Die Semperoper bei Tag
Bildrechte: Semperoper / Klaus Gigga

Nach der Brandkatastrophe 1869 Wie Semper zwei Mal eine Oper für Dresden baute            

Dass ein Architekt gleich zweimal in einer Stadt ein Opernhaus bauen kann, ist selten. Der Grund allerdings war tragisch: Vor 150 Jahren brannte Gottfried Sempers erste Oper in Dresden nieder. An seinem zweiten Werk, das den Theaterplatz prägt, erfreuen wir uns bis heute.

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Die Semperoper bei Tag
Bildrechte: Semperoper / Klaus Gigga

Es stinkt ihnen – den Theaterdienern Große und Junghans. Gasschläuche sollen sie herstellen, hoch oben auf dem Lagerraum über dem 96-flammigen Gasleuchter. Doch der Gestank der Gummilösung ist schier unerträglich. Eine Räucherkerze soll Abhilfe schaffen.

Fünf Minuten vor zwölf Uhr Mittags zeigte der Kreuztürmer
den Brand des königlichen Hoftheaters an. Die grelle,
furchtbar wütende Feuerflamme loderte zu allererst aus dem
Dachstuhl und den direkt darunter liegenden Fenstern heraus und zwar aus jener Gegend, wo sich der Kulissenboden befand.
In rapider Schnelligkeit verbreitete sich die Flamme, immer
größere Dimensionen annehmend, so dass die herbeigeeilten
Spritzen und die Rettungs- und Löschmannschaften ohnmächtig
an der Riesenbrandstätte standen.

Dresdener Nachrichten

Als der Architekt nach Dresden kommt

1834 kommt Gottfried Semper nach Dresden. Eine Stadt, in der nach dem Urteil von Zeitgenossen architektonisch vieles im Argen liegt. Semper soll das ändern. Seine Idee: den leeren, gestaltlosen Platz zwischen Zwinger und Elbterrassen zu einem Forum nach antikem Vorbild mit Orangerie, Gemäldegalerie und Theater umzugestalten, "damit der schönste Teil der Stadt von jenem entstellenden Provisorium befreit werde."

Gebaut wird dann zwar nur das Theater. Das aber sorgt europaweit für Aufsehen, weil Semper konsequent Schinkels Forderung umsetzt, "dass der Charakter des Gebäudes sich von außen vollkommen ausspreche und das Theater durchaus nur für ein Theater gehalten werde."

Akustisch udn technisch auf dem neusten Stand

Das Halbrund des Zuschauerraums zeigt sich im Halbkreis des Theaterbaus, der in seiner äußerlichen Hülle an italienische Renaissancebauten erinnert. Akustisch und technisch ist das Haus auf dem neuesten Stand. König Friedrich August II. ernennt Gottfried Semper bei der Eröffnung 1841 zum "Ritter des Civil-Verdienstordens" und spendiert ihm einen Freiplatz in der Parterre-Loge No. 2 in der vordersten Reihe. Auch dank Kapellmeister Richard Wagner spielt sich das Dresdener Opernhaus in die erste Reihe der deutschen Theaterhäuser. Bis zum 21. September 1869.

Die Gewalt des Feuers war trotz des geringen Windes so
groß, dass glühende Kohlen und glimmendes Notenpapier bis
auf den Pirnaischen Platz flogen und dort von den Füßen der
Passanten zertreten, die Trottoirs schwarz färbten.

Dresdener Nachrichten

Streit um den Neubau nach dem Brand

Semperoper Elbseitiges Vestibül
Elbseitiges Vestibül Bildrechte: Semperoper / Klaus Gigga

Um den Neubau entbrennt ein Streit zwischen König und Ständeversammlung. Die Abgeordneten wollen Semper als Architekten. Der aber wird wegen seiner Beteiligung an der 1848er-Revolution noch immer steckbrieflich gesucht und ist nach Zürich emigriert. Die Parlamentarier setzen sich durch, weil nur Semper garantiere - so die Landstände -, "dass wir vor einem Rückschritte sicher sind, und dass etwas Bedeutendes, dem gesamten Vaterlandes zur Ehre Gereichendes, geschaffen werde."

Es wird der erhoffte bedeutende Theaterbau: Größer, prunkvoller und ästhetisch gelungener als der erste Bau, dominiert das Haus bis heute den Theaterplatz und trägt seinen Namen: Semper-Oper.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. September 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 04:00 Uhr

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