Oliver Zille
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, kündigt für dieses Jahr ein politisches Messe-Programm an. Bildrechte: dpa

Programm vorgestellt Die Leipziger Buchmesse 2018 wird politisch

Oliver Zille
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, kündigt für dieses Jahr ein politisches Messe-Programm an. Bildrechte: dpa

Politische Themen sollen auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse (15. bis 18. März) eine große Rolle spielen. Buchmessedirektor Oliver Zille sagte am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms, Politik bestimme nicht nur unser Lesen, Lernen und Leben: "Auch wir bestimmen die Politik." Dennoch sei Politik nur ein Aspekt. Die Buchmesse stehe für Offenheit, Vielfalt und Austausch. Zudem würden die europäischen Werte auf den Prüfstand gestellt, so Zille:

In Europa herrscht das Gefühl: Wir sind die Besten, wir wissen, wie es geht. Das wollen wir hinterfragen.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse

Die Messe bietet nach eigenen Angaben erstmals ein Forum zu Politik und Medienbildung an. Es soll Kinder und Jugendliche für Politik begeistern. Die Veranstalter versprechen eine "jugendgemäße" Herangehensweise an Themen wie Zivilcourage, demokratische Bildung oder Digitalisierung. So soll es einen "Democracy Slam" geben, einen Slam zu politischen Themen der Gesellschaft oder ein Spiel zu Zivilcourage.

Eine literarische Reise um die Welt

Die US amerikanische Schriftstellerin Nell Zink.
Auch auf der Buchmesse zu Gast: Die US-amerikanische Autorin Nell Zink Bildrechte: IMAGO

Die Besucher der Messe können sich auf eine literarische Reise um die Welt freuen. Die Autoren zeichnen ein Bild der amerikanischen Gesellschaft (Nell Zink), rechnen mit der russischen Nachwendegesellschaft ab (Viktor Jerofejew), erzählen Geschichten aus Kurdistan (Bachtyar Ali) und sprechen über ihre Erlebnisse mit der türkischen Staatsgewalt (Asli Erdogan). Die Preisträgerin des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2018, Åsne Seierstad, präsentiert ihr Buch über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik.

Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse ist Rumänien. Rund 50 rumänische Autoren und Künstler präsentieren ihre Neuerscheinungen und diskutieren über Sichtweisen auf ihr Land, seine Geschichte und die aktuelle gesellschaftspolitische Situation. "Geschichte und Gegenwart dieses Landes mit seinen vielfältigen Ethnien, Sprachen und Religionsgemeinschaften kann für eine gemeinsame europäische Zukunft Gedankenentwürfe liefern und neue Perspektiven aufzeigen", sagte Zille.

Wie geht es den unabhängigen Verlagen?

Ein weiteres Thema sind die unabhängigen Verlage und die Frage, ob sie gefördert werden sollen. In einer Mitteilung der Buchmesse heißt es, viele der Indie-Verlage seien vom Strukturwandel der Branche betroffen, nicht wenige seien in ihrer Existenz bedroht. Zu dem Thema soll es am ersten Messetag eine Diskussionsrunde mit Verlegern, Politikern und Experten geben.

Auch die parallel zur Messe ausgerichtete Blogger-Konferenz "buchmesse:blogger sessions 18" erfährt am Messesonntag eine Neuauflage. Laut Messe konnten Blogger dafür erstmals Themenvorschläge einreichen. Die Vorträge auf der Konferenz beschäftigen sich mit neuen Entwicklungen der Literaturblogger-Szene, berichten über Erfahrungen oder geben Tipps für eine Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Verlagen.

Software soll Erfolg eines Buches voraussagen

Auf dem "Innovations-Areal" der Buchmesse, dem "Neuland 2.0", stellen in diesem Jahr 13 ausgewählte Unternehmen Neuentwicklungen rund um die Themen Lesen, Lernen und Arbeiten vor. Das Angebot richtet sich an Autoren, Verlage, Pädagogen und Schüler gleichermaßen. Präsentiert werden neue Vertriebswege für Bücher, eine Software, die komplexe Inhalte auf neue Art verständlich darstellen soll oder ein Vokabeltrainer, der klassische Lernmethoden mit spielerischen Ansätzen kombiniert. Eines der Unternehmen verspricht gar, Buch-Manuskripte per Software auf ihre wirtschaftlichen Erfolgsaussichten prüfen zu können - mit einer Trefferquote von 80 Prozent.

40 Jahre Tigerente, 200 Jahre Karl Marx

Parallel zur Buchmesse startet auf dem Messegelände auch die Manga-Comic-Con. Die Zeichner Toyotarou, Mika Yamamori und Osora sind in Leipzig ebenso dabei wie ihre europäischen Comic-Kollegen Goran Sudzuka, Mirka Andolfo und Miguel Diaz Vizoso. Aber auch die jüngsten Besucher kommen auf ihre Kosten, wie Buchmessedirektor Zille verspricht. "Die Tigerente wird 40 Jahre alt und Karl Marx 200. Diese Vielfalt verspricht einen interessanten Spannungsbogen."

Insgesamt präsentieren etwa 2.400 Aussteller ihre Frühjahrsprogramme. Im Vorjahr hatten rund 285.000 Menschen die Messe und das Literaturfestival "Leipzig liest" besucht.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Februar 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2018, 14:01 Uhr