Schüler während einer Unterrichtsstunde
Im "offenen Unterricht" lernt jedes Kind für sich – im eigenen Tempo. Bildrechte: imago images / photothek

ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung" Wie kann Begabtenförderung abseits der Gymnasien funktionieren?

Leistung in der Schule, das wird meistens mit der Schulform Gymnasium in Verbindung gebracht. Aber auch viele andere Schulen denken darüber nach, wie sie besonders starke Schülerinnen und Schüler auch besonders fördern können. Zum Beispiel die Thüringer Gemeinschaftsschule in Stadtilm: Sie nimmt als eine von acht Schulen aus dem Freistaat am bundesweiten Projekt "Leistung macht Schule" teil.

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Schüler während einer Unterrichtsstunde
Im "offenen Unterricht" lernt jedes Kind für sich – im eigenen Tempo. Bildrechte: imago images / photothek

Dienstagmorgen, 8:20 Uhr, an der Gemeinschaftsschule Stadtilm: Gerade hat in der Klasse 6b die zweite Schulstunde begonnen. Die Kinder legen Hefte und Schulbücher vor sich auf die Tische. Lehrerin Andrea Herzog gibt nur einige kurze Hinweise zu einer Abgabe in der kommenden Woche, dann fangen die Kinder schon an zu arbeiten: Jede und jeder für sich, denn in der Gemeinschaftsschule findet täglich in den ersten beiden Stunden der sogenannte "Offene Unterricht" statt.

"Die Kinder bekommen eine Liste mit Aufgaben, die sie abarbeiten müssen. So können sie in ihrem eigenen Tempo lernen", erklärt Herzog. Durch diese individuelle Herangehensweise ist der offene Unterricht an der Gemeinschaftsschule nun zum wichtigen Element im Rahmen des Projekts "Leistung macht Schule" (Lemas) geworden: In dieser gemeinsamen Bund-Länder-Initiative loten Schulen mit wissenschaftlicher Hilfe aus, wie sie besonders begabte Schülerinnen und Schüler besser fördern können.

Gemeinschaftsschule Stadtilm
Gemeinschaftsschule Stadtilm Bildrechte: Gemeinschaftsschule Stadtilm

Deutschland hat Nachholbedarf

Internationale Bildungsstudien wie PISA oder TIMMS zeigen immer wieder, dass in Deutschland vergleichsweise wenige Kinder und Jugendliche Spitzenleistungen erzielen. Lehrerin Andrea Herzog sagt, an der Gemeinschaftsschule Stadtilm habe in den vergangenen Jahren vor allem die Förderung der schwächeren Kinder im Vordergrund gestanden: "Da sind die leistungsstärkeren Kinder manchmal ein wenig hinten runtergefallen. Deswegen ist für uns jetzt der richtige Zeitpunkt, um auf ihre besonderen Fähigkeiten zu schauen."

Auch wenn dieser Ansatz ganzheitlich ist – offiziell nehmen die Schulen am Lemas-Projekt nur mit einem Fach teil. In Stadtilm ist es Biologie. Schulleiter Jens Günschmann erklärt, dass man hier in den kommenden Jahren verstärkt Projektunterricht anbieten wolle. Außerdem sollen Wettbewerbe eine größere Rolle spielen, sowohl die Teilnahme daran, als auch die eigene Ausrichtung. Das "Leistung macht Schule"-Projekt wird an der Schule insgesamt über zehn Jahre laufen.

Es ist so angelegt, dass wir in den ersten fünf Jahren verschiedene Förderinstrumente innerhalb des Unterrichts ausprobieren. Im zweiten Teil werden wir unsere Erfahrungen an andere Schulen weitergeben, sodass diese davon profitieren.

Schulleiter Jens Günschmann

Im Verbund stärker

Insgesamt 300 Schulen bundesweit nehmen am Lemas-Projekt teil, acht von ihnen aus Thüringen. Die Gemeinschaftsschule Stadtilm bildet dabei mit der Goethe-Schule (Gymnasium) und der Grundschule Ziolkowski in Ilmenau ein sogenanntes Cluster, hier soll ein intensiver Austausch erfolgen. Das Bundesministerium für Bildung fördert außerdem einen interdisziplinären Forschungsverbund mit 16 beteiligten Universitäten, der die Schulen begleitet: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erarbeiten gemeinsam mit den Schulen Konzepte und Strategien für bessere Leistungsförderung.

In Stadtilm solle als nächste Maßnahme der "Offene Unterricht" weiterentwickelt werden, sagt Lehrerin Herzog. Ab 2020 werde diese Unterrichtsform in Gruppen stattfinden, "so dass die Kinder ein gewisses Maß an Selbstkompetenz und Sozialkompetenz erlernen. Dass sie sich mit unterschiedlichen Arbeitsweisen und Techniken auseinandersetzen."

Bis zum Ende der 8. Klasse lernen die Kinder an der Gemeinschaftsschule zusammen, dann werden sie in Klassen je nach Schulabschluss aufgeteilt. Rund ein Drittel verlässt die Schule in Richtung Abitur – vielleicht wird dieser Anteil durch "Lemas" in den kommenden Jahren ja steigen.

Artour-Beiträge zum Thema Bildung

Zum Weiterlesen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. November 2019 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 04:00 Uhr

Abonnieren