Bestsellerautor legt Kochbuch vor Bas Kast: So sollten Sie essen, wenn Sie länger leben wollen

Nicht der Ärger über schlechtes Kantinenessen, sondern arge gesundheitliche Probleme brachten den studierten Biologen Bas Kast mit Anfang 40 auf die Frage, ob er dabei sei, seinen Körper mit Junkfood zu ruinieren. Drei Jahre lang recherchierte er Studien auf der Suche nach der idealen Kost. Auf den "Ernährungskompass" mit seinen Erkenntnissen folgt nun ein Kochbuch für die Praxis. Was empfiehlt er Neues?

Bas Kast 26 min
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MDR+ Fr 22.03.2019 10:00Uhr 25:33 min

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Selber kochen und auf industriell vorgefertige Produkte verzichten – so lautet eine der Goldenen Regeln von Bas Kast. Auf Reisen kann sich der Bestsellerautor, der nach seinem "Ernährungskompass" nun auch noch ein Kochbuch vorlegte, nicht immer daran halten. Besonders wenn er auf Buchmessen wie in Leipzig in eine Kantine gerät. Dort sei der gemischte Salat okay gewesen, aber die Möhrensuppe leider total versalzen.

Essen in Kantinen oder: Die Dosis macht das Gift

Möglicherweise, gibt er zu, reagiere er empfindlicher, weil sich sein Geschmackssinn inzwischen umgestellt habe. Dabei sei er selbst mal ein großer Fan von Pommes, Chips und Bier gewesen.

Das Problem ist nicht das bisschen Salz, das wir uns übers Essen streuen oder der Zucker, den wir uns in den Kaffee löffeln, sondern diese stark verarbeiteten Lebensmittel, bei denen man gar nicht merkt, wieviel Salz oder Zucker man damit isst. Wenn man morgens anfängt mit einem Müsli, das stark gesüßt ist, so dass schon das Frühstück zu einer Art Nachtisch wird, entsteht ein Problem. Die Dosis macht das Gift.

Bas Kast, Autor
Buchtitel - Der Ernährungskompass - die Rezepte
Der Bestseller von Bas Kast: "Der Ernährungskompass" Bildrechte: C. Bertelsmann Verlag

Nicht der Ärger über schlechtes Kantinenessen, sondern arge gesundheitliche Probleme brachten den studierten Biologen mit Anfang 40 auf die Frage, ob er dabei sei, seinen Körper mit Junkfood zu ruinieren. Daraufhin, so erzählt er, stürzte er sich nicht in irgendeine Low-Carb- oder Low-Fat-Diät. Er wollte recherchieren, was die ideale Ernährung sei. Über drei Jahre wertete er nach eigenen Angaben "tausende Studien von der Nachkriegszeit bis heute aus", vertiefte sich in die Biochemie des Stoffwechsels oder erkundete, was besonders langlebige Völker essen. Seine Erkenntnisse fasste er im "Ernährungskompass" zusammen. Das Buch, das zunächst kein Verlag drucken wollte, wurde ein Bestseller.

Bas Kast räumt ein, keine großen Neuigkeiten zu verkünden, wenn er etwa für mehr Fisch statt Fleisch oder kalt gepresstes Olivenöl plädiere. In Mails dankten ihm die Leser und Leserinnen vor allem dafür, ihnen einen Überblick verschafft zu haben, angesichts der "vielen widersprüchlichen Botschaften da draußen", was den Konsum von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß angehe.

Essen am Sonntag: Rotkohl-Roulade statt Braten

"Und dann wollten die Leser natürlich wissen, was sie kochen sollten". Ein Wunsch, den Bas Kast umgehend mit einem neuen Buch beantwortete. An den Herd holte er die Ernährungswissenschaftlerin und Köchin Michaela Baur. Rotkohl-Rouladen und Zucchini-Puffer gehören zu den Kreationen, die künftig den Sonntagsbraten der Deutschen ersetzen könnten. Die Botschaft: Gesundheit und Genuss passen zusammen. Und: Es geht ohne Fleisch – und sogar ohne Kartoffeln! Das Lieblingsgemüse der Deutschen, gleich nach dem Fleisch, sollte man nicht zu oft und vor allem nichts abends verzehren, übermäßiger Konsum der kohlehydratreiche Knolle erhöhe Harvard-Studien zufolge das Diabetes-Risiko, sagt Kast.

Überhaupt sei es nicht egal, wann wir was zu uns nähmen. Die Volksweisheit, das man früh essen solle wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler sei im Grunde genommen klüger als "das Dogma, das uns immer von Ernährungsforschern verkündet wird: Eine Kalorie sei eine Kalorie'." Belegt sei das durch neuere Studien, beispielsweise ein Experiment mit Frauen, die abnehmen wollten. Die mit dem kleinen Abendessen seien nach zwölf Wochen rund fünf Kilo leichter gewesen:

Wir sind Wesen mit einem Biorhythmus.

