Das Publikum verfolgt die Gesprächsrunde.
"Der Film hat meinen Blick auf das Bauhaus verändert", so das Fazit einer Besucherin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

100 Jahre Bauhaus So war die Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" in Halle

Ein gleichberechtigtes Leben für Männer und Frauen, das schrieb sich das Bauhaus zu Beginn auf die Fahnen. Doch die Praxis an der Kunstschule der Moderne sah anders aus: Erfolgreiche Frauen waren unerwünscht, wie eine neue MDR-Dokumentation zeigt. In einer Preview hat der MDR den Film "Bauhausfrauen" exklusiv, noch vor der Ausstrahlung im Fernsehen, im Kunstmuseum Moritzburg präsentiert. Sie konnten dabei sein und auch mit der Filmemacherin Susanne Radelhof und Kunstschaffenden zum Thema "Frauen in der Kunst" ins Gespräch kommen.

von Jana Münkel, MDR KULTUR

Das Publikum verfolgt die Gesprächsrunde.
"Der Film hat meinen Blick auf das Bauhaus verändert", so das Fazit einer Besucherin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR und das Kunstmuseum Moritzburg haben zur Preview geladen. Die Stühle sind bis auf den letzten Platz besetzt, das Publikum im zweiten Stock des Kunstmuseums Moritzburg folgt gespannt den Geschichten von Frauen, die am Bauhaus wirkten. In der Dokumentation von Susanne Radelhof geht es um die Spielzeuggestalterin Alma Buscher, die einzige Bauhausmeisterin Gunta Stölzl und die Malerin und Innenarchitektin Friedl Dicker, die noch im KZ Theresienstadt Kindern Kunstunterricht gab, der vom Bauhaus inspiriert war.

Die Auswahl der Frauen für ihre Dokumentation ist Radelhof nicht leicht gefallen.

Diese Frauen stehen stellvertretend für all die anderen Bauhausfrauen. Ich wollte eine möglichst große Bandbreite an Frauen zeigen.

Susanne Radelhof, Filmemacherin

Idealistische Anfänge

Zu Beginn des Bauhauses wirkte alles ziemlich gleichberechtigt: Für das Sommersemester 1919 schrieben sich 84 Frauen für das Studium ein – und 79 Männer. Doch schon ein Jahr später ruderte Bauhausdirektor Walter Gropius zurück, weil er Angst um den Ruf des Bauhauses hatte: Frauen eigneten sich nicht fürs "schwere Handwerk", ließ er verlauten. Den Frauen war fortan vor allem das vorbehalten, was angeblich am besten zu ihnen passte: das Weben. Das "weibliche Element" sollte laut Gropius außerdem nicht mehr als ein Drittel der Plätze einnehmen.

Film komplett aus Frauenhand

Katrin Schumacher im Gespräch mit Filmemacherin Susanne Radelhof.
Filmemacherin Susanne Radelhof (links) im Gespräch mit Moderatorin Katrin Schumacher. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den 100 Jahren seit der Gründung des Bauhauses hat sich in Sachen Gleichberechtigung viel getan, das zeigt sich in der Podiumsdiskussion nach dem Film: Die Filmemacherin Susanne Radelhof hat selbst an der Bauhaus-Universität studiert. "Im Studium habe ich Männer und Frauen als absolut gleichwertig wahrgenommen", sagt sie. Nur in der Lehre seien die männlichen Professoren deutlich in der Überzahl gewesen.

Auch in der Filmbranche sieht sie noch Handlungsbedarf: "Ich bin von vielen kreativen Frauen umgeben. Aber die Schlüsselpositionen sind oft trotzdem von Männern besetzt." Froh ist Radelhof aber über ihren Film: Dieser sei in einer "eingeschworenen Frauengemeinschaft" komplett aus weiblicher Hand entstanden.

