Drei neue Folgen an Pfingsten im Ersten Der geniale Kotzbrocken Sherlock ermittelt wieder

Pfingsten ist im Ersten wieder Sherlock-Zeit. Drei neue Folgen gibt es, u.a. um sechs ominöse Thatcher-Büsten. Jörg Taszman hat sie gesehen und zeigt sich begeistert von dem charismatischen Soziopathen.

von Jörg Taszman, MDR KULTUR-Filmexperte

Er ist wieder da, der charismatische Soziopath Sherlock, der so geniale Schlussfolgerungen aus scheinbar nebensächlichen Details gewinnt und der es nicht nur seinen Feinden sondern auch Freunden so gerne schwer macht. So ist er bei vielen einfachen Polizisten unbeliebt, gilt dort eher als ein schwer gestörter und unzuverlässiger Psychopath.

Andererseits ist Sherlock, der einzige freiberufliche Berater der Polizei, wie er sich gerne nennt, und bei den unlösbaren Fällen einfach unentbehrlich. Oft mangelt es ihm jedoch an Empathie und seine Methoden sind umstritten. Gegen Ende der 3. Staffel stand sogar der Vorwurf im Raum, Sherlock sei ein Mörder, was seinen großen Bruder Mycroft auf den Plan ruft, der dann in einer sehr exklusiven Runde für alternative Fakten sorgt.

Rätsel um Margaret Thatcher

In der neuen 4. Staffel wird vier Personen ein Geheimnis offenbart, doch spielen dabei nicht alle mit offenen Karten. Auch eine alte arabische Legende um einen Todgeweihten, der dem Tod entkommen will, spielt eine wichtige Rolle.

Dabei beginnt der neue Fall auch für Sherlock eher zufällig. Nach dem Tod ihres geliebten Sohnes stellt Sherlock Holmes bei dessen konservativen Eltern fest, dass dort eingebrochen wurde. So fehlt auf einem Tisch mit vielen Fotos einer lächelnden, älteren Dame, eine Büste aus Gips von Margaret Thatcher.

Wieder einmal bleibt offen, ob Sherlock mit seiner sozialen Inkompetenz nur prahlt oder wirklich ein süchtiger Fachidiot ist, der sich um Politik und Historie nicht schert. Benedict Cumberbatch spielt ihn wie gewohnt ambivalent zwischen Genie und Kotzbrocken, Zyniker und großem Jungen, der seinen Spaß will.

Dabei soll Sherlock nun auch mal als Patenonkel mehr Verantwortung übernehmen, denn sein Freund und Kollege Watson ist nun Vater geworden und ausgerechnet die ehemalige Geheimagentin Mary ist die Mutter. Das führt zu amüsanten Kompetenzfragen der frischgebackenen Eltern, wer nun ermitteln darf und wer auf das kleine Baby aufpasst. Patenonkel Sherlock untersucht jedoch lieber den neuen mysteriösen Fall um sechs Büsten von Margaret Thatcher, die von einem Täter systematisch zerstört werden.

Die Mischung stimmt wieder

Die Spur führt zurück nach Georgien. Daher stammen die Thatcher-Büsten und auch sonst geizt der Plot diesmal nicht mit ungewöhnlichen Wendungen und Überraschungen. Sherlock selbst kämpft auch mit seinen Fäusten und neben mehr Action und dem gewohnten Humor wird außerdem für einen Schuss Tragik gesorgt. Aber die Mischung stimmt und sorgt für wirklich überdurchschnittliches Vergnügen.

Dieser so erfrischend entstaubte Sherlock tut der ARD richtig gut, die am gewohnten Sendeplatz über Pfingsten festhält, auch wenn der 3. Teil erst eine Woche später läuft. Es ist noch nicht sicher, ob Sherlock fortgesetzt wird. Wie sehr das Finale der 4. Staffel jedoch schon wirklich das Ende dieser großartigen BBC-Serie sein wird, darin besteht diesmal wohl der wirkliche Cliffhanger.

Sendetermine  
So, 04.06.2017 | 21:45 Uhr Sherlock - Die sechs Thatchers
Mo, 05.06.2017 | 21:45 Uhr Sherlock - Der lügende Detektiv
So, 11.06.2017 | 21:45 Uhr Sherlock - Das letzte Problem

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch: im Radio | 04.06.2017 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2017, 16:33 Uhr

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