Wolfram Putz, Marianne Birthler und Lars Krückeberg
Marianne Birthler ist die Kuratorin des deutschen Pavillons auf der diesjährigen Architekturbiennale. Bildrechte: dpa

Biennale Architettura 2018 Biennale: Deutschland beleuchtet Architektur auf dem Todesstreifen

Wolfram Putz, Marianne Birthler und Lars Krückeberg
Marianne Birthler ist die Kuratorin des deutschen Pavillons auf der diesjährigen Architekturbiennale. Bildrechte: dpa

Der deutsche Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig wird sich mit den baulichen Folgen der deutschen Teilung im ehemaligen Grenzgebiet befassen. Wie die die Kuratoren am Montag in Berlin bekannt gaben, solle die städtebauliche Entwicklung auf dem früheren Todesstreifen, dem einst "beispiellosen Leerraum" gezeigt werden. Die Bekanntgabe fällt auf den Tag, an dem die Mauer ebenso lange geöffnet ist, wie sie stand.

 Das umgekippte Ortschild 'Jahrsau Landkreis Salzwedel' liegt 2000 am Straßenrand.
Die Wüstung Jahrsau an der ehemaligen Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik Bildrechte: dpa

Die Ausstellung "Unbuilding Walls" wird von der früheren Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und dem Berliner Büro Graft mit den Architekten Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gestaltet. Es gehe auch um heutige Grenzmauern, Abgrenzung sowie die Mauer in den Köpfen, betonte das Team. Fotos, Modelle und Texte sowie  Interviews zum Leben mit Mauern seien geplant.

Als Beispiele nannten die Kuratoren den einstigen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie in Berlin, den Europa-Radweg entlang des "Eisernen Vorhangs" und das zugewucherte Dorf Jahrsau nordöstlich von Salzwedel. Die Bewohner des unmittelbar an der Grenze gelegenen Dorfes waren zwangsumgesiedelt worden. 1970 wurde es geschleift. Seit 1993 steht die "Wüstung Jahrsau" auf der Denkmalliste von Sachsen-Anhalt.

Die Biennale di Venezia im Rückblick

Die 16. Architektur-Biennale wird vom 26. Mai bis zum 25. November 2018 unter dem Motto "Freespace" in Venedig stattfinden. Die Biennale in Venedig gilt als eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt. Jährlich wechselt die Schau zwischen Kunst und Architektur. Zuletzt gewann der von Susanne Pfeffer kuratierte und von der Künstlerin Anne Imhof gestaltete deutsche Pavillon 2017 den Goldenen Löwen. Imhof hatte eine fünf Stunden lange düstere Performance mit dem Titel "Faust" inszeniert. Im Januar wurde bekanntgeben, dass Franciska Zólyom, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 2019 den deutschen Beitrag auf der Biennale in Venedig kuratiert.

Der deutsche Pavillon in Venedig (Italien).
Bis heute hat sich die äußerliche Gestaltung des deutschen Pavillons seit dem Dritten Reich nicht stark verändert. Bildrechte: dpa

Die Biennale di Venezia wird als Kunstschau seit 1895 ausgerichtet. In den folgenden Jahren kamen nach und nach die Nationalpavillons hinzu. Der deutsche Pavillon wurde 1909 ursprünglich als bayerischer Pavillon errichtet. Während der NS-Zeit wurde das Gebäude umgestaltet und für nationalsozialistische Propaganda genutzt. Die Nazi-Vergangenheit war häufig Thema bei der Wahrnehmung und Gestaltung des deutschen Beitrags. Anfang der 80er-Jahre wurde die Biennale um die jährlich mit der Kunstschau wechselnde Architekturausrichtung erweitert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 05. Februar 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2018, 16:33 Uhr

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