Bas Kast, Autor

Bas Kast - Ernährungskompass
Bas Kasts Pyramide Bildrechte: C. Bertelsmann Verlag

Dieser Erkenntnis folgten auch die Rezepte im Kochbuch, erläutert Kast. Fruchtsäfte und Brot, also Kohlehydrate würden sehr schnell vom Körper verdaut, ließen den Blutzuckerspiegel aber auch schnell ansteigen. Studien zeigten, dass dies morgens bekömmlicher sei als am Abend, wo eiweiß- und fetthaltige Lebensmittel wie Fisch oder Käse besser seien. Wobei, ob morgens oder abends, immer die zweite große Grundregel gelte, mehr Pflanzliches und weniger Tierisches zu konsumieren: "Gemeint sind ganze Pflanzen, die man als solche auch noch erkennt." Zucker sei auch pflanzlich, aber in einer hochgradig verarbeiteten Form. So wie die beliebten Smoothies.

Auch das scheine bekannt, dennoch gebe es immer wieder Überraschungen, sagt Kast. Etwa dass die Omega-3-Säuren in fettreichen Fischen wie Lachs, Hering oder Makrele anti-entzündlich wirkten, dass Milch mit ihren Wachstumshormonen für Erwachsene nicht sonderlich gesund sei, durch Milchsäurebaktieren fermentierter Joghurt und Käse aber schon: "Diese Bakterien verdauen nicht nur Zucker, sondern auch Wachstumshormone, die sich auch in der Milch befinden."

Ich denke, dass Kinder eine ausgewogene Ernährung bekommen sollten, ab und zu auch mit Fleisch, besser noch mit Fisch. Aber gerade für Erwachsene, die nicht mehr diesen Wachstumsschub brauchen, wo zu viel Proteine eher Alterungsprozesse ankurbeln, könnte eine vegane Ernährung mit vielleicht einmal pro Woche Fisch ideal sein.

Bas Kast, Autor

Zwischendurch mal überhaupt nichts essen

Bas Kast, der vor elf Uhr am Vormittag höchstens ein Stück dunkle Schokolade und Kaffee frühstückt, fastet nie etwas Bestimmtes, dafür im Intervall. Heißt: Abends um sechs, spätestens sieben Uhr wird bei Kasts das letzte Mal gegessen. So gewinne der Körper über Nacht die Zeit aufzuräumen. Die Engländer sprächen beim Frühstück deswegen ja auch vom Break-Fast, vom Fastenbrechen: "Ein Alterungsphänomen ist es, dass sich immer mehr Müll in den Zellen und um sie herum ablagert, der sie schädigt". Erkrankungen wie Demenz und Krebs, die auch ernährungsbedingt sein könnten, gebe es in Teilen Japans, wo viel Fisch und Gemüse gegessen, oder im Mittelmeerraum, wo viel Olivenöl konsumiert werde, deutlich weniger.

Die Pescetarier unter den Adventisten

Auf die Frage, was denn nun sein Superrezept für die ideale Ernährung sei, antwortet Bas Kast, dass es die so nicht gäbe, aber grundlegende Elemente einer gesunden lebensverlängernden Kost schon: Eine seiner Faustregeln: Schon beim Einkauf auf Qualität zu achten und nur das zu kaufen, "was Ihre Urgroßmutter oder Großmutter noch als Nahrung erkannt hätte. All das, was noch nach Lebensmittel aussieht."

Am besten kennen sich Kast zufolge wohl die Siebenten-Tags-Adventisten in den USA mit gesunder Lebensweise aus. Denn sie würden – einer Studie zufolge – zehn Jahre älter als der Durchschnittsamerikaner. Ihr Glauben lasse sie weitgehend auf Nikotin und Alkohol verzichten, sie bewegten sich. Und ein Muster, das auf die Bedeutung der Ernährung verweise, zeige sich auch: "Die Veganer unter den Adventisten leben länger als die Allesesser. Am längsten leben allerdings die Vegetarier, die ab und zu Fisch essen, also die Pescetarier." Nachahmenswert, aber bitte Pangasius vermeiden, wegen des hohen Quecksilbergehalts, lässt uns Bas Kast noch wissen.

Angaben zu den Büchern Bas Kast: Der Ernährungskompass
Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung
C. Bertelsmann, 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-10319-7

Bas Kast: Der Ernährungskompass - Das Kochbuch
111 Rezepte für gesunden Genuss
In Zusammenarbeit mit Michaela Baur
C. Bertelsmann, 224 Seiten
ISBN: 978-3-570-10381-4

Text: Katrin Schlenstedt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. März 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. April 2019, 04:00 Uhr

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