Eine Frau mit einem Buch in den Händen in einem Buchladen.
Wer Buchhändlerin werden will, muss natürlich auch selbst viel lesen (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

Zukunftsperspektive Buchhandel Traumberuf für Bücherwürmer

Der Beruf des Buchhändlers wird immer beliebter: Die Zahl der Auszubildenden ist nach vielen rückläufigen Jahren gestiegen. Was macht den augenscheinlich altmodischen Beruf für junge Menschen attraktiv?

von Tino Dallmann, MDR KULTUR-Autor

Eine Frau mit einem Buch in den Händen in einem Buchladen.
Wer Buchhändlerin werden will, muss natürlich auch selbst viel lesen (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

Eine kleine Buchhandlung am Rande von Halles Innenstadt. Der erste Blick fällt auf aktuelle Bücher aus dem Frühjahr, auf eine Wand mit Geschenkkarten und auf zeitlose Klassiker von Erich Kästner. Hier macht Elina Koslowski ihre Ausbildung – aus Begeisterung fürs Buch.

Bücher unterliegen Trends und trotzdem gibt es etwas, das bleibt.

Auszubildende Elina Koslowski

Wie bei vielen Buchhändlern ist der Berufsweg von Elina Koslowski kein gerader Weg. Sie hat zunächst eine andere Ausbildung angefangen, ein soziales Jahr im Kulturbereich eingelegt und mehrere Praktika absolviert. Dann einen Ausbildungsplatz als Buchhändlerin zu finden, klappte nicht sofort – auch weil es Konkurrenz gab, viele würden Studienabbrecher bevorzugen.

Ausbildungszahlen im Buchhandel steigen

Etwa 480 Ausbildungsverträge wurden im letzten Jahr abgeschlossen. Damit ist der Buchhandel neben der Automobilbranche der einzige Handelszweig, der Zuwächse verzeichnen konnte. Monika Kolb-Klausch ist Bildungsdirektorin beim Börsenverein des Buchhandels. Für sie ist Buchhändler im kaufmännischen Bereich der intellektuellste Beruf.

Da steckt Literatur drin, kaufmännisches Know-How, Marketing und Vertrieb, auch das ganze digitale Verständnis. Das macht den Beruf attraktiv.

Monika Kolb-Klausch, Börsenverein des Buchhandels

Ein Problem bleibt die Kluft zwischen Stadt und Land. Vor allem in kleineren Orten ist es schwer, Nachfolger für eine Buchhandlung zu finden. Es braucht also weiter aktive Werbung, so wie sie große und kleine Buchhandlungen betreiben, sagt Monika Kolb-Klausch. Denn junge Menschen sind anspruchsvoll – nicht immer können verfügbare Ausbildungsplätze und Ansiedlungswillige zusammengebracht werden.

Es hat sich etwas verändert in der Bereitschaft, flexibel für eine Arbeit oder Ausbildung woanders hinzugehen.

Monika Kolb-Klausch, Börsenverein des Buchhandels

Aus Liebe zum Buch

Selbstverwirklichung, die Nähe zur Heimat, der Kontakt mit Menschen – es sind weiche Faktoren, die junge Menschen heute ansprechen. Sie müssen für einen Beruf gewonnen werden, der durchaus seine Härten hat. Elina Koslowski ist sich im Klaren darüber, dass sie ein ordentliches Lesepensum und ein eher geringer Lohn erwarten.

Wenn ich reich werden möchte, dann werde ich kein Buchhändler, das ist mir vorher klar. Es geht mir um Bücher und das Wissen, das ich aufnehme.

Auszubildende Elina Koslowski

Die aktuellen Zahlen geben Anlass zu Optimismus. Ein bisschen Zweckoptimismus mag auch dabei sein. Denn längst nicht jeder Buchhandlung geht es wirtschaftlich gut. Elina Koslowski macht sich um ihre Zukunft als Buchhändlerin allerdings keine Sorgen. Der Buchhandel verändere sich, sagt sie, aber das müsse noch lange nichts Schlechtes sein. Das klingt ein wenig so, als wären Buchhandlungen genauso unverwüstlich wie die Klassiker in der Auslage.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2018, 04:00 Uhr

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