Der britische Schauspieler Daniel Craig besucht die Deutschlandpremiere des Kinofilms "Verblendung"
Auch mit minimalistischer Mimik hat es Daniel Craig zum hervorragenden Schauspieler gebracht.
Bildrechte: dpa

Zum 50. Geburtstag Warum Daniel Craig der beste Bond ist

Sogar James Bond-Leinwandhelden werden älter. Am 2. März wird Daniel Craig 50. Mit seinem gnadenlosen Blick hat er sich über alle anfängliche Skepsis hinweg in die Herzen der Bond-Fans gespielt. Doch der britische Schauspieler hat deutlich mehr zu bieten als nur 007.

von Hartwig Tegeler, MDR KULTUR-Filmkritiker

Der britische Schauspieler Daniel Craig besucht die Deutschlandpremiere des Kinofilms "Verblendung"
Auch mit minimalistischer Mimik hat es Daniel Craig zum hervorragenden Schauspieler gebracht.
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Nach "Spectre", Daniel Craigs erfolgreichem vierten Auftritt als 007 im Jahr 2015, sollte eigentlich Schluss sein. Der Schauspieler brauche eine Pause.

Ich komme vielleicht nicht mehr wieder.

Daniel Craig als James Bond

Doch wer sollte schon eine goldene Eier legende Gans schlachten. Die Entscheidung kam: Er wird ihn wieder spielen. Ab November 2019. Was eine lange Zeit scheint bis dahin, doch für Daniel Craig ist alles anders mit seiner Bond-Rolle als für die meisten seiner Vorgänger.

Gehasst und geliebt

Als 2005 bekannt gegeben wurde, dass der "relativ" bekannte Schauspieler den sechsten Bond geben sollte, brach etwas los, was man damals noch nicht "Shitstorm" nannte, was aber eben das war. Der? Nie! Und dann kam ein Jahr später "Casino Royale" ins Kino und fegte die Leute mit der Neuinterpretation Bonds als brutalen, harten und innerlich vollkommen zerrissenen Agenten von ihren Kinosesseln. Der beste Bond - zumindest seit Sean Connery, wenn nicht gar der beste überhaupt. Die Kritiken überschlugen sich, und das Publikum, das vorher prophylaktisch nölte, rannte ins Kino.

Daniel Craig Als James Bond in "Casino Royale"
Vielleicht war es diese Szene aus "Casino Royale", die die Massen von Daniel Craig als neuen Bond überzeugte. Bildrechte: IMAGO

Daniel Craig ist nicht nur Bond, sondern Schauspieler

Und dann? Bond, einmal Bond, immer Bond? Nein! Daniel Craig gelang, was vor ihm nur 007-Vorgänger Sean Connery gelungen war: Er vermoderte nicht in der 007-Schublade. Das gelingt nicht Action-Stars, sondern nur Schauspielern. Craig ist einer.

Daniel Craig als XXXX und Sienna Miller als Tammy, 2005
Daniel Craig in seiner ersten Hauptrolle im Film "Layer Cake" Bildrechte: IMAGO

Seinen großen Durchbruch erlebte der 1968 geborene Brite 2004 mit seiner ersten Hauptrolle im Drogenthriller "Layer Cake". Da war er - nach TV- und Theater-Arbeit – schon länger als ein Jahrzehnt im Geschäft. Er hatte in Neben-Rollen wie in Shekhar Kapurs Historiendrama "Elisabeth" oder an der Seite von Tom Hanks in "Road to Perdition" die Mühen der schauspielerischen Ebenen durchgeackert, aber auch bei Steven Spielberg im Mossad-Thriller "München" schon mal geglänzt.

Du weißt doch, wie man Leute um-, wie man Leute liquidiert? Oder? Ich bin nämlich erst seit zehn Minuten beim Mossad.

Daniel Craig in "München"

Mimischer Minimalismus

Daniel Craig als James Bond in einer Szene aus dem Film Spectre
Eigentlich sollte "Spectre" Craigs letzter Bond werden. Bildrechte: Sony Pictures 2015/dpa

Daniel Craig wirkt mit seinem immer ein wenig kalten Ausdruck hart. Auf den ersten Blick hat er wenige schauspielerische Ausdrucksmöglichkeiten – so erscheint er auch als Bond -, aber wenn der Panzer platzt, dann wirkt das umso eruptiver. In diesem mimischen Minimalismus vermittelt sich das, was gerade auf der Kinoleinwand intensiv herüberkommt: die physische Präsenz, die wir von alten Haudegen wie Gary Cooper oder Richard Widmark kennen. Sie schienen gar nicht zu spielen. So auch Daniel Craig: "coole" Fresse, gnadenloser Blick und entsprechende Action.

Craig kann auch Comedy

Im letzten Jahr bewies der seit 2011 mit Kollegin Rachel Weisz verheiratete Schauspieler dann allerdings auch noch hemmungslos sein komödiantisches Talent. Voller Tattoos, inklusive breitem Grinsen und mit einem latenten Hang zu Wutausbrüchen, spielt er bei Steven Soderbergh – nomen est omen – den Sprengstoff-Experten Joe Bang. Saukomisch dieser strohblonde Daniel Craig in "Logan Lucky". Wenn also tatsächlich mangelnde Lust oder biologische Grenzen der James-Bond-Action-Karriere eine Ende setzen: Bei diesem Briten muss man sich keine Sorgen machen, er wird uns auch nach seiner 007-Karriere weiter wunderbare Figuren "vorspielen".

Fish Bang (Jack Quaid), Sam Bang (Brian Gleeson) und Joe Bang (Daniel Craig)
Fish Bang (Jack Quaid), Sam Bang (Brian Gleeson) und Joe Bang (Daniel Craig) in der Komödie "Logan Lucky" Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. März 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2018, 15:38 Uhr

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