Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes
Eckart Köhne ist Präsident des Deutschen Museumsbundes und Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe. Bildrechte: Uli Deck

Tagung des Deutschen Museumsbundes Sollten Museen zum Event-Ort werden?

Der deutsche Museumsbund trifft sich in diesen Tagen in Dresden, um über die Zukunft zu sprechen: Wie können die Häuser in den kommenden Jahren junge Besucher anlocken? Für den Präsidenten des Deutschen Museumsbundes Eckart Köhne ist es höchste Zeit, sich diese Frage zu stellen. Im Interview bei MDR KULTUR sagt er: Wir müssen uns neu aufstellen, wenn wir weiter bestehen wollen.

Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes
Eckart Köhne ist Präsident des Deutschen Museumsbundes und Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe. Bildrechte: Uli Deck

MDR KULTUR: Herr Köhne, Sie treffen sich in Dresden unter der Überschrift "Bildungsplattform Museum". Warum müssen Museen jetzt auch Plattform sein, so als wären sie flapsig gesagt bald auch nur noch eine App oder eine Software?

Eckart Köhne: Ich weiß nicht ob die Begriffe, die man findet, immer so glücklich sind. Wobei Plattform für uns tatsächlich ein guter Begriff ist um auszudrücken, was wichtig ist: Museen wollen ja bilden und Bildung vermitteln. Und das ist in der heutigen Gesellschaft nur erfolgreich, wenn wir es anders tun als bisher.

Wir haben ein sich wandelndes Umfeld, wir haben eine neue Gesellschaft mit neuen, ganz diversen Menschen, die wir integrieren müssen. Viele haben das Museum bisher nicht als Bildungsort kennengelernt. Wenn wir also wirklich weiter bestehen wollen, dann kommen wir um eine Neujustierung unserer Ziele einfach nicht herum!

Aber die Museen in Europa stellen doch solch einen Reichtum dar! Warum kommen da von Ihnen so verzagte Konzepte im Sinne von – mehr Ranschmeißen ans Publikum, mehr Event und Infotainment?

KInder sitzen an einem Tisch und basteln
Das Museum als interaktiver Lernort - hier basteln Schülerinnen in der Werkstatt des Bauhaus-Museums Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wir sind nicht verzagt! Das erste Event-Museum war der Louvre in Paris. Die haben ja um 1800 eröffnet und hatten dann nach ein, zwei Jahren auch zuwenig Besucher. Woraufhin sie Führungen bei Fackelschein eingeführt haben. Das war vor über 200 Jahren, deswegen: Museen und Events und Publikumsbemühungen gehören ohnehin zusammen.

Wenn Sie als Connaisseur heute in eine Ausstellung über die klassischen Meister gehen – irgendwo werden Sie feststellen, dass Sie unter Ihresgleichen sind und dass Sie sehr wenige junge Menschen sehen. Da ist man also selber nicht mehr der Maßstab, sondern muss schauen, was die anderen am Museum interessiert.

Welche Ideen haben Sie denn?

Der beste Weg ist einfach, die zu fragen, die man im Museum gerne sehen will. Also muss man mit den nächsten Generationen in Dialog kommen und sie fragen: Was interessieren euch für Themen? Und das sind ganz andere, als vielleicht einem Museumskurator klassischer Bauart einfallen würden.

Der andere Punkt ist der, dass Menschen sich heute gerne Dinge selber erobern und selber lernen. Das läuft nicht mehr über den Weg einer Museumsführung, wo man einfach zuhört und etwas Vorgefertigtes bekommt.

Bringt es aus Sicht des Museumsbundes etwas, Eintrittspreise abzuschaffen, um mehr Menschen anzulocken?

Es ist schon okay, wenn man für bestimmte Sonderausstellungen beispielsweise den Preis einer Kinokarte entrichten muss. Aber die Schausammlungen, die ja auch den Bürgerinnen und Bürgern gehören, sollten frei zugänglich sein.

Das Interview führte Carsten Tesch für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Mai 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 14:42 Uhr

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