Goldene Taube
Insgesamt wurden bei DOK Leipzig in diesem Jahr 24 Preise verliehen. Bildrechte: dpa

62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig: Goldene Taube für litauischen Film über verurteilte Mörder im Gefängnis

Am Samstagabend sind beim Filmfestival DOK Leipzig die Goldenen Tauben und weitere Preise verliehen worden. Im internationalen Wettbewerb gewann der litauische Film "Exemplary Behaviour", im deutschen Wettbewerb "Zustand und Gelände". Beide Filme sind keine leichte Kost – sondern bleiben auch lange nach dem Kinobesuch noch im Kopf.

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Goldene Taube
Insgesamt wurden bei DOK Leipzig in diesem Jahr 24 Preise verliehen. Bildrechte: dpa

Filmemachen ist nicht irgendein Beruf – sondern eine Sache, auf die man sich mit Haut und Haaren einlässt. "Exemplary behaviour", der am Samstagabend in Leipzig die Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb gewann, macht dies auf tragische Weise deutlich. Denn der litauische Filmemacher Audrius Mickevičius verarbeitete in diesem Werk ein eigenes persönliches Trauma und ließ auch nicht davon ab, als er ernsthaft erkrankte. Kurz vor seinem Tod bat er schließlich seinen Freund Nerijus Milerius, den Film fertig zu stellen – was dieser auch tat und dafür nun die Goldene Taube entgegen nehmen konnte: "Die Auszeichnung ist das Ende einer harten Reise", so drückt es Festivalintendantin Leena Pasanen aus, die Mickevičius persönlich kannte.

Szenenbild: Exemplary Behaviour - Gefängnisinnenhof
Trister Alltag – Szene aus "Exemplary Behaviour", der das Leben von Mördern im Gefängnis zeigt. Bildrechte: DOK Leipzig

Ausgangspunkt des Films ist ein schreckliches Ereignis in Mickevičius Familie: Sein Bruder wird von zwei Männern ermordet. Einer kommt frei, der andere nimmt die volle Schuld auf sich, wird aber schon nach fünf Jahren aufgrund von guter Führung entlassen.

Diesem Begriff spürt der Filmemacher nun nach, indem er verurteilte Mörder im Gefängnis in ihrem Alltag beobachtet: in nüchternen, ruhigen Bildern. "Der Film greift ein sehr persönliches Thema auf, ohne emotional oder kitischig zu werden. Gleichzeitig ist er mit wunderschönen und überraschenden Bildern unterlegt. Er hat die Goldene Taube mehr als verdient", so das Urteil von Festivalchefin Pasanen.

Goldene Taube 4 min
Bildrechte: dpa
Goldene Taube 4 min
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Keine leichte Kost

Häuser und Straßen in Dresden
Szene aus "Zustand und Gelände". Bildrechte: Stefan Neuberger/Ute Adamczewski

Im deutschen Wettbewerb gewann der Film "Zustand und Gelände" von Ute Adamczewski. Die Berliner Künstlerin spürt darin Orten in Sachsen nach, an denen kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sogenannte "Schutzhaftlager" entstanden. In dem knapp zweistündigen Werk wird in langen, ruhigen Einstellungen gezeigt, wie diese Orte heute aussehen – eine Sprecherin liest dazu aus historischen Dokumenten wie Polizeiprotokollen vor, und gibt Erinnerungsberichte der damals Inhaftierten wieder. "Zustand und Gelände" erhalte die Goldene Taube, weil der Film trotz seiner Beschäftigung mit der Vergangenheit sehr weit hineinreiche in die heutige Zeit, erklärt Jurymitglied Leopold Grün: "Er ist in einer strengen Form aufgebaut und gibt durchaus auch in Wiederholungen die Berichte von damals wieder - das ist anstrengend, aber es packt und beschäftigt einen."

Preisregen in Leipzig

Christoph Terhechte während einer PK auf der Berlinale, 2016
Christoph Terhechte leitet derzeit noch das Filmfestival Marrakesch. Bildrechte: dpa

Insgesamt wurden bei DOK Leipzig in diesem Jahr 24 Preise mit einem Gesamtwert von 82.000 Euro vergeben, weitere Goldene Tauben gingen etwa an den Nachwuchs-Film "Sicherheit123" und an die Kurzfilme "Puberty" und "Am I a wolf". Der Publikumspreis Leipziger Ring, der Dokumentarfilme über Menschenrechte, Demokratie und bürgerschaftliches Engagement auszeichnet, wurde an Natalia Preston für ihren Film "Girls of Paadhai" verliehen. Mit dem MDR-Filmpreis für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm wurde die polnisch-slowakische Koproduktion "The Wind. A Documentary Thriller" ausgezeichnet.

Für die Finnin Pasanen war dies die letzte Festivalausgabe, sie wird künftig das Biografilm-Festival in Bologna leiten. In Leipzig übernimmt Christoph Terhechte, der langjährige Leiter des Berlinale-Forums. Er hat sich in den vergangenen Tagen bereits unters Publikum gemischt: "Das Tollste, was ich hier gesehen habe war, dass die Menschen lange in den Kinos sitzen bleiben und wirklich interessiert sind an einer Auseinandersetzung mit den Filmemachern." Welche neuen Akzente er beim Festival setzen will, dazu erbittet Terhechte sich noch etwas Zeit. Offiziell ist der gebürtige Münsteraner ab dem 1. Januar Intendant von DOK Leipzig.

Dok Leipzig bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. November 2019 | 07:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2019, 15:50 Uhr