Nach wochenlangen Verhandlungen Thüringen: So profitiert die Kultur von den neuen Corona-Hilfen

Die Abgeordneten sitzen während einer Landtagssitzung im Parksaal des Steigerwaldstadion.
Der Thüringer Landtag tagt derzeit coronabedingt im Parksaal des Erfurter Steigerwaldstadions. Bildrechte: dpa

Der Landtag in Erfurt hat am Freitag mit einem Mantelgesetz ein 1,26 Milliarden starkes Corona-Hilfspaket beschlossen. Im Bereich der Kultur sollen damit vor allem Einnahmeausfälle verschiedener EInrichtungen kompensiert werden. So sind für die Klassik Stiftung Weimar etwa 1,5 Millionen Euro, für die Stiftung Thüringer Gärten und Schlösser ebenfalls 1,5 Millionen Euro und für die Stiftung Schloss Friedenstein 500.000 Euro vorgesehen. Die Theater und Orchester im Land erhalten 9 Millionen Euro, die Museen 4,4 Millionen und der Bereich Soziokultur/Freie Theater 5,2 Millionen Euro.

Zweimonatiges Grundeinkommen

Entgegen früherer Planungen werden nun auch Solo-Selbstständige von dem Paket profitieren: Bei coronabedingtem Einnahmeausfall können für zwei Monate jeweils 1180 Euro an sie ausgezahlt werden. Insgesamt 20 Millionen Euro werden in dem Hilfspaket dafür bereitgestellt. Profitieren sollen Selbstständige aller Branchen - gerade im Bereich der Kultur, wo viele Künstlerinnen und Künstler keine laufenden Kosten vorweisen können und bislang durch alle Raster fielen, dürfte dies aber auf Resonanz stoßen.

Gut für den Moment

Thomas T. Müller
Thomas T. Müller Bildrechte: Tino Sieland

Bei den Kulturverbänden fielen die Reaktionen auf das Hilfspaket weitgehend positiv aus. So sagte Thomas T. Müller, Präsident des Museumsverbands, das Paket stelle eine lobenswerte Momentlösung dar. Allerdings müsse nun der Blick geweitet werden: "Was passiert mit den kommunalen Museen in den kommenden Jahren, wenn die Städte kein Geld mehr haben? Hier müssen wir dringend Lösungen finden." Auch Bettina Rößger, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur begrüßte die Höhe der bereit gestellten Gelder. Allerdings sei noch unklar, wie diese verteilt würden. Auch wisse man nicht, für welchen Zeitraum die Summe gedacht sei.

Langfristige Lösungen gewünscht

Jörg Dietrich, Geschäftsführer des Kulturrats Thüringen, hob vor allem hervor, dass das Mantelgesetz es den Kommunen bis Jahresende nun ermögliche, auch bei angespannter Haushaltslage weiter freiwillige Leistungen zu erbringen. Dies versetze viele städtische Kulturakteuren in die Lage, weiterzuarbeiten. "Auch hier ist aber eine längerfristige Lösung nötig. Wir wünschen uns, dass die Kommunen auch nach Jahresende diese Freiheit beibehalten dürfen", so Dietrich im Gespräch mit MDR KULTUR.

Umfangreiches Mantelgesetz

Insgesamt enthält das Hilfspaket mehr als 50 Einzelmaßnahmen, auf die sich Linke, SPD, Grüne und CDU nach langen Verhandlungen geeinigt haben. Es beinhaltet unter anderem 250 Millionen Euro zur Unterstützung der Wirtschaft und 200 Millionen Euro für die Kommunen. Familien werden mit einem Kinderbonus von 100 Euro pro Kind unterstützt. Das Mantelgesetz wurde mit den Stimmen von Linke, SPD, Grünen und CDU verabschiedet.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 05. Juni 2020 | 14:30 Uhr

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