Bildergalerie Impressionen von der "Bauhausfrauen"-Preview

Die Moritzburg Halle von außen.
Blick auf das Kunstmuseum Moritzburg Halle, in dem die Preview stattfand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Moritzburg Halle von außen.
Blick auf das Kunstmuseum Moritzburg Halle, in dem die Preview stattfand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eingang Moritzburg Halle mit MDR Kultur-Banner.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR KULTUR-Redakteurin Katrin Schumacher gibt Infos zum Film.
MDR KULTUR-Redakteurin und Moderatorin Katrin Schumacher gibt Infos zum Film. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktionsleiter Reinhard Bärenz und Katrin Schumacher auf der Bühne.
MDR KULTUR-Programmchef Reinhard Bärenz im Gespräch mit Moderatorin und MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum hört interessiert zu.
Ein Blick in den vollen, ausgebuchten Zuschauerraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum hört interessiert zu.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktionsleiter Reinhard Bärenz und Katrin Schumacher auf der Bühne.
Programmchef Reinhard Bärenz und Katrin Schumacher auf der Bühne. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktionsleiter Reinhard Bärenz
MDR KULTUR-Programmchef Reinhard Bärenz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum im großen Ausstellungsraum.
Das Publikum im großen Ausstellungsraum des Kunstmuseums Moritzburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum von hinten.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum hört zu.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau aus dem Publikum hört zu.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann aus dem Publikum hört zu.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum hört zu.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum schaut sich den Film an.
Das Interesse an der Preview der Doku war groß. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Publikum schaut sich den Film an.
Impressionen von der Preview der MDR-Doku "Bauhausfrauen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Mehr weibliche Vorbilder

Der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg, Thomas Bauer-Friedrich, ist gebürtiger Dessauer. In seinem Studium habe das Bauhaus zwar eine Rolle gespielt – "aber eben nur die Männer und nicht die Bauhausfrauen." Der Film habe ihm gezeigt: Die Themen Nichtgleichstellung im Arbeitsverhältnis und ungleiche Bezahlung hätten bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Eine Forderung der Kunsthistorikerin Prof. Nike Bätzner von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein stößt auf zustimmenden Applaus im Saal: Nicht nur in der Kunst, auch in der Medienbranche sei das Klischee des männlichen Genies noch sehr präsent. Die Professorin von der Burg Giebichenstein in Halle sagte:

Diese Vorstellung müssen wir durchbrechen, sonst muss eine Künstlerin immer einem bestimmten Modell entsprechen, um sichtbar zu werden.

Prof. Nike Bätzner, Kunsthistorikerin

Dafür brauche es weibliche Vorbilder in Kunst und Medien und Netzwerke, die Frauen und Männer einschlössen.

Ein neuer Blick aufs Bauhaus

Gesprächsrunde mit den Interviewpartnern. 37 min
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Mitschnitt des Podiumsgesprächs im Anschluss an die Preview der Doku "Bauhausfrauen" am 7. Februar 2019 in der Moritzburg Halle, u.a. mit MDR KULTUR-Moderatorin Katrin Schumacher und Regisseurin Susanne Radelhof.

MDR KULTUR - Das Radio Di 12.02.2019 22:00Uhr 36:30 min

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Der Blick von manchem Gast hat sich durch die Dokumentation und die Diskussion verändert. "Namen wie Gropius oder Paul Klee kennt man. Aber ich habe vorher nie groß drüber nachgedacht, dass da auch Frauen stark beteiligt waren“, so die Besucherin Georgia Dressler. Auch die Kooperation von MDR KULTUR und Kunstmuseum Moritzburg kommt bei den Besuchern gut an: "Man lässt einen Film anders Revue passieren, als wenn man ihn sich allein auf der Couch anschaut. Es war schön, dass das Publikum mit einbezogen wurde und Fragen stellen konnte. Das ist inspirierend für die eigene Interpretation", sagt eine Besucherin.

Programmtipp Bauhaus-Themenabend am 13. Februar 2019 im Ersten:
20.15 Uhr: Spielfilm "Lotte am Bauhaus"
22.00 Uhr: "Bauhausfrauen"

MDR KULTUR sendet die Podiumsdiskussion im Radio in der Sendung "Werkstatt" am 12. Februar 2019 um 22.00 Uhr.

Frauen am Bauhaus

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 08. Februar 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 09:01 Uhr

Mit MDR KULTUR mittendrin

Programmmacher bei MDR KULTUR 2 min
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