Wolken über der Frauenkirche in Dresden.
In Dresden gibt es auch weiterhin Gesprächsbedarf zwischen den unterschiedlichen politischen Positionen. Eine Podiumsdiskussion in Dresden stand unter dem Motto "Wenn ein Riss durch die Gesellschaft geht" Bildrechte: imago/Robert Michael

Streitgespräch zur Meinungsfreiheit Diskussion in Dresden: Wenn ein Riss durch die Gesellschaft geht

Wolken über der Frauenkirche in Dresden.
In Dresden gibt es auch weiterhin Gesprächsbedarf zwischen den unterschiedlichen politischen Positionen. Eine Podiumsdiskussion in Dresden stand unter dem Motto "Wenn ein Riss durch die Gesellschaft geht" Bildrechte: imago/Robert Michael

In Dresden hat es am Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion über "neue Formen des Meinungsstreits" gegeben. Im Zentrum stand die Kritik an einer Lesereihe der Loschwitzer Buchhändlerin Susanne Dagen mit dem rechtsgerichteten Antaios-Verlag. Neben Dagen selbst nahmen an der Runde im Lingnerschloss auch die Publizisten Paul Kaiser und Hans-Peter Lühr teil, die im November einen offenen Brief an Dagen geschrieben hatten. Der Abend stand unter dem Titel "Wenn ein Riss durch die Gesellschaft geht".

Vierter Gast auf dem Podium war die frühere Grünen-Politikerin Antje Hermenau, die sich inzwischen – ebenso wie Dagen – bei den Freien Wählern engagiert. Moderator der Diskussion war Frank Richter, der frühere Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

"Emotional angegriffen"

Susanne Dagen bei einer Debatte auf der Leipziger Buchmesse 2018
Buchhändlerin Susanne Dagen bei einer Debatte auf der Leipziger Buchmesse 2018 Bildrechte: MDR/Juliane Streich

Kaiser und Lühr hatten Dagen in ihrem offenen Brief eine "offene Solidarisierung mit dem rechten Spektrum der Gesellschaft" und ein "ganz offene(s) Werben für neurechte Inhalte und Parolen" vorgeworfen. Darauf erwiderte Dagen bei der Podiumsdiskussion, sie sei "radikal liberal". Die Lesereihe sei harmlos, weil es darin ausschließlich um Literatur gehe.

Dagen sagte MDR KULTUR, nachdem sie den offenen Brief gelesen habe, habe sie sich als erstes gefragt: "Schämt ihr euch nicht?" Sie kritisierte, dass es sich um einen offenen Brief an eine Privatperson handle, deren Aktivitäten den Autoren Unbehagen bereiteten. Davon fühle sie sich emotional angegriffen.

Dialog statt Schimpftiraden

Der ehemalige Chef der Landeszentrale für Politische Bildung und Bürgerrechtler Frank Richter gibt zusammen mit Sachsens SPD-Vorsitzendem Dulig eine Pressekonferenz.
Frank Richter hat die Podiumsdiskussion moderiert. Bildrechte: dpa

Lühr sagte MDR KULTUR, das Ziel des Abends sei eine Konfrontation gewesen, "ohne dass wir uns sozusagen gegenseitig an die Kehle gehen". Man müsse Dialoge führen und mit "gegenseitigen Schimpftiraden" aufhören. Derartige Gespräche seien "absolut notwendig" als Ergänzung zu Debatten in der Politik.

Moderator Frank Richter resümierte, es sei schon ein Wert an sich, dass der Abend stattgefunden habe. Man habe aber keinen Konsens herstellen können bei der Beurteilung der Gefahr durch die Neue Rechte: "Da gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Das hält die Demokratie schon aus", so Richter.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Februar 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 13:41 Uhr

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