Buchvorstellung "Die Bombe": Der Hiroshima-Angriff als akribisch recherchierte Graphic Novel

Graphic Novel "Die Bombe"
Mit rund 470 Seiten ist die Graphic Novel "Die Bombe" über den Angriff auf Hiroshima ein echtes Schwergewicht. Bildrechte: Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020

Vor 75 Jahren, am 6. August 1945, warfen die USA eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Es war der erste Einsatz einer Atomwaffe in einem Krieg, weit über 100.000 Menschen starben. Ein Angriff, der bis heute der Menschheit mahnend vor Augen führt, wozu sie fähig ist.

Die Graphic Novel "Die Bombe" erzählt auf rund 470 Seiten die Geschichte hinter der Katastrophe. Die Autoren, der Belgier Alcante, der Franzose Laurent-Frédéric Bollée und der Kanadier Denis Rodier, nehmen dafür die Perspektive des Urans ein – jenes Materials, das die Explosion letztlich auslöste und das im Buch immer wieder als Erzähler auftritt.

"Die Bombe" – ein Blick in die Graphic Novel

Ausschnitt aus dem Graphic Novel "Die Bombe". Hier zu sehen: Zwei Bilder nebeneinander. Auf dem einen geht eine Frau mit ihren beiden Kindern durch die Stadt, während auf dem anderen zeitgleich eine Atombombe zu sehen ist, die auf die Stadt stürzen wird.
"Die Bombe" erzählt die Geschichte hinter dem atomaren Angriff auf Hiroshima. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
Ausschnitt aus dem Graphic Novel "Die Bombe". Hier zu sehen: Zwei Bilder nebeneinander. Auf dem einen geht eine Frau mit ihren beiden Kindern durch die Stadt, während auf dem anderen zeitgleich eine Atombombe zu sehen ist, die auf die Stadt stürzen wird.
"Die Bombe" erzählt die Geschichte hinter dem atomaren Angriff auf Hiroshima. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
Ausschnitt aus dem Graphic Novel "Die Bombe". Hier zu sehen: Mehrere Personen knien am Boden, während im Hintergrund eine Bombe explodiert.
In der Graphic Novel tritt das Uran als Erzähler auf. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
Zeichnung eines glatzköpfigen Mannes im Graphic Novel "Die Bombe", der ein Blatt Papier hochhält und betrachtet.
Das Buch ist aufwändig recherchiert und liefert viel Hintergrundinformation. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
Ausschnitt aus dem Graphic Novel "Die Bombe". Hier zu sehen: Mehrere Bilder, die die Zweite Sitzung des Uranvereins (der Forschungsgruppe des Kriegsministeriums zur Anwendbarkeit atomarer Energie) im Jahr 1933 zeigen.
So werden alle wichtigen Protagonisten vorgestellt, die an der Entwicklung beteiligt waren oder an der Entscheidung, den Angriff auszuführen. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
Ausschnitt aus dem Graphic Novel "Die Bombe". Hier zu sehen: Ein furchtvoll blickender Mann mit Hut, vor dessen Augen Uranatome zu sehen sind.
Die Zeichnungen sind in realistischem schwarz-weiß gehalten. Bildrechte: © Editions Glénat 2020 by Alcante, LF Bollée & Denis Rodier © der deutschen Ausgabe Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020
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Akribische Recherchen werden mit Fiktion verknüpft

Das Buch ist "akribisch recherchiert und im dokumentarisch realistischen schwarz-weiß gezeichnet", lobt MDR KULTUR-Kritiker Wolfgang Schilling. Dabei werde die Entwicklung der Bombe geschildert und die Leser lernten Menschen kennen, die daran beteiligt waren: "In aller Ausführlichkeit. Bekannte Namen tauchen da auf und solche, die es lohnt, kennenzulernen", so Schilling – etwa Albert Einstein, Robert Oppenheimer und der Leipziger Physikprofessor Werner Heisenberg, aber auch der Physiker Leó Szilàrd, der die Bombe mit entwickelte, ihren Einsatz aber später verhindern wollte.

Dokumentarisches wird in dem Buch mit Fiktivem verknüpft, etwa wenn die Geschichte der Familie eines Mannes erzählt wird, dessen Schatten durch die Explosion auf einer Treppe in Hiroshima eingebrannt wurde – eines der vielen Bilder von dem Angriff, die um die Welt gingen.

Dunkler Fleck auf Stufen
Die Hitze der atomaren Explosion in Hiroshima hat diese Treppe verfärbt – zu sehen ist der Schatten einer Person, die darauf saß. "Die Bombe" erzählt auch die fiktive Geschichte der Familie eines Mannes, von dem nur ein solcher Schatten blieb. Bildrechte: imago/United Archives International

Ein Schwergewicht des Comic-Genres zur Hiroshima-Katastrophe

Den Autoren sei mit dem Buch "ein Meisterwerk gelungen", so das Fazit von Kritiker Schilling: "Und dem deutschen Carlsen Verlag ist es zu danken, dass nach der dreibändigen Comic-Saga 'Barfuß durch Hiroshima' von Keiji Nakazawa nun ein weiteres Schwergewicht der Auseinandersetzung des Comic-Genres mit diesem wohl dunkelsten Kapitel im Sündenregister der USA vorliegt."

Angaben zum Buch Alcante, Laurent-Frédéric Bollée, Denis Rodier: "Die Bombe"
Graphic Novel
übersetzt von Ulrich Pröfrock
erschienen bei Carlsen
472 Seiten
42 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2020 | 11:15 Uhr