Mann zerstört das Bindeglied zwischen der EU und Großbritannien
Der Brexit hat weitreichende Folgen - auch für Kulturschaffende. Bildrechte: imago/Ikon Images

Politik und Kultur Was der Brexit für Kulturschaffende bedeutet

Am Dienstag hat das britische Parlament das Brexit-Abkommen mit der EU abgelehnt. Das Votum könnte auch für Kulturschaffende gravierende Folgen haben. Wir haben Vertreter der Kultur gefragt, wie sie die Lage sehen.

Mann zerstört das Bindeglied zwischen der EU und Großbritannien
Der Brexit hat weitreichende Folgen - auch für Kulturschaffende. Bildrechte: imago/Ikon Images

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, befürchtet durch den Brexit einen Schaden für europäische Künstler und Kulturschaffende. Er sagte MDR KULTUR, es werde bislang viel zu wenig über die Folgen für die Kultur gesprochen. Es sei überhaupt nicht klar, wie ein künftiger Austausch aussehen könne. Zimmermann schlägt deshalb ein bilaterales Abkommen zwischen Deutschland und Großbritannien vor:

Künstlerinnen und Künstler sollten keine Arbeitserlaubnis brauchen. Man kann auch vereinfachte Visaregelungen für Künstler organisieren.

Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat
Olaf Zimmermann, 2016
Olaf Zimmermann Bildrechte: dpa

Es brauche im Kulturbereich so viel Austausch wie möglich, so Zimmermann weiter: "Nicht nur bei der Personenfreizügigkeit, sondern natürlich auch bei der Warenfreizügigkeit, also im Bereich Kunsthandel, Musikhandel, Computerspiele."

Von praktischen Lösungen dieser Probleme sei man aber noch weit entfernt.

Goethe-Institut registriert mehr Interesse

Dem Londoner Goethe-Institut beschert der drohende Brexit mehr Zulauf. Leiterin Katharina von Ruckteschell-Katte sagte MDR KULTUR, viele wollten gerade jetzt stärker mit dem Goethe-Institut zusammenarbeiten – aus Angst, der Brexit könne die Beziehungen behindern.

Ruckteschell-Katte zufolge sind verschiedene Projekte geplant, um das Thema europäische Integration wachzuhalten: "Bei den Debattierwettbewerben von Schülern geht es thematisch um Europa, es gibt einen Jugendaustausch oder auch ein 'Fußball verbindet'-Projekt."

Außerdem sollen gezielt Brexit-Befürworter angesprochen werden. Dafür werde das Goethe-Institut die Zivilgesellschaft außerhalb Londons fördern, so von Ruckteschell-Katte weiter.

"Grüffelo"-Illustrator Scheffler fühlt sich nicht mehr willkommen

Der Illustrator und Miterfinder des Kinderbuch-Klassikers "Der Grüffelo", Axel Scheffler, bangt um seine Zukunft in Großbritannien. Er sagte MDR KULTUR, er wisse nicht mehr, welchen Status er in Zukunft haben werde: "Man weiß nicht, was passieren wird". Scheffler lebt seit 36 Jahren in London.

Scheffler ergänzte, ihn beschleiche das bittere Gefühl, als EU-Bürger nicht mehr willkommen zu sein: "Nach all dem, was ich für britische Kinder mit meiner Arbeit mit Julia Donaldson zusammen getan und erreicht habe. Jede britische Familie hat eigentlich dieses Buch." Damit meint Scheffler den "Grüffelo", der ihn zu einem der erfolgreichsten Bilderbuchillustratoren weltweit machte.

Scheffler selbst lebe völlig in dieser sprichwörtlichen Blase der Brexit-Gegner. In der Verlagsindustrie und in seinem Umfeld seien die meisten gegen den Brexit.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Januar 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 15:18 Uhr

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