Pegida in Dresden
Vorn Anhänger der Pegida-Bewegung, im Hintergrund die Semperoper – welchen Einfluss hat die Kultur in der "gespaltenen Stadt" Dresden? Bildrechte: MDR/Christian Essler

Forschungsprojekt der TU Dresden Hat die Dresdner Kulturszene Pegida unfreiwillig gefördert?

Pegida in Dresden
Vorn Anhänger der Pegida-Bewegung, im Hintergrund die Semperoper – welchen Einfluss hat die Kultur in der "gespaltenen Stadt" Dresden? Bildrechte: MDR/Christian Essler

Wissenschaftler der TU Dresden wollen die Rolle städtischer Kunst- und Kultureinrichtungen im Streit um die Einwanderungspolitik untersuchen. Die Soziologie-Professorin Heike Greschke sagte am Mittwoch, es gehe um die Frage, wie sich Theater, Museen und andere Einrichtungen im Spannungsfeld zwischen Willkommenskultur und Überfremdungsangst positioniert hätten.

Es solle herausgefunden werden, ob Kultureinrichtungen zu Räumen des Dialogs und der Vermittlung zwischen entgegengesetzten gesellschaftlichen Positionen geworden seien, oder ob sie einseitig Position bezogen und so "den Antagonismus von 'wir' und 'sie' verfestigt" hätten. Dresden biete sich für diese Forschungen an, weil die Stadt ein "Polarisierungslabor" sei. In Dresden hatte Ende 2014 die Pegida-Bewegung ihren Anfang genommen.

Eine Buchhandlung als Anlaufstelle für AfD-Anhänger

Greschke zufolge wollen die Wissenschaftler zunächst eine "Vermessung der Kulturlandschaft" vornehmen, die auch in Dresden nicht homogen sei. Eine Buchhandlung im Stadtteil Loschwitz etwa gilt als Anlaufpunkt für Anhänger der AfD; ihre Inhaberin Susanne Dagen gehört dem Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung an.

Denkbar sei auch, dass Kultureinrichtungen von den Debatten "völlig unberührt" geblieben seien, sagte Greschke. Das würde aber die Frage aufwerfen, "wie das geht". Neben der allgemeinen Bestandsaufnahme soll es eine detaillierte Fallanalyse geben. Ihr Gegenstand sei die Rassismus-Sonderausstellung, die derzeit am Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu sehen ist. Das Forschungsprojekt ist am Institut für Integrationsstudien angesiedelt, das 2016 gegründet worden war. Es läuft bis Mai 2019.

Das Wissenschaftsministerium fördert die Studie

Sachsens Wissenschaftsministerium fördert das Vorhaben mit gut 100.000 Euro. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange sagte, angesichts der scharfen Kontroversen seien etliche Dresdner Kultureinrichtungen schon Ende 2014 sehr aktiv geworden.

Die Häuser seien "auf Weltoffenheit und Toleranz angewiesen", weil sie internationale Gäste anzögen, aber auch Schauspieler, Tänzer und Musiker aus dem Ausland in ihren Ensembles hätten. Stange bezeichnete die Kultureinrichtungen als "Seismografen für Prozesse", die im ganzen Land zu spüren seien. Bisher sei allerdings unklar, wie genau sie selbst ihre Rolle in der gesellschaftlichen Debatte sähen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juni 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 15:45 Uhr

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