Freie Szene fordert Veränderungen Theater Erfurt: Verhandlungen mit Guy Montavon gehen in die Verlängerung

Guy Montavon, Intendant des Theaters Erfurt, steht nach einer Pressekonferenz zum Programm des Philharmonischen Orchesters im Treppenhaus. 7 min
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MDR KULTUR - Das Radio Do 02.07.2020 12:00Uhr 06:56 min

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Seit nunmehr 18 Jahren leitet Guy Montavon die Geschicke des Theaters Erfurt. Ob sein Vertrag als Generalintendant bis 2027 verlängert werden soll oder nicht, das war am Mittwochabend im Erfurter Stadtrat eine der drängenden Fragen. Schließlich wurde Oberbürgermeister Andreas Bausewein beauftragt, über die inhaltliche Ausgestaltung zu verhandeln. Abschließend abgestimmt werden soll dann am 15. Juli oder nach der Sommerpause. Laut MDR KLASSIK-Opernredakteurin Bettina Volksdorf soll parallel zu den Vertragsverhandlungen eine breite kulturpolitische Diskussion über die zukünftige Ausrichtung angeschoben werden. Demnach erarbeiteten SPD, Linke und CDU gemeinsam eine Vorlage, in der es um prinzipielle kulturpolitische und konzeptionelle Fragen rund um die Oper geht.

Falls es in den nächsten Tagen zu einem Ergebnis kommt, wird in der nächsten Stadtratssitzung am 15.7. über die Vertragsverlängerung abgestimmt. Falls es kein Ergebnis gibt, steht das Thema erst nach der Sommerpause auf der Tagesordnung.

Zur Beschlusslage

Neukonzeption erwartet: Oper soll sich in die Stadt hinein öffnen

Montavon ist seit 2002 Generalintendant in Erfurt, zuletzt waren sein Führungsstil und die Konzeption des Hauses in die Kritik geraten. Die "Ständige Kulturvertretung" als ehrenamtlicher Zusammenschluss von Vertretern der freien kulturellen Szene hatte in einem offenen Brief eine stärkere Öffnung des Theaters in die Stadt hinein gefordert. Angestrebt wird demnach eine "breitere Programmatik", das Haus soll sich zu einem "kooperativen Ankerpunkt der städtischen Kultur" entwickeln. Montavon soll Gesprächsbereitschaft signalisiert haben. Volksdorf kommentiert, Musiktheater und Oper seien trotz aller Bemühungen vielerorts oft noch eine zu hermetische Welt; Bemühungen, sie stärker zu öffnen, seien sehr zu begrüßen.

Bilanz: Spannende Raritäten und Uraufführungen

Im Hinblick auf die künstlerischen Bilanz des gebürtigen Schweizers bisher erklärte Volksdorf, Montavon habe sich stark für Uraufführungen eingesetzt und Raritäten wie Carl Rheinthalers "Käthchen von Heilbronn", Spontinis "Agnes von Hohenstaufen" oder "Lady Magnesia" von Mieczyslaw Weinberg ausgegraben. Uraufgeführt wurden in seiner Ära beispielsweise "Das Waisenkind" von Jeffrey Ching, "Die Frauen der Toten" von Alois Bruder oder Philipp Glass' Oper "Waiting for the Barbarians". Das sei verdienstvoll, auch wenn die musikalische Qualität der Aufführungen nicht immer bis ins letzte Detail überzeugt habe, schätzt Volksdorf weiter ein.

Außerdem habe Montavon die kleine Spielstätte der Oper weiterentwickelt, die STUDIO.BOX habe zuletzt als Bühne, Galerie, Tanzlokal, Konzertzimmer, Installationsobjekt oder Gesprächsforum fungiert und sei ein tolles Angebot.

Kritik: GMD-Hängepartie

In Hinsicht auf die Kritik am Führungsstil erläutert Volksdorf, Montavon sei ein "absoluter Machertyp", der manchmal in "Basta-Mentalität" Entscheidungen treffe. Zuletzt sei ihm dies in der Frage der Nachbesetzung der Stelle des Generalmusikdirektors für das Philharmonische Orchester auf die Füße gefallen, so dass beim Arbeitsgericht Erfurt eine so genannte Konkurrentenschutzklages eines Bewerbers anhängig sei. Das Bewerbungsverfahren müsse wiederholt werden.

Montavons Vertrag läuft noch bis 2022, danach ginge er in die 5. Verlängerung. Beim letzten Mal musste der Stadtrat sie mehr oder weniger passieren lassen, weil aufgrund einer Klausel, die offenbar kaum jemand außer dem OB kannte, die eventuelle Nicht-Verlängerung schon zwei Jahre vor Vertragende hätte besprochen werden müssen. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2020 | 12:10 Uhr