Szene aus "Lord of the toys": Ein Mann trägt eine Maske
Szene aus "Lord of the Toys". Bildrechte: DOK LEIPZIG

Preisverleihung DOK Leipzig - umstrittener Film gewinnt Hauptpreis

Beim Filmfestival Dok Leipzig sind die Goldenen und Silbernen Tauben verliehen worden. Zum besten deutschen Film wurde der umstrittene Beitrag "Lord of the Toys" gekürt, der beste internationale Streifen kommt mit "I had a dream" aus Italien.

von Mareike Wiemann

Szene aus "Lord of the toys": Ein Mann trägt eine Maske
Szene aus "Lord of the Toys". Bildrechte: DOK LEIPZIG

Sie leben im Jetzt, sie leben für's Netz, und ihnen ist komplett egal, ob das, was sie sagen, antisemitisch, sexistisch oder rassistisch ist: Regisseur Pablo Ben Yakov hat für seinen Film "Lord of the Toys" eine Clique von Dresdner Youtubern begleitet – und dafür nun beim Festival DOK Leipzig die Goldene Taube für den besten deutschen Langfilm erhalten. Für die Schriftstellerin Helene Hegemann, in diesem Jahr Mitglied der Jury, war es eine einfache Entscheidung. Sie erklärte, der Film sei formal irritierend gut. Außerdem bewegten sich die Macher wohltuenderweise nicht im eigenen Dunstkreis.

Sie haben einen differenzierten, intensiven Film gemacht. Und sind dahin gegangen, wo jeder SZ-Leser weiß: Hier ist die Demokratie in Gefahr.

Helene Hegemann

Die Jury ließ sich bei ihrer Entscheidung nicht von den Diskussionen abhalten, die die Vorführungen des Filmes begleitet hatten: Ein linkes Netzwerk hatte zu Protesten gegen "Lord of the Toys" aufgerufen und ein Festivalkino hatte erwogen, den Film doch nicht zu zeigen. Für Helene Hegemann fatale Reaktionen - denn der Regisseur verliere nie die kritische Distanz zu seinen Protagonisten, so die Überzeugung der Schriftstellerin.

Unterstützung hierzu kam von Ralph Eue, dem Chef der Auswahlkommission bei DOK Leipzig. Er erklärte, die Diskussionen und Proteste der vergangenen Tage seien erschütternd und deprimierend gewesen. Gleichzeitig stachelten ihn die Vorgänge an, beim Festival genau so weiter zu machen.

Preisträger aus Italien und Brasilien

Szene aus "I had a dream"
Szene aus "I had a dream". Bildrechte: DOK LEIPZIG

Die weiteren Gewinner des Abends weckten weit weniger Diskussionen. Die Goldene Taube für den besten internationalen Langfilm ging an die italienische Regisseurin Claudia Tosi und "I had a dream". In ihrem Film begleitet Tosi zwei Politikerinnen über einen Zeitraum von zehn Jahren und zeigt dabei ihren Kampf gegen den Zerfall einer Demokratie.

Welche Ochsentour ist es eigentlich, wenn man versucht, Demokratie an der Basis durchzusetzen? Das ist das, was der Film auf sehr unaufgeregte, routinierte und engagierte Weise zeigt.

Ralph Eue von DOK Leipzig

Insgesamt wurden beim Festival in diesem Jahr 22 Preise und Preisgelder in einem Gesamtwert von knapp 80.000 Euro vergeben. Der brasilianische Regisseur Ricardo Calil konnte den Nachwuchswettbewerb mit "Cinema Morocco" für sich entscheiden, ein Film über ein verlassenes Kino in Sao Paulo, das wieder zum Leben erweckt wird. Der Publikumspreis Leipziger Ring ging an die kenianische Aktivistin Beryl Magoko, die in einem Selbstporträt ihren Kampf gegen Genitalverstümmelung abbildete.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. November 2018 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2018, 12:06 Uhr

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