Christel Bodenstein als Prinzessin 1957 und im Interview 2007
Christel Bodenstein 1957 als Prinzessin Tausendschön und 2007. Bildrechte: MDR/Progress/Jens Schöne/Collage MDR

DEFA-Schauspielerin aus "Das singende, klingende Bäumchen" Christel Bodenstein: Einmal Prinzessin, immer Prinzessin

Zur Weihnachtszeit wird sie wieder über die Bildschirme flimmern als launenhafte, hochnäsige Prinzessin Tausendschön im DEFA-Märchen "Das singende, klingende Bäumchen". Vor 60 Jahren kam der Film in die DDR-Kinos, und mit der Rolle hat Christel Bodenstein ihre Zuschauer längst dauerverzaubert. Doch die Schauspielerin hat während ihrer Filmkarriere in mehr als 40 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Sie gilt als ostdeutsche Charakterdarstellerin und stand mit allen DDR-Filmlegenden vor der Kamera.

Christel Bodenstein als Prinzessin 1957 und im Interview 2007
Christel Bodenstein 1957 als Prinzessin Tausendschön und 2007. Bildrechte: MDR/Progress/Jens Schöne/Collage MDR

Als Christel Bodenstein zwölf Jahre alt ist, läuft sie am Leipziger Theater vorbei und sieht ein Plakat mit einer jungen Französin: "Die war wunderbar, zauberhaft, mit einem Tütü", erinnert sie sich. "Und da bin ich nach Hause gekommen und hab gesagt: Mama, ich weiß jetzt was ich werden will, ich werde eine große Tänzerin, eine Primaballerina."

Christel Bodenstein
Eigentlich wollte Christel Bodenstein Balletttänzerin werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und tatsächlich, ihre ersten Tanzschritte macht die junge Christel beim Ensemble der "Deutsch-sowjetischen Freundschaft". Mit kleinen Komparsenauftritten im Kindertheater und in der Oper spart sie das Geld für die Ballettschule Leipzig zusammen und schafft schließlich den Abschluss an der Staatlichen Ballettschule Berlin. Doch ihr erstes Engagement in Halle war ein wenig anders als gedacht: "Da war nichts mit auf Spitzenschuhen tanzen. Da war Operette", sagt Bodenstein.

Nackt am Strand entdeckt

Als Schauspielerin entdeckt wird Bodenstein, als sie das erste Mal in den Urlaub an die Ostsee fährt. Als die 16-Jährige nackt am FKK-Strand liegt, läuft der Filmregisseur Prof. Dr. Maetzig, vornehm angezogen und mit zwei Hunden, am Wasser entlang und kommt auf sie zu.

Ich bin noch nie in meinem Leben nackt einem angezogenen Mann vorgestellt worden. Ich habe mich sowas von geschämt. Er sagte noch: Ich denke, wir sehen uns noch mal. Und da dachte ich: Da ziehe ich aber was an.

Christel Bodenstein, Schauspielerin

Die Rolle ihres Lebens

Sie bekommt ihre ersten Rollen als Laienschauspielerin und beschließt daraufhin, ganz seriös Schauspiel zu studieren. Gleich zu Studienbeginn spielt sie die Rolle ihres Lebens: Als launenhafte, hochnäsige Prinzessin Tausendschön im DEFA-Märchen "Das singende, klingende Bäumchen" verzaubert sie ihre Zuschauer bis heute – seit 60 Jahren.

Die Rolle wird sie ihr Leben lang verfolgen, was ihr nicht immer gefällt: "Eine Zeit lang war ich ein bisschen sauer, weil ich in der 60er-Jahren einen Film nach dem anderen gedreht habe. Und immer attraktive Hauptrollen und schöne Filme", sagt sie. "Aber immer sagten alle: Tja, wissen Sie, der war ja schön der Film, aber das Bäumchen ..."

Traumpaar mit Armin Müller-Stahl

Armin Müller-Stahl
Mit Schauspielkollege Armin Müller-Stahl war Christel Bodenstein auch privat ein Paar. Bildrechte: IMAGO

Bekannt wird auch ihr Privatleben. Im Fernsehdrama "Wenn die Nacht kein Ende nimmt" spielt sie zusammen mit zwei aufstrebenden Jungstars: Manfred Krug und Armin Müller-Stahl. Bodenstein und Armin Müller-Stahl avancieren auch privat zum Traumpaar, was dem DDR-Filmspiegel 1960 eine ausführliche Home-Story wert ist. Ganz nach westlichem Vorbild. Allerdings titelt man eher sozialistisch-bodenständig: "Christel Bodenstein - Keine Prinzessin auf der Erbse" und beschwört ihre hausfraulichen Fähigkeiten.

Eine kurze, schöne Zeit. Und dann lernte ich Konni kennen, und dann war das sozusagen beendet.

Christel Bodenstein über ihre Beziehung zu Armin Müller-Stahl

Ehe mit Konrad Wolf

"Konni", Konrad Wolf, zählt 1960 zu den Spitzenregisseuren der DEFA, ist 13 Jahre älter als Bodenstein und gehört durch familiäre Verbindungen zur DDR-Politprominenz. Aber Ansehen und Respekt erwirbt er sich durch überzeugende künstlerische Leistung. Als Sohn Mirko ein Jahr später geboren wird, zieht Familie Wolf-Bodenstein in eine kleine Wohnung nach Potsdam-Babelsberg.

