John Beluhsi und Dan Ackroyd in Blues Brothers
Der Look ist unverkennbar: John Belushi und Dan Aykroyd im Film "Blues Brothers" Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Album und Komödie Blues Brothers: Seit 40 Jahren im Auftrag des Herrn unterwegs

Am 28. November 1978 erschien ein Album, das Geschichte schreiben sollte: "Briefcase Full of Blues" von den Blues Brothers. In den Liner notes stand zu lesen, dass die Brüder in einem Waisenhaus aufgewachsen seien und den Blues von einem Hausmeister namens Curtis gelernt hätten. In Wahrheit handelte es sich um die amerikanischen Schauspieler Dan Aykroyd und John Belushi. Das Album wurde ein weltweiter Erfolg, ebenso wie der ein Jahr später gedrehte Film "Blues Brothers".

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

John Beluhsi und Dan Ackroyd in Blues Brothers
Der Look ist unverkennbar: John Belushi und Dan Aykroyd im Film "Blues Brothers" Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein, ist eine ernste Angelegenheit. Dabei fing alles ziemlich profan an: mit einer Suff-Idee der Comedians Dan Aykroyd und John Belushi, die spätabends in einer New Yorker Bar feststellten, dass sie musikalisch gar nicht so weit voneinander entfernt waren wie geglaubt.

"Ich erklärte John den Blues, und er ließ den Metal-Kenner raushängen. An dem Abend war auch Howard Shore dabei, der spätere Bandleader von 'Saturday Night Live', und als John sagte, wir könnten ja 'ne Band gründen, meinte er: 'Wie wär's, wenn ihr euch Blues Brothers nennt?'"
Dan Aykroyd

Ein halbes Jahr bis zum ersten Konzert

Wie Aykroyd weiter erzählte, standen Belushi und er auf Chicago-Blues, "elektrifizierten, urbanen Blues, das Ganze aufgemotzt mit einer Ladung Memphis-Soul."

In der Comedy-Show "Saturday Night Live" verwandelten die beiden sich in ihre Alter Egos, die Brüder "Joliet" Jake und Elwood Blues, Markenzeichen: schwarze Anzüge, schmale Schlipse, Ray-Ban-Sonnenbrillen und schwer schweinöse Textpassagen, die sie den Original-Songs zuweilen unterjubelten. Nur ein halbes Jahr später, am 9. September 1978, traten sie in Los Angeles im Universal Amphitheatre auf, flankiert von einer Reihe absoluter Spitzenmusiker des Soul und R&B, die John Belushi höchstpersönlich handverlesen hatte.

"Eines Nachts rief mich John Belushi an: 'Hi, John Belushi hier, wir gründen gerade 'ne Band, können Sie morgen nach New York kommen?' Ich dachte, ein Freund von mir wolle mich verarschen, und legte auf."
Donald Dunn, Blues-Brothers-Bassist

Machten die Blues Brothers sich über schwarze Kultur lustig?

Der Mitschnitt des L.A.-Gigs kam im November 1978 auf den Markt: "Briefcase Full of Blues", so der Titel des Albums, galt vielen Weißen als der heiß ersehnte handgeschmiedete Nagel im Sarg der verhassten Disco-Ära. Der Treppenwitz des Ganzen war, dass die Blues Brothers lupenreinen, mit funky Grooves und fetten Bläsersätzen garnierten Rhythm & Blues spielten – genau den schwarzen Sound, ohne den es Soul, Funk und eine so überlegene Kunstform wie Disco nie gegeben hätte.

Nach Chicago sind's 106 Meilen, der Tank ist voll, wir haben 'ne halbe Packung Kippen, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen.

Dan Aykroyd im Film "Blues Brothers"

Es gibt Macher, es gibt Mitmacher, und natürlich gibt es auch immer Miesmacher. Denen das Album so ganz und gar nicht gefiel: Aykroyd und Belushi wurden als rassistische Ausbeuter gebasht, und der Großkritiker Dave Marsh schrieb im "Rolling Stone", das ignorante Duo würde sich einen Witz auf Kosten schwarzer Kultur machen.

Bassist Donald Dunn, der mit so ziemlich allen Großen des Blues zusammengespielt hatte, von Muddy Waters bis Freddie King, sah das ein wenig anders. Er meinte, Aykroyd und Belushi hätten zwar reichlich Kritik einstecken müssen, aber niemand habe dem Blues zu größerer Popularität verholfen als sie.

Musik ist keine Religion

Während "Briefcase Full of Blues" Millionen Einheiten verkaufte, wurde bereits der Film "Blues Brothers" vorbereitet. Ein Welterfolg, der Gimmick und tiefe Verneigung zugleich war: vor der Musik eines James Brown, einer Aretha Franklin, eines Cab Calloway, die allesamt an der Seite ihrer weißen Brüder mitspielten.

Der berühmteste Satz des Films ist zum geflügelten Wort geworden: "Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs." Tatsächlich aber handeln Film und Album von etwas ganz anderem. Davon, dass Musik keine Religion ist. Und manche Weißbrote nicht mal den kleinsten Spaß verstehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. November 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 04:00 Uhr