Sachbuchempfehlungen Gesprächsbereit? – Neue Bücher zum politischen Dialog

von Bastian Wierzioch, MDR KULTUR

Der gelungene Dialog mit Rechts-Außen scheint gar nicht so einfach herstellbar. Oft fliegen die Fetzen. So war es zu erleben auf der Frankfurter Buchmesse, als es am Stand des neurechten Antaios-Verlags zum Krawall kam. Oder man spricht dann doch lieber nicht miteinander, so wie es im vergangenen Januar passiert ist, als am Theater Magdeburg eine geplante Podiumsdiskussion mit dem Verleger und AfD-Vordenker Götz Kubitschek abgesagt wurde. Kompliziertes Feld.

Gesprächsbereite Sachbuchwelt

Cover zum Buch 'Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen' von Johannes Hillje
Cover zum Buch "Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen" Bildrechte: Dietz-Verlag

Die überwiegende Mehrheit der Sachbuchautoren jedenfalls, die sich in diesem Jahr mit Rechtspopulismus, der AfD oder der Neuen Rechten beschäftigt haben, sprechen sich für offene und öffentliche Kontroversen mit Vertretern des Rechts-Außen-Milieus aus. Dafür stehen nicht nur die Sachbücher "Fuck the Facts – Wege aus der Falle des Postfaktischen" (buchfunk) des MDR-Fernsehjournalisten Robert Burdy oder "Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen" (Dietz-Verlag) aus der Feder des Politikberaters Johannes Hillje.

In "Die Angstmacher - 1968 und die neuen Rechten" (Aufbau Verlag) schreibt der Journalist Thomas Wagner über die Ausladung Götz Kubitscheks am Theater Magdeburg: "Je mehr sich die dem eigenen Anspruch nach plurale Öffentlichkeit nach rechts hin schließt, desto effektiver scheinen die von den Achtundsechzigern und ihren Adepten erprobten Methoden der Spaßguerilla und der Provokation zu greifen." Wagner selbst hat für sein Buch mit zahlreichen Wortführern der Neuen Rechten Interviews geführt. Dabei nimmt der Autor die Ideologen sachlich ernst und verteufelt sie nicht.

Keine Stigmatisierung!

Buch Melanie Amann Angst für Deutschland
Cover zum Buch "Angst für Deutschland" Bildrechte: Droemer Knaur

Nicht ignorieren, nicht totschweigen, nicht ausgrenzen! Das empfiehlt auch Melanie Amann, die für ihr Sachbuch "Angst für Deutschland" (Droemer) mit AfD-Aktivisten gesprochen hat. Die Spiegel-Redakteurin bezeichnet nicht wenige der Parteimitglieder als "Idealisten", die sie nicht als Fundamentalisten, Hardliner oder nationalistische Ideologen erlebt habe. Amann zeigt allerdings auch ein in AfD-Kreisen weit verbreitetes paradoxes Freiheitsverständnis auf, das sie "ausgrenzenden Vulgär-Liberalismus" nennt. Demnach sei es im rechtspopulistischen und neurechten Lager oftmals nicht weit her mit der Toleranz gegenüber den Meinungen Andersdenkender. Zahlreiche Anhänger rechtspopulistischer Gedankengebäude nähmen das Grundrecht der Meinungsfreiheit zuvorderst für das eigene Milieu in Anspruch. Kritik wird in diesem Sinne schnell als Angriff, bzw. gleich mit dem Superlativ "Gesinnungsterror" bewertet.

Buchcover Mit Rechten reden
Cover zum Buch "Mit Rechten reden" Bildrechte: Klett-Cotta

Am scharfzüngigsten gehen Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn in "Mit Rechten reden" (Klett-Cotta) mit der Problematik um. Die Autoren, die ihr Sachbuch aus einer dezidiert nicht-linken, eher konservativen Weltsicht heraus geschrieben haben, sprechen neurechte Akteure in ihrem Text direkt an. Dabei stellen für die Autoren "rechte Inhalte allein noch kein Problem" dar. Für die Autoren geht es nicht darum, dass rechtspopulistische und neurechte Positionen häufig als "faschistisch", "völkisch", "rassistisch", "antisemitisch", islamophob", "sexistisch" und "homophob" bewertet werden. Leo, Steinbeis und Zorn geht es vor allem darum, wie diese Inhalte transportiert werden. Damit hat das Trio durchaus Probleme und macht Vorschläge, wie politische Kommunikation zwischen Rechtsaußen und der liberalen Öffentlichkeit gelingen kann.

Grenzen des Dialogs

Problematisch wird der Dialog mit Rechts-Außen, wenn neurechte Ideologieproduzenten gemäß dem eigenen Konzept der "Diskurs-Hegemonie" kommunizieren. Denn Vertreter dieser Strategie legen im Streitgespräch keinen Wert auf Augenhöhe und Konsenssuche. Im Sachbuch "Mit Linken leben" (Verlag Antaios) schreibt das Wiener Autorenduo Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld "Es ist nicht die Hoheit über den Diskurs erstrebenswert, sondern seine Zerstörung".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial | 14. November 2017 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 17:19 Uhr

Mehr Politik bei MDR KULTUR

Angela Merkel sitzt vor einer Diskussionsrunde mit eingeladenen Teilnehmern beim Bürgerdialog zur Zukunft Europas im Publikum.
Bildrechte: dpa

Angela Merkel wirbt auf einem Bürgerdialog in Jena für Europa. Wie ist sie damit angekommen? Eine Einschätzung von MDR KULTUR-Politikredakteur Bernd Schekauski.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 15.08.2018 08:10Uhr 06:49 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Meistgelesen bei MDR KULTUR