Bosse by Benedikt Schnermann
Axel Bosse wurde 1980 in Braunschweig geboren. Bildrechte: Universal Music/B. Schnermann

Auf Tour Bosse auf "Alles ist jetzt" – Pop mit Haltung

Wenn einem ein Ruf vorauseilt, bedeutet das nicht immer etwas Gutes. Im Fall von Axel "Aki" Bosse allerdings schon. Denn der Musiker, den man mittlerweile fast schon als "Urgestein" der deutschsprachigen Indie-Szene bezeichnen kann, ist tatsächlich so sympathisch und locker, wie es immer heißt. Mit seinem aktuellen Album "Alles ist jetzt" tourt er nun durch Deutschland und macht unter anderem in Leipzig, Jena, Dresden und Chemnitz Halt.

von Marie-Kristin Landes, MDR KULTUR

Bosse by Benedikt Schnermann
Axel Bosse wurde 1980 in Braunschweig geboren. Bildrechte: Universal Music/B. Schnermann

Zigarette in der Hand, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Kaum zu glauben, dass "Aki" Bosse sein mittlerweile siebtes Album herausgebracht hat. Denn man könnte diesen unkomplizierten Typen im abgewetzten Parka immer noch in rauchigen Studentenbars statt auf großen Bühnen vermuten. Vor 14 Jahren fing alles an, mit seinem Debütalbum "Kamikazeherz". Und auch wenn die schrammeligen Gitarren und der schnoddrige Gesang passé sind, steckt im aktuellen Album "Alles ist jetzt" mehr vom "alten" Bosse als zunächst scheint.

Blick in die eigene Geschichte

Er habe sich kürzlich mit seinem Kind aus nostalgischen Gründen die ersten Alben noch einmal angehört, erzählt Bosse im Gespräch mit MDR KULTUR. Auf denen höre er sich an, als sei die Pubertät noch nicht an den Stimmbändern angekommen.

Ich finde, dass sich im Vergleich dazu auf dem neuen Album gar nicht so viel verändert hat. Der Sound natürlich. Den wollte ich aber schon verändern, als ich angefangen habe: Bands, die immer wieder das Gleiche abliefern, haben mich immer schon gelangweilt.

Bosse

Ein Musiker mit Meinung

Bosse @Lit. Cologne, 2017
Axel Bosse hat nie politische Statements gescheut Bildrechte: IMAGO-STOCK/H.Guleschka

Bosse – das ist mittlerweile Indie-Pop statt Rock. "Immer so zu ballern" nehme einem Song eine ganze Menge, so der 39-jährige. Es sei vielleicht eine tolle Attitüde, "dass sich ein paar Studenten die Köppe einrennen. Aber so richtig was gefühlt, hab ich dabei nicht so".

Doch auch wenn seine Musik heute wesentlich seichter klingt, so ist er sich inhaltlich treu geblieben. Im Vergleich zu vielen seiner Kollegen hat er nie politische Statements gescheut – gegen Rechts, gegen Hass und Ausgrenzung. Auch auf "Alles ist jetzt" scheut er sich nicht. Dabei zeigt er Haltung, ohne große Parolen zu schwingen. Er ist politisch, aber eben nicht so mitten ins Gesicht. Vielmehr streut er geschickt Meinungen in seine Songs ein.

Ich dachte, es muss so energetisch und bunt und empathisch dastehen in der heutigen Zeit, wie ich das nur kann.

Bosse

Leben auf der Überholspur

Auch privat hat Bosse mittlerweile gelernt, nicht immer mit Volltempo durchs Leben zu rasen. Er habe lange das Gefühl gehabt, in seiner Kindheit und Jugend auf dem Dorf viel verpasst zu haben. "Ich dachte, ich muss jetzt alles sehen, ich muss jetzt alles machen. Ich muss mich falsch verlieben, muss untergehen um wieder neu aufzuerstehen." Nach diesem Prinzip habe er so viele Jahre lang gelebt, dass er es "jetzt irgendwie raus" habe aus seinem Kopf und Körper.

Bosse ist angekommen, ein Stück weit erwachsen geworden – und hat sich doch das ein oder andere bewahrt. So schreibt er seine Songs beispielsweise noch genau so wie als 13-Jähriger – mit einem Blatt weißem Papier, einer Idee, einer Gitarre, und dem Klavier: "Da entscheidet sich alles".

Bosse auf "Alles ist jetzt"-Tour in Mitteldeutschland 25. März, Haus Auensee, Leipzig
05.-06. Juli, Kosmonaut Festival, Chemnitz
26. Juli, Kulturarena Jena
23. August, Junge Garde, Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. März 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 11:14 Uhr

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