DEFA-Logo-Schild (Deutsche Film A.G.) aus DDR-Zeiten hängt im Filmmuseum in Potsdam.
Das letzte erhaltene originale DEFA-Logo. Heute hängt es im Filmmuseum in Potsdam. Bildrechte: dpa

Premiere vor 35 Jahren "Der Aufenthalt": ein DEFA-Film mit Berlinale-Chancen

von Thomas Hartmann

DEFA-Logo-Schild (Deutsche Film A.G.) aus DDR-Zeiten hängt im Filmmuseum in Potsdam.
Das letzte erhaltene originale DEFA-Logo. Heute hängt es im Filmmuseum in Potsdam. Bildrechte: dpa

Der Zweite Weltkrieg ist erst seit kurzem vorbei. Und Mark Niebuhr, die Hauptfigur des Films "Der Aufenthalt", hat Angst. Der Soldat, der in den letzten Monaten des Krieges für Nazideutschland zum Einsatz gekommen ist, sitzt nun in einem polnischen Gefängnis. Er wird verhört, immer wieder, und weiß nicht warum. Doch keiner der Polen glaubt ihm. Nur was man ihm wünscht, das ist offensichtlich. Als er zu Trümmerarbeiten befohlen wird, schickt man ihn eine hohe Wand hinauf. Er stürzt ab und bricht sich den Arm. Gefragt wird er: "Sind Sie ein Exzentriker? Genügt doch, man bricht Ihnen Hals. Wozu noch Arm?"

"Der Aufenthalt“ entsteht nach dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase und der gleichnamigen Romanvorlage von Hermann Kant. Die Regie liegt in den Händen von Frank Beyer, die Hauptrolle spielt Sylvester Groth.

Sylvester Groth kam zu der Rolle "wie die Jungfrau zum Kind"

Sylvester Groth
Sylvester Groth hat in "Der Aufenthalt" die Hauptrolle gespielt. Bildrechte: dpa

"Ich war noch im Studium. Und ich kam ja wie die Jungfrau zum Kind zu dieser Rolle. Wo ich schon wusste, als ich das las, wow, das ist eine dolle Rolle. Und hab das dann so gespielt, wie das da stand. Also der Kohlhaase hatte das ganz genau aufgeschrieben auch. Ich habe da wirklich mit den Größen des DDR-Theaters und -Films zusammengespielt, was mir ja damals noch gar nicht so bewusst war, ich war noch relativ jung."
Hauptdarsteller Sylvester Groth

Allmählich lüftet sich das für Niebuhr so bedrohliche Geheimnis. Er steht im Verdacht, als Mitglied der SS einen Mord verübt zu haben. Eine Verwechslung, ein Irrtum, also droht ihm unschuldig der Tod. Unschuldig? Wolfgang Kohlhaase sieht das so:

MDR FIGARO-Café mit mit Wolfgang Kohlhaase und Andreas Dresen in Merseburg, moderiert von Knut Elstermann
Wolfgang Kohlhaase, Autor des Drehbuchs für "Der Aufenthalt" Bildrechte: MDR / Marco Prosch

"Niebuhr reflektiert im zunehmenden Maße über die Frage von Schuld und Unschuld. Und er kommt dann auf den Gedanken, dass auch, wer unschuldig ist als ein Einzelner, schuldig in einem Gesamtzusammenhang sein kann. Er kommt auf den Gedanken: Wenn die Polen schon in ihm nicht den haben, den sie suchen, so doch, dass er einer sein könnte, den man suchen müsste."
Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase

Der Film wurde zum Spielball politischer Interessen

Am Ende klärt sich der Fall Niebuhr auf: Die Polen lassen den Gefangenen ziehen. Und dann – wird der Film zur Staatsangelegenheit, erklärt Kohlhaase: "Die Polen befürchteten, in der Konstruktion dieses Films liege eine Kränkung, eine Gefährdung des polnischen Ansehens. Weil, dieser relativ namenlose deutsche Kriegsgefangene wird von ihnen behandelt wie ein Verbrecher."

Das Thema habe in Polen große Wellen geschlagen, erklärt Kohlhaase weiter: "Das hat dann eine merkwürdige Logik, die geht über Kino weit hinaus. Und damit war der Film, der bereits angemeldet war für die Berlinale und dort ganz gut gestanden hätte, damit war es nicht möglich, ihn dort zu zeigen und er musste zurückgezogen werden."

"Der Aufenthalt" wird damit um sein internationales Ansehen gebracht. Auf Grund einer Befürchtung, die völlig aus der Luft gegriffen ist. Und wieder einmal muss Regisseur Frank Beyer hautnah erleben, wie leicht die Kunst zum Opfer der Politik wird.

Mehr zur DEFA und ihren Protagonisten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Januar 2018 | 06:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 15:03 Uhr

Mehr zur DEFA und ihren Protagonisten