Meg Wolitzer, 2015
Die Schriftstellerin Meg Wolitzer, 2015. Bildrechte: IMAGO

Roman "Das weibliche Prinzip" Meg Wolitzers warmherziger Blick auf den Feminismus

Es wird weiterhin viel geredet und geschrieben über Männer und Frauen und wie sie sich zu einander verhalten oder verhalten sollten. Es gibt Pamphlete und Aufrufe, Diskussionsrunden und Hashtags wie #metoo. Wen all das jedoch ermüdet und wer sich außerdem für die größeren Zusammenhänge interessiert, dem sei zur Abwechslung mal ein Roman zum Thema empfohlen: "Das weibliche Prinzip" von Meg Wolitzer.

von Bettina Baltschev, MDR KULTUR-Literaturkritikerin

Meg Wolitzer, 2015
Die Schriftstellerin Meg Wolitzer, 2015. Bildrechte: IMAGO

Amerikanerin, Anfang 60, in New York lebend, gehört Meg Wolitzer zu den Schriftstellerinnen, die im eigenen Land längst einen großen Namen und eine treue Fangemeinde haben, während sie bei uns immer etwas im Schatten ihrer männlichen Kollegen stehen. Und das, obwohl sie ähnliche Themen behandelt wie beispielsweise Jonathan Franzen oder Jeffrey Eugenides, der übrigens ein Fan von Meg Wolitzer ist. Das amerikanische Gesellschaftspanorama "Die Interessanten" über eine New Yorker Künstler-Clique beispielsweise wurde hoch gelobt und auch ihr neuester Roman, der immerhin schon ihr elfter ist, wurde im englischsprachigen Raum schon dafür gefeiert, wie gut er die Zeichen der Zeit erspürt und beschreibt.

Erzählung von sehr unterschiedlichen Frauen

Meg Wolitzer: Das weibliche Prinzip
Mit großer Empathie und Witz beleuchtet Meg Wolitzer die Facetten von Macht, Feminismus, Liebe und Loyalität. Bildrechte: DuMont Buchverlag

Obwohl der Titel des Buches eher nach Essay oder Sachbuch klingt, ist dieses Buch eindeutig ein Roman. Er handelt von Frauen, von ihren Beziehungen untereinander und wie die sich über die Jahrzehnte verändert haben. Da ist einmal die Hauptfigur, die junge Studentin Greer Kadetsky, die frisch an der Uni zwei Schlüsselerlebnisse hat. Auf einer Party wird sie von einem Mitstudenten begrabscht und lernt einige Wochen danach bei einem Vortrag Faith Frank kennen, eine feministische Ikone, die ihr später einen Job in ihrer frauenbewegten Stiftung anbietet. Diese Konstruktion benutzt Meg Wolitzer als Vehikel, um sehr lebendig von sehr unterschiedlichen Frauen zu erzählen. Von einer älteren Frau, die alle feministischen Kämpfe bereits durchlebt und durchlitten hat und zugleich von einer jüngeren, die begreift, dass diese Kämpfe noch längst nicht ausgestanden sind und sich zugleich von der feministischen Ikone emanzipiert.

Pralles Leben

Doch Meg Wolitzer belässt es nicht beim Gegensatz von altem und neuem Feminismus, sondern füllt das Gerüst mit prallem Leben. Da wird geliebt, gehasst, gestorben, intrigiert und fremdgegangen, so wie man es aus dem echten Leben kennt. Und sie lässt die Protagonisten, zu denen auch der Freund von Greer Kadetsky und der Geliebte von Faith Frank gehören, so zu Wort kommen, dass sich ihre Geschichten überlappen und sich damit auch immer wieder Perspektiven verschieben, die zu überraschenden Wendungen führen. Der rote Faden jedoch, auf den sich der Titel des Buches bezieht, das sind die Allianzen und Nicht-Allianzen zwischen den Frauen. Die werden hier ganz sicher nicht als die besseren Menschen dargestellt, allerdings lassen sie sich eher durch persönliche Befindlichkeiten leiten, als das möglicherweise unter Männern der Fall ist. Und es wird, natürlich, sehr viel geredet, nicht immer sachlich, aber doch immer sehr unterhaltsam.

Feminismus mit Happy End?

Meg Wolitzer lässt ihren Roman im Jahr 2019 enden und ganz zum Schluss, Greer Kadetsky ist mittlerweile selbst so etwas wie eine feministische Ikone geworden, taucht eine junge Frau auf, ihre Babysitterin. Die schaut wiederum mit ganz neuem Selbstbewusstsein und großer Selbstverständlichkeit auf das weibliche Prinzip. Wobei Meg Wolitzer im Übrigen - ein Hinweis auf die Aktualität des Buches - durchscheinen lässt, dass die Emanzipationsbemühungen gerade im Zeitalter eines sexistischen amerikanischen Präsidenten nicht nachlassen dürfen.

Ein Roman also, der neben allen Debatten und Diskussionen eine sehr warmherzige, versöhnliche und manchmal auch sehr komische Variante bietet, über Geschlechterfragen zu sprechen. Auch wenn es der Titel auf den ersten Blick nicht vermuten lässt, stellt "Das weibliche Prinzip" einmal mehr den Beweis an, dass in einem Stück Literatur oft mehr Wahrheit steckt als in der Wirklichkeit.

Angaben zum Buch Meg Wolitzer: "Das weibliche Prinzip" (The Female Persuasion)
Roman
Aus dem Englischen übersetzt von Henning Ahrens
Dumont Verlag
544 Seiten
18,99 Euro (gebunden)
ISBN 978-3-8321-8424-7

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Buch der Woche | 17. Juli 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2018, 00:00 Uhr

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