Szene aus "Der Boden unter den Füßen".
In der Begegnung mit ihrer psychisch kranken Schwester verliert Lola den "Boden unter den Füßen". Bildrechte: Edition Salzgeber

Kinostart "Der Boden unter den Füßen" – Ein Film über "die Dunkelheit in uns allen"

Mit Ende 20 glaubt Lola ihr Privatleben ebenso fest im Griff zu haben wie ihren Job als Unternehmensberaterin. Dass sie eine schizophrene Schwester hat, verdrängt und verschweigt sie. Bis sie selbst merkwürdige Anrufe aus der Klinik bekommt und den "Boden unter den Füßen" verliert. Regisseurin Marie Kreutzers Film erzählt nicht aus abseitigen Welten, sondern von "der Dunkelheit in uns allen". Großartig gespielt wird Lola von Valerie Pachner.

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

Szene aus "Der Boden unter den Füßen".
In der Begegnung mit ihrer psychisch kranken Schwester verliert Lola den "Boden unter den Füßen". Bildrechte: Edition Salzgeber

Die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer ("Die Vaterlosen") hat einen genauen Blick für schwierige Familienkonstellationen. In ihrem Berlinale-Film "Der Boden unter den Füßen" erzählt sie von der jungen Frau Lola, die als Unternehmensberaterin arbeitet. Großartig gespielt wird sie in rätselhafter Vielschichtigkeit von Valerie Pachner.

Szene aus "Der Boden unter den Füßen".
Valerie Pachner spielt in rätselhafter Vielschichtigkeit. Bildrechte: Edition Salzgeber

Lolas elegante Arbeitsgarderobe wirkt wie ein abweisender Panzer. Sie funktioniert perfekt, erledigt jeden Einsatz mit eiskalter Entschlossenheit, ihr Privatleben beschränkt sich auf eine verborgene Affäre mit ihrer Chefin Elise (Mavie Hörbiger). Ihr durchstrukturiertes Leben gerät aus den Fugen, als Lolas paranoid-schizophrene Schwester Conny, bewegend liebesbedürftig gespielt von Pia Hierzegger, nach einem Selbstmordversuch ins Krankenhaus kommt und Hilfe braucht.

Für mich ist das Thema dieses Films: die Dunkelheit in uns allen.

Marie Kreutzer, Regisseurin

Sie ruft ständig bei Lola an, obwohl sie im Hospital gar kein Telefon hat. Auch durch solche geheimnisvollen Risse im realistischen Erzählgebäude des klugen Films entsteht eine beunruhigende Wirkung. Marie Kreutzer lässt die persönliche Tragödie der Schwester Conny in die Arbeitswelt Lolas wie eine Sturzflut einbrechen, die das Gerüst der kalten Effizienz unterspült. Ein Leben jenseits des unbedingten Leistungsdrucks erscheint plötzlich vorstellbar.   

Genre: Drama
Regie: Marie Kreutzer
Darsteller: Valerie Pachner, Pia Hierzegger, Mavie Hörbiger u.a.
Im deutschen Kino ab: 16.05.2019
Produktionsland: Österreich
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filme der Woche | 16. Mai 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 04:00 Uhr

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