62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Das bringt das Filmfestival DOK Leipzig

In den kommenden Tagen wird es in Leipzigs Kinos wieder voll: Bis zum 3. November werden beim Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) 310 Filme aus über 60 Ländern gezeigt. Die Beiträge arbeiten sich an den großen Themen unserer Zeit ab, von Klimawandel bis Rechtsextremismus. Zur Eröffnung zeigt das Festival am Montagabend den Doku-Thriller "Das Forum", in dem es um das Weltwirtschaftsforum in Davos geht.

Dinner-Tafel mit Donald Trump, Prof. Klaus Schwab und Europas Wirtschaftselite beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2018
Dinner-Tafel beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Szene aus "Das Forum" von Marcus Vetter. Bildrechte: World Economic Forum 2018

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich jedes Jahr die Mächtigen dieser Welt. Geht es ihnen in den Gesprächen darum, Lösungen für gegenwärtige Probleme zu suchen? Oder dient das Treffen vielmehr dazu, ihre eigenen Interessen in Hinterzimmern durchzusetzen? Schon oft wurde dem Weltwirtschaftsforum vorgeworfen, eine intransparente Institution zu sein.

Jetzt aber sorgt ein Dokumentarfilm (ein Stück weit) für Klarheit: Für "Das Forum" wurde erstmals einem unabhängigen Filmteam rund um den Regisseur Marcus Vetter Zugang gewährt. "Der Film zeigt uns, was dort wirklich abläuft!", erklärt Festivalleiterin Leena Pasanen, "außerdem zeigt er grundsätzlich den Zustand der heutigen Weltpolitik: Wir sehen ganz genau, wer eigentlich nur für politische Spielchen dort ist."

Reaktionen aufs Weltgeschehen

Filmszene aus 'Im Stillen laut'
Filmszene aus "Im Stillen laut" Bildrechte: Therese Koppe / DOK Leipzig 2019

"Das Forum" wird nun DOK Leipzig eröffnen – eine Auswahl, die stellvertretend für die grundsätzliche Ausrichtung dieses Festivaljahrgangs steht. Viele Beiträge, gerade von jüngeren Regisseurinnen und Regisseuren, beschäftigen sich mit den brennenden Themen unserer Zeit, etwa mit dem Klimawandel oder mit rechter Gewalt. Ralph Eue, Leiter der Auswahlkommission des Festivals, erklärt außerdem, dass es gerade im Deutschen Wettbewerb viele Beiträge gebe, die auf die aktuelle Nachrichtenlage Bezug nähmen: "Allerdings gehen sie viel tiefer als die Fernsehnachrichten. Denn es geht ihnen eher um die Frage: Was ist, wenn der Nachrichtenwert verschwunden ist, das Problem aber immer noch da ist?"

Als Beispiel nennt Eue hier den Beitrag "Im Stillen laut" von Therese Koppe: Die Regisseurin porträtiert zwei alte lesbische Frauen (eine von Ihnen ist die Künstlerin Erika Stürmer-Alex), die auf einem Bauernhof in Brandenburg leben und in der DDR um ihre Liebe kämpfen mussten. Im Film lesen die zwei Protagonistinnen aus ihren Stasi-Akten vor, allerdings tun sie dies nicht mit Verbitterung, sondern eher indem sie sich über die Geschichten von damals lustig machen: ein humorvoller und gleichzeitig befreiender Film.

Wie umgehen mit menschenverachtenden Inhalten?

Insgesamt werden beim Festival 310 Dokumentarfilme, Animationsfilme und interaktive Arbeiten gezeigt. Eine Besonderheit in diesem Jahr: Das zweitägige Symposium "Wem gehört die Wahrheit?", in dem es um die filmische Inszenierung des politischen Gegners geht.

Das für alle Interessierten offene Treffen ist eine Reaktion auf Zuschauerproteste in den vergangenen zwei Jahren: 2017 geriet der Film "Montags in Dresden" in die Kritik, weil er Pegida-Anhängern unwidersprochen das Wort geben würde. Und 2018 wehrte sich ein linkes Aktionsbündnis gegen den Film "Lord of the toys", der unkommentiert die menschenverachtenden und rechten Sprüche von Dresdner Jugendlichen zeigte.

Festivalchefin Pasanen sagt, es habe ihr gerade im letzten Jahr Sorgen gemacht, dass viele Kommentare und Beschuldigungen bereits vor der Premiere des Films im Raum gestanden hätten: "Wir wollen mit dem Symposium also verschiedene Meinungen an einem Ort versammeln und versuchen, einander zu verstehen." Für Pasanen ist dies übrigens die letzte Festivalausgabe. Die Finnin wird künftig das Biografilm-Festival in Bologna leiten – während in Leipzig der Filmkritiker Christoph Terhechte übernehmen soll. Der Stadrat entscheidet über diese Personalie am 30. Oktober.

Am Samstag dann werden die Preise, die Goldenen Tauben, in den einzelnen Dokumentar- und Animationsfilm-Kategorien verliehen. In diesem Jahr lobt das Festival die bisherige Rekordpreissumme von mehr als 82.000 Euro aus sowie 24 Preise.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Oktober 2019 | 06:15 Uhr

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