Die gemeinsame Zeit des Ehepaars ist von Anfang an rar, Konrad Wolf ein Arbeitstier. Die schönen Momente sind die seltenen: Von der Arbeitszeit abgeknappste Urlaubstage an der Ostsee, entspannte Aufenthalte im Wochenendhaus in Karolinenhof oder Feste mit Freunden und Familie.

Filmpartner Manfred Krug

Manfred Krug
Manfred Krug war Christel Bodensteins wichtigster Filmpartner. Bildrechte: IMAGO

Bodenstein bekommt die Revuefilme, die ihr zu Anfang der Karriere versprochen wurden. Sie begegnet Manfred Krug wieder, der ihr wohl wichtigster Filmpartner wird. In den Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens waren beide Publikumslieblinge. "Revue um Mitternacht" wird zum Kassenschlager und Bodenstein zum Star der DDR.

Doch auf Dauer will sich die Schauspielerin nicht auf heitere Unterhaltung festlegen lassen. In dieser Zeit wird der Roman von Karl-Heinz Jakobs "Beschreibung eines Sommers" über Liebe und Ehebruch beim Aufbau des Raffineriewerks Schwedt heiß diskutiert. Bodenstein bekommt in der Verfilmung die Rolle der ehebrechenden Grit. Die Liebesgeschichte im Produktionsmilieu ist auch deshalb so erfolgreich, weil Bodenstein einem neuen Frauentyp entspricht. Es sind die taffen, leicht unterkühlt wirkenden Frauen, die in den 60er-Jahren das internationale Kino erobern. Das macht neben der Aufbruchsstimmung und der Atmosphäre der Baustelle einen großen Reiz dieses Films aus. Zudem ist er so etwas wie der Vorläufer des Geschichte machenden DEFA-Films "Spur der Steine".

Prinz statt Prinzessin

Konrad Wolf allerdings hat Christel Bodenstein in seinen Filmen nie besetzt. Aber 1966 macht er eine Ausnahme, vielleicht, weil es sich um ein Märchen handelt, den Welterfolg von Saint-Exupéry "Der kleine Prinz". Bodenstein spielt den kleinen Prinz.

Das ist einfach der kleine Prinz, da kannst Du nicht sagen, nein, das ist ein Knabe, nein, das ist ein Mädchen. Nein, das ist der kleine Prinz.

Christel Bodenstein, Schauspielerin

Die Tragik dieses Films: Die DEFA geht damals blauäugig mit den Urheberrechten um. Erst heute, 50 Jahre später, kann er problemlos gezeigt werden.

Viele Neuanfänge

Bis Anfang der 70er-Jahre spielt Bodenstein in mehr als 30 DEFA- und Fernsehfilmen, danach werden die Rollenangebote spärlicher. 1973 kündigt sie bei der DEFA und will einen Neuanfang. Sie lernt Gitarre spielen und geht für die nächsten Jahre mit Liederprogrammen auf Tournee. Auch in ihrer Beziehung zu Konrad Wolf kriselt es. Sie entfremden sich, vor allem, weil er als Präsident der Akademie der Künste kaum Zeit hat. 1978 lassen sie sich scheiden.

Im Kollegenkreis lernt sie den Schauspieler und Dramaturgen Hasso von Lenski kennen. Ihre große Liebe. Sie begründen noch im alten Friedrichstadtpalast eine Kleinkunstbühne, das inzwischen legendäre "EI". Die Bühne wird auch in den neuen Friedrichstadtpalast übernommen und feiert 1988 hier ihr zehnjähriges Bestehen.

Nach der Wende erlebt Bodenstein einen harten Bruch. Das "EI" muss schließen. Von heute auf morgen steht sie nicht mehr im Rampenlicht. Eine Welt bricht zusammen. Glück im Unglück: Sie darf als Regieassistentin bleiben. Aber dann nimmt sie all ihre Kraft zusammen, beweist sich noch mal selbst und inszeniert eine Revue. Ihre "Sommernachtsträume" gehen mehr als 230 Mal über die Bühne.

Bodenstein war immer wieder stark genug, sich neu zu erfinden. Sie war Tänzerin, Filmschauspielerin, Sängerin und schließlich noch Regisseurin. Mit ihrem Mann Hasso von Lenski ist sie seit 40 Jahren glücklich verheiratet.

Für immer Prinzessin

Und mittlerweile hat sie auch ihren Frieden mit dem "Singenden, klingenden Bäumchen" gemacht. Heute tut es nicht mehr weh: Einmal Prinzessin, immer Prinzessin.

Dass mich dieser Film, 60 Jahre sind es ja jetzt, immer noch begleitet, ist wirklich wie ein Wunder. Davon träumt eigentlich jeder, dass man so einen Film hat.

Christel Bodenstein

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 14. Dezember 2017 | 23:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 10:59 Uhr