Fernsehkritik "Das Boot" - eine vielschichtig und subtil erzählte Serie

Es ist wieder so weit. 37 Jahre nach Wolfgang Petersens legendärem "Das Boot" - dem einzigen deutsche Kinofilm, der es jemals auf sechs Oscarnominierungen brachte - sticht nun wieder ein deutsches U-Boot in See, aber diesmal als ambitionierter Achtteiler des Pay-TV-Senders Sky. Dort wird "Das Boot" ab Freitag exklusiv gezeigt. Eine DVD-Ausgabe oder eine Ausstrahlung im Free-TV ist noch nicht in Sicht. Kritiker Jörg Taszman hat sich die ersten vier Folgen vorab für MDR KULTUR angeschaut.

Es beginnt dramatisch. Man wird Zeuge eines Angriffs auf ein deutsches U-Boot, das von britischen Flugzeugen bombardiert und von britischen Kriegsschiffen versenkt wird. Im Herbst 1942 läuft der Weltkrieg schon lange nicht mehr gut für die Nazis, die auch im U-Boot-Krieg immer öfter herbe Verluste verkraften müssen. So setzt man viel Hoffnung in den jungen Kapitän Klaus Hoffmann und sein U 612. Hoffmann ist der Sohn eines Kriegshelden aus dem Ersten Weltkrieg,  der es bei der eigenen Mannschaft nicht leicht hat. Vor allem der viel erfahrenere Tennstedt, der selber gerne Kapitän geworden wäre, intrigiert zunehmend gegen Hoffmann jr.

Die Serie "Das Boot" spielt allerdings ebenso viel auf dem Land wie auf See: In einer wichtigen Nebenhandlung gerät die Elsässerin Simone Strasser zwischen alle Fronten. Sie arbeitet als Dolmetscherin für die deutschen Besatzer in La Rochelle. Ihr Bruder ist Funker und in einen Morphiumhandel verwickelt. Und dann muss Simone an einem Verhör teilnehmen, das gefährlich für sie werden könnte. Denn sie kennt die Frau, die vom Gestapomann Forster verhört wird ...

 Verschiedene Sichtweisen

Es ist durchaus geschickt, mit zwei wichtigen Handlungssträngen zu arbeiten und dabei nicht nur aus der deutschen Perspektive zu erzählen. So geht es um die Kollaboration von Vichy-Beamten, die Résistance und einen undurchsichtigen Amerikaner der von der U-Boot-Besatzung in einem Geheimauftrag an Bord genommen wird.

Ganz anders als im Original setzt man diesmal vor allem interessante und starke Frauenfiguren. So spielt Vicky Krieps Simone zunächst als eine Deutsche aus dem Elsass, die stolz darauf ist für die Deutschen in La Rochelle zu arbeiten. Die Brutalität der Gestapo und der Generalität lässt sie jedoch zweifeln. Und die Amerikanerin Lizzy Caplan, bekannt aus "Masters of Sex", verkörpert eine morphiumabhängige Antifaschistin, die vor sinnlosen Terrorattacken nicht zurück schreckt.

 Die Ideologie ist immer da 

Gerade die Ambivalenz einiger Charaktere macht "Das Boot" als Serie spannend. Langsam können auch die Deutschen clevere horizontale Geschichten erzählen. Dabei wird der historische Kontext nie außer Acht gelassen. Gerade der menschenverachtende Antisemitismus äußert sich in vielen gehässigen Kommentaren, kleinen bösen Nebensätzen und verdeutlicht, wie sehr die Rassenideologie der Nazis im Alltag übernommen wurde. Das hat man so subtil und scheinbar en passant selten im deutschen Film inszeniert. 

Wer nun eine Art Fortsetzung von Wolfgang Petersens "Das Boot" erwartet hat, könnte enttäuscht sein. Der Vergleich zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Produkten bringt auch nicht viel. Dazu unterscheidet sich die Serie zu stark vom Kinofilm. Aber als vielschichtig angelegte Serie birgt sie durchaus viel Potential und lässt sich voller Interesse anschauen. Diese ambitionierte Sky Eigenproduktion lohnt sich.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. November 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2018, 13:50 Uhr

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