Filmszene aus "Stiller Kamerad".
Mit den Pferden als Begleiter sollen die Soldaten wieder Vertrauen fassen. Bildrechte: Leonhard Hollmann

Neue Doku "Stiller Kamerad" – wie Pferde Kriegsfolgen verblassen lassen

Die Soldaten Mandy, Roman und Oliver leiden nach ihren Einsätzen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die klassischen Therapieansätze haben nicht geholfen – nun versuchen sie mit Hilfe von Pferden, wieder zu sich selbst zu finden. Der Dokumentarfilm "Stiller Kamerad" von Leonhard Hollmann begleitet sie bei diesem Weg.

von Hans-Michael Marten, MDR KULTUR

Filmszene aus "Stiller Kamerad".
Mit den Pferden als Begleiter sollen die Soldaten wieder Vertrauen fassen. Bildrechte: Leonhard Hollmann

Sobald eine Sirene ertönt, wird bei Oliver ein Schalter umgelegt: Er geht sofort in Deckung, als Folge seiner drei Einsätze als Bundeswehrsoldat in Afghanistan. Welche Ereignisse genau die seelischen Qualen ausgelöst haben, erfährt man im Film "Stiller Kamerad" nicht. Nur soviel: Er und seine Kollegen Mandy und Roman leiden an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, und keine Therapie der Bundeswehr konnte ihnen bisher helfen.

Filmszene aus "Stiller Kamerad". 8 min
Bildrechte: Leonhard Hollmann

Psychologin Claudia Swierczek hilft mit einer Pferdetherapie Soldatinnen und Soldaten, die an PTBS leiden. Im Interview erklärt sie, warum ihr Ansatz für manche Betroffenen überlebenswichtig ist.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 09.02.2019 10:15Uhr 07:36 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Der Film beobachtet die drei Soldaten nun bei der aus den USA stammenden "Pferdegestützten Trauma-Therapie", die die Psychologin Claudia Swierczek in Deutschland über Jahre weiterentwickelt hat.

Pferde spüren Angst oder Verunsicherung und spiegeln den Soldaten diesen Zustand. Es geht um absolutes Vertrauen zum stillen Kamerad Pferd, um Vertrauen, was die Soldaten verloren haben. Ihr Ziel ist es dabei, die Dienstfähigkeit wieder herzustellen.

Ich musste die Soldaten nicht groß überzeugen mitzumachen. Es war ihr inniger Wunsch, das zu verbreiten, was ihnen hilft.

Leonard Hollmann, Regisseur

Große Fragen, kleine Erfolge

Im Film "Stiller Kamerad" geht es immer wieder um existenzielle Fragen, wie etwa um Schuld. Wer ist schuld, wenn ein Soldat jemand anderen erschießt? Die Bundeswehr, der Kommandant oder derjenige, der abdrückt? Die Soldaten nutzen die Therapie mit den Pferden neben der herkömmlichen Therapie im Bundeswehrkrankenhaus, die Pflicht ist.

Sehr ergreifend zeigt die Dokumentation, wie tief und fest die Wunden auch Jahre nach den Einsätzen noch sitzen. Er zeigt aber auch, wie es den Soldaten gelingt auszuatmen. Man spürt das Loslassen, spürt Erfolge der Therapie. "Stiller Kamerad" ist ein sehr sensibler und völlig kitschfreier Film über die seelischen Folgen des Krieges.

Filmszene aus "Stiller Kamerad". 2 min
Bildrechte: Leonhard Hollmann

Do 31.01.2019 13:13Uhr 01:35 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-270674.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 31. Januar 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2019, 04:00 Uhr

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