-Kette "Nordsee", ein Sushi-Laden, die Lukas-Bäckereien oder auch das Penta-Hotel. Das ist keine 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Mit meiner Mitbewohnerin Anna entscheide ich mich an einem Vormittag für eine Portion vom Mittagsbuffet im Hotel. 3,99 Euro soll sie kosten. Wir zahlen vorab per Kreditkarte. Aber wieso weiß das Hotel eigentlich schon um 9 Uhr, was vom Mittagsbuffet übrigbleibt?

Die Gäste erwarten, dass immer alles vorhanden ist, dafür zahlen sie ja auch ganz regulär. Bei uns bleiben dann aber viele Lebensmittel am Ende übrig. So sind wir auf den Gedanken gekommen, dass wir uns einen Partner suchen sollten, um den Wegwurf von Lebensmitteln zu reduzieren.

Patrick Jacobsen, Manager Pentahotel Leipzig

Jacobsen fügt hinzu, dass Speisen, die bereits zubereitet seien, auch nicht mehr an die Tafel oder ähnliche Einrichtungen abgegeben werden könnten. 

Die Auswahl ist dennoch groß

Wir greifen also zu den großen Löffeln und füllen unsere Too-Good-To-Go-Boxen auf - mit Nudeln, Kabeljau, Hähnchen, Broccoli, Möhren, Salat und Kartoffeln. Sogar ein Stück Schokokuchen findet noch Platz. "Ein guter Deal", sagt Anna.

Ich bin ziemlich begeistert, weil es so unkompliziert ist. Da es ein Buffet ist, kann man sich ja aussuchen, worauf man Lust hat.

Anna aus Leipzig

Manager Patrick Jacobsen scheint es ähnlich zu gehen - die Zusammenarbeit mit "Too Good To Go" sei so gut, dass das Hotel demnächst mehr Portionen vom Frühstücks- und Lunchbuffet anbieten wolle. Hierbei sei es natürlich wichtig, dass nicht extra für die App-Kunden nun mehr produziert werde. Es gehe darum, eine gute Balance zu finden.

Praktisch für alle

Internetseite
Die App zeigt das lokale Angebot an. Bildrechte: ToGoodToGo

Anna und ich nehmen das Essen mit nach Hause, wärmen es noch einmal kurz auf und haben mit wenig Zeit und wenig Geld ein gutes Mittagessen - und zusätzlich noch Lebensmittel gerettet. Eine klassische Win-Win-Situation. In Mitteldeutschland konnten so bereits 47.100 Mahlzeiten vor dem Wegwurf bewahrt werden – gut die Hälfte davon in Leipzig. Bislang sind es nämlich vor allem die großen Städte, die mitmachen: Dresden, Chemnitz, Magdeburg, Halle oder Erfurt. Der ländliche Raum müsse erst noch erobert werden, heißt es von den App-Betreibern.

Wir arbeiten jeden Tag daran, dass neue Betriebe dazukommen. Wenn man jetzt einen Laden in der Nähe hat, der sich gut eignet, dann freuen wir uns, wenn die Kunden uns weiterempfehlen.

Franziska Lienert von "Too Good To Go"

Auch der Bäcker macht mit

Essen in einer Verpackung am Buffet
Das Essen wird in Boxen verpackt. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Ein neuer Tag, ein neuer Test – heute versuche ich mein Glück bei der Lukas Bäckerei am Augustusplatz in Leipzig. Eine Portion kostet dort 3,50 Euro – ein knappes Drittel davon erhält übrigens die App. Die Portion bestelle ich morgens vor und am Abend kann ich um 20.30 Uhr bei der Bäckerei aufschlagen. Dort angekommen darf ich sogar selbst entscheiden, ob nur Süßes, nur Brötchen oder nur Brot in die Tüte soll – ich entscheide mich für eine gemischte Tüte. Als ich sie öffne, kann ich es kaum glauben – 15 Brötchen, fünf Baguettestangen und ein ganzes Brot stecken darin. Ein Warenwert von etwa 15 Euro, den ich nun für weniger als ein ein Viertel des Originalpreises mit nach Hause nehmen kann. Nun noch schnell Gefrierbeutel besorgen, damit die Brötchen am Ende nicht steinhart werden.

Das Fazit

"Too Good To Go" ist nichts für jeden Tag, aber eine schöne Abwechslung für alle, die Lebensmittel vor der Tonne bewahren wollen, flexibel sind und Lust auf eine Überraschung auf dem Teller haben.

Informationen zur App "Too Good To Ggo"
entwickelt und betrieben von Too Good To Go ApS, Kopenhagen
kostenlos bei Google Play und im App Store verfügbar

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 19. Oktober 2018 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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