Filmproduzent Artur Brauner
Artur Brauner (1918 - 2019) Bildrechte: dpa

Im Alter von 100 Jahren Film-Legende Artur Brauner gestorben

Filmproduzent Artur Brauner
Artur Brauner (1918 - 2019) Bildrechte: dpa

Der Filmproduzent Artur Brauner ist tot. Er starb nach Angaben seiner Familie am Sonntag im Alter von 100 Jahren in Berlin.

Brauner wurde 1918 als Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes in Łódź geboren, floh nach dem Einmarsch der Nazis in die damalige UdSSR und kam 1946 nach Berlin. Dort gründete er noch im gleichen Jahr seine Produktionsfirma Central Cinema Company (CCC-Film). Er verantwortete als Produzent mehr als 250 Kinofilme, darunter u. a. Fritz Langs "Tiger von Eschnapur", "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" mit Romy Schneider oder "Hitlerjunge Salomon".

Kassenschlager finanzieren die Filme, die ihm am Herzen lagen

In vielen seiner Filme thematisiert Brauner den Holocaust und kämpfte für das Andenken der im Nationalsozialismus getöeten und verfolgten Juden. Dabei nahm Brauner, der 49 seiner Verwandten im Holocaust verlor, auch in Kauf, kommerziell Misserfolge einzufahren. Um sich die Filme wie "Morituri" (1948) oder "Wunderkinder" (2011) dennoch leisten zu können, produzierte er "zwischendurch" auch immer wieder Filme, die ihm nicht am Herzen lagen, aber beim Publikum mehr Erfolg hatten. So bringt Brauner einerseits ambitionierte Projekte wie Falk Harnacks "Der 20. Juli" oder 1955 "Die Ratten" nach Gerhart Hauptmann auf die Leinwände, serviert seinem Publikum aber gleichzeitig und erfolgreich Schmonzetten, Krimis, Abenteuerstoffe oder Musikfilme wie die "Musikparade" mit Peter Alexander von 1956. Und er hängte sich an alle Wellen, die gerade als en vogue im Kino galten, ob es nun Musicals, "Problemfilme", Karl-May-Verfilmungen oder Edgar-Wallace-Krimis waren. Seine Tochter Alice führt bereits seit einigen Jahren als Produzentin das Lebenswerk ihres Vaters fort.

Weil, Produzent sein ist ein Schaffensprozess. Als Schauspieler muss ich sagen, das was man mir vorschreibt. Als Regisseur muss ich auch das machen, was das Drehbuch mir vorschreibt, im Grunde genommen. Als Produzent habe ich alle Freiheiten. Ich bin also der Kapitän auf dem Schiff.

Artur Brauner

Mit Besorgnis blickte Brauner zuletzt auf die heutigen rechtspopulistischen Strömungen. "Ich kann der Jugend nur nahelegen, dass sie den Populisten weltweit nicht ins Netz geht und sich mit aller Kraft Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenstellt. Und zwar jetzt und nicht erst, wenn es schon zu spät ist."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 08. Juli 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 13:49 Uhr

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