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Sex mit VR-Brille in der virtuellen Realität: Was bisher nur als 3D-Film abläuft, könnte in Zukunft auch mit dem eigenen Partner möglich sein. Bildrechte: Colourbox.de

Sexroboter und Pornos in der virtuellen Realität Was die Zukunft für unser Sexleben bereithält

An Pornografie für Virtual-Reality-Brillen wird fleißig gefeilt, und auch Sexroboter werden immer realistischer. Was heißt das für unser Sexualleben? Werden wir in Zukunft nur noch virtuellen Sex haben? Wir haben bei der Sexologin Anja Drews nachgefragt.

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Sex mit VR-Brille in der virtuellen Realität: Was bisher nur als 3D-Film abläuft, könnte in Zukunft auch mit dem eigenen Partner möglich sein. Bildrechte: Colourbox.de

MDR KULTUR: Was hat die digitale Revolution bisher für das Sexleben gebracht?

Anja Drews: Die Digitalisierung hat das Sexleben revolutioniert. Es ist eine der größten Umwälzungen in der Geschichte der Sexualität. Bevor es das Internet gab, waren die Menschen auf sich beschränkt, sie kannten sich, ihr Sexleben. Heute gibt es die Möglichkeit, sich alles im Internet anzugucken, was andere machen, was es für Möglichkeiten gibt, es gibt die Kontaktmöglichkeiten, über das Internet Partner und Partnerinnen kennenzulernen. Wir haben die Möglichkeit, erotische Inhalte abzurufen inklusive Pornografie. Erstaunlich ist, man denkt ja immer Pornografie wäre das, was am meisten über das Internet abgerufen wird, aber das stimmt gar nicht. Es sind die Informationen. Die Leute wollen einfach auch ganz viel wissen.

Nochmal zum Thema Pornografie, hier gibt es zunehmend auch virtuelle Realitäten mit VR-Brillen. Ist das nur eine neue Marktidee oder besteht da wirklich eine Möglichkeit, Sex neu zu erleben?

Ich denke schon, dass es da die Möglichkeit gibt, Sex neu zu erleben. Ich durfte ja mal diese Brillen ausprobieren: Virtual Reality mit Pornos, und ich war ziemlich fasziniert davon. Wenn wir Pornos auf dem Computer haben, dann sehen wir immer noch den Raum um uns herum, wir haben den Bildschirm und sehen diese Technik. Aber wenn wir diese Brillen aufsetzen, sind wir komplett raus. Die Brille deckt den gesamten Augenbereich ab, man sieht nichts mehr. Man ist wirklich da drin. Das Gefühl, tatsächlich in dieser Situation zu sein.

Die Technik ist noch nicht so weit entwickelt, aber das schreitet rasant voran. Und die Vorstellung, irgendwann nicht nur Filme mit fremden Menschen über diese Brillen angucken zu können, sondern auch vielleicht den Partner oder die Partnerin, die dann statt WhatsApp Videos schickt, die dann über diese Brillen abrufbar sind. Da ist ein ganz großes Potential.

Was macht ein Partner oder eine Partnerin, wenn das Gegenüber den Sex mit VR-Brille oder mit Sexrobotern bevorzugt?

Das haben wir ja auch heute schon, dass Menschen sich etwas wünschen, was der Partner oder die Partnerin nicht erfüllen möchte. Der andere Mensch ist aber nicht verantwortlich für die eigenen Wünsche, da muss man dann gucken, was man damit macht. Es ändert ja dann nicht, ob es über neue Medien oder über die alten Medien ist.

Sexroboter, das sehe ich auch sehr kritisch, aber ich finde das als Science-Fiction-Fan auch total spannend, was sich da tut. Die Vorstellung, es gibt dann Roboter, die wirklich real aussehen wie Menschen. Im Moment sieht es ja noch nicht so richtig danach aus. Die Frage ist, wird das später Partner und Partnerin irgendwann ersetzen, weil es Vorstellung, Wunsch und Ideal erfüllt. So einen Sexroboter, den kann ich genau programmieren. Der macht genau das, was ich will. Aber das, was wir in einer Beziehung von der Sexualität erleben, ist ja mehr.

Sexualität vermittelt auch Geborgenheit, Nähe, Intimität, das Gefühl des Angenommen-Seins, des Begehrt-Werdens. Und die Frage ist ja, ob ein Sexroboter das auch zurückgeben kann. Ich glaube, da hapert es dann noch. Es wird Menschen geben, die das richtig toll finden und Menschen, die immer bei sich bleiben werden.

Macht Ihnen die Entwicklung Angst oder sind Sie interessiert und neugierig?

Also ohne Angst vielleicht nicht, aber ich bin interessiert und neugierig, weil es eben so wahnsinnig viele technische Entwicklungen gibt, mit den Sexrobotern und diesen Brillen zum Beispiel. Die Technik ist heute auch soweit, dass wir Sexualberatung und Therapie online anbieten können. Es gibt einen wachsenden Markt an Onlinekursen – ich habe einen Onlinekurs entwickelt für Männer, die zu früh kommen. Das bietet die Möglichkeit für wesentlich mehr Menschen, sich dann Hilfe zu suchen. Da passiert gerade wahnsinnig viel und das finde ich eigentlich eher spannend.

Das Interview führte Thomas Bille.

Das Thema im Programm: MDR KULTUR Spezial "Liebe in Zeiten des Internets"
MDR KULTUR - das Radio | 09.01.2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2018, 21:58 Uhr

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