Corona und die Folgen Wie Corona die Kunst-Dienstleister betrifft

Die Corona-Krise bringt viele Künstler in Existenznot. Doch wie ergeht es Kunst-Dienstleistern wie Rahmenbauern oder Druckern? Sie sind weniger im öffentlichen Fokus – aber ähnlich stark betroffen. Ein Werkstattbesuch.

Leuchtreklame in der Leipziger Baumwollspinnerei
Auch in der Leipziger Baumwollspinnerei geht es in diesen Tagen deutlich ruhiger zu als sonst. Bildrechte: MDR/Sven Jahny

Die Tür zum Reprostudio "ScanColor" von Ralf Lenk in der Leipziger Stefanstraße ist für den normalen Kundenverkehr geschlossen, das großräumige Geschäft liegt verlassen da: Lenk hat seine fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, mit 25 Prozent Anwesenheit. Leipziger Fotografen und Maler, aber auch Museen oder Autobauer lassen hier sonst ihre Hochglanz-Fotoaufträge erledigen – oder eben ihre künstlerischen Arbeiten. Ein eigenes Reprostudio und Foto-Fachlabor als auch Drucker aller Art und Größe machen es möglich. Doch nun haben die meisten Kunden ihre Aufträge zurückgezogen.

"Das war wie im ICE zu sitzen und mit Volldampf gegen eine Betonwand zu fahren", sagt Ralf Lenk. "Wobei es uns schon im Januar erwischt hat, da war eine Geschichte in China, da wurde plötzlich alles abgesagt." Danach sei eine große Ausstellung in Italien abgesagt worden, dann fiel die Buchmesse aus, "und seitdem ist wirklich alles im freien Fall."

Staatliche Fördermittel reichen oft nicht

Die Fördermittel des Bundes für Selbständige hat Ralf Lenk bereits abgerufen: Für drei Monate gibt es 9.000 Euro. Ihn beschäftigt allerdings eine Rechenaufgabe, die die Einmalzahlung leider in Frage stellt – obwohl Lenk sieht, dass sich die Politik engagiert.

Wenn wir 25.000 Euro Monatskosten haben und eine Einmalhilfe von 9.000 Euro kriegen, dann ist das damit nicht realisierbar.

Ralf Lenk, Inhaber des Leipziger Reprostudios "ScanColor"

Auch Vlado und Maria Ondrej fragen sich dieser Tage, wie sie mit 9.000 Euro für drei Monate ihre monatlichen Fixkosten decken sollen. Das Künstlerpaar betreibt auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei eine Grafikwerkstatt, das "Atelier für zeitgenössische Radierung", das teils mit seltenen Druckpressen ausgestattet ist, welche auch Künstler aus anderen Ländern gerne nutzen.

Vlado und Mario Ondrej sind Fachleute in Sachen Radierung – und beraten auch. Jedoch: Die geschlossenen Grenzen und der darniederliegende Reiseverkehr lassen die internationale Klientel wegbleiben. Hiesige Künstler stornieren die Aufträge wegen der unsicheren Lage. Vlado und Mario Ondrej, denen als Künstler ihre Ausstellungen abgesagt wurden, arbeiten jetzt Liegengebliebenes auf und fertigen Drucke mit jenen Stipendiaten der Baumwollspinnerei, die dieser Tage nicht in ihre Heimatländer zurück können.

Keine Kundschaft, keine Aufträge

Einzeln versteht sich, wegen der Corona-Richtlinien, und nicht wie sonst in Gruppen. "Die sind vor der Coronakrise angereist", sagt Maria Ondrej, "alle putzmunter und gesund und sind jetzt alle eingesperrt in der Spinnerei. Ich habe zum Beispiel eine Künstlerin, die heißt Lihi Minh und kommt aus Vietnam. Wir arbeiten am grafischen Werk jetzt gerade, und das ist das, was noch im Moment läuft."

Frühjahrs- und Herbst-Rundgang auf dem Gelände der Baumwollspinnerei sind in diesem Jahr abgesagt. Auch das belastet Maria Ondrej: "Das heißt, dass dort viele, viele tausende Leute nicht kommen, dass die sich nicht die Galerien anschauen, dass die nicht in unser Atelier kommen. Und natürlich verkauft man dann auch nichts und hat keinen Kontakt. Das wird sich auch wirtschaftlich auf uns auswirken."

Manchen erreicht die Krise verzögert

Harald Maack von Leipzigs renommiertester Rahmen-Werkstatt "Quadriga" sieht die Sorgen erst auf sich zukommen. Maacks Werkstatt rahmt die Bilder sämtlicher Leipziger Künstler und Galeristen. Etliche haben ihre Aufträge stornieren müssen. Doch Maack und seine drei Beschäftigten arbeiten dieser Tage noch voll. Öffentliche Museen haben schon vor längerem umfängliche Aufträge erteilt, erzählt Maack. "Wir sind etwas stabiler in der Sache, ja." Dennoch kämen nun nicht mehr viele Aufträge: "Im Grunde ist es tatsächlich ein Abarbeiten."

Harald Maack betrachtet seine Lage mit Skepsis. Wahrscheinlich wird ihn die Corona-Krise zeitverzögert erreichen. Dann, wenn die Steuerausfälle der Kommunen dazu führen könnten, dass die Etats der öffentlichen Museen zusammengestrichen werden. Doch vorerst will niemand den Teufel an die Wand malen, oder wie van Gogh einst sagte: "Ein Bild ohne Rahmen ist wie eine Seele ohne Körper."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. April 2020 | 07:40 Uhr

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