Amare (Joshua Edoze) und die anderen Flüchtlinge haben sich aus dem verschlossenen Laster befreit und müssen feststellen, dass sie mitten in der Landschaft einfach stehengelassen wurden.
Szene aus "Eden": Amare (Joshua Edoze) und die anderen Flüchtlinge haben sich aus dem verschlossenen Laster befreit und müssen feststellen, dass sie mitten in der Landschaft einfach stehengelassen wurden. Bildrechte: SWR/Pierre Meursaut

Ab Donnerstag bei Arte Serie "Eden": Gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht

Ab Donnerstag läuft bei Arte die Serie "Eden" von Regisseur Dominik Moll. Sie will Geflüchteten ein Gesicht geben und zeigt das Schicksal von Menschen aus Nigeria oder Syrien nach ihrer Ankunft in Europa. Das ist emotional packend – aber leider nur in einem Teil der sechs Folgen, findet unser Kritiker.

von Jörg Taszman, MDR KULTUR-Filmkritiker

Amare (Joshua Edoze) und die anderen Flüchtlinge haben sich aus dem verschlossenen Laster befreit und müssen feststellen, dass sie mitten in der Landschaft einfach stehengelassen wurden.
Szene aus "Eden": Amare (Joshua Edoze) und die anderen Flüchtlinge haben sich aus dem verschlossenen Laster befreit und müssen feststellen, dass sie mitten in der Landschaft einfach stehengelassen wurden. Bildrechte: SWR/Pierre Meursaut

Eine Szene in der Fernsehserie "Eden" zeigt einen Sommerurlaub in Griechenland. Plötzlich wird die Idylle durch ein Schlauchboot gestört. Es sind Flüchtlinge, die hastig an Land gehen, über den Strand rennen. Eine auch bildlich gelungene Metapher, dass die Flüchtlingskrise mitten unter uns ist. Im nächsten Schnitt sieht man dann ein Bilderbuch-Camp: gepflegt, mit neuen Containern, Sportaktivitäten und Sprachkursen.

Dieses Musterlager wird privat geführt von einer engagierten Französin. Für sie ist das Flüchtlingslager mehr als eine Hilfe für die Frauen, Männer und Kinder, die dort leben. Denen bei der Integration zu helfen, sei "eine Investition in die Europäische Union".

Nicht immer gelungen

Sylvie Testud verkörpert diese Frau, die versucht, ein Menschheitsideal mit kommerziellen Interessen zu verbinden. Für ihre Geldgeber zählt jedoch nur, ob sich das wirtschaftlich lohnt. Auch ein ehrgeiziger Schweizer Geschäftsmann steht bereit, um Geld zu verdienen.

Hélène (Sylvie Testud) führt ein Flüchtlingslager in Griechenland, mit dem sie Folgeaufträge erzielen will.
Hélène (Sylvie Testud) führt ein Flüchtlingslager in Griechenland, mit dem sie Folgeaufträge erzielen will. Bildrechte: SWR/Pierre Marsaut

Wie sieht Sylvie Testud diese Frau? "Zu Beginn ist sie ja eher ein Produkt der Finanzwelt", erzählt Testud. "Sie liebt Statistiken und Zahlen wie: '350 Flüchtlinge wieder auf Lampedusa' etc., also Statistiken, die hochschnellen und wieder zurückgehen. Sie muss mit einer gewissen Anzahl von Menschen zu einem genau abgesteckten Budget klar kommen." Doch ihr fehle das Bewusstsein für den Einzelnen und seine Geschichten: "Das wird ihr aber langsam klar, und plötzlich wird sie mit der puren Menschlichkeit konfrontiert", so Testud.

In sechs Folgen wollen die Macher um die Drehbuchautoren Edward Berger und Nele Mueller-Stöfen den Geflüchteten ein Gesicht geben, sie aus der anonymen Masse herausholen. Das ist ehrenwert, aber nicht durchgängig gelungen.

Nervendes Gutmenschentum

So verfolgt man die Schicksale von zwei Brüdern aus Nigeria, die aus dem Camp flüchten, einer syrischen Familie in Paris und eines jungen Syrers, der von einer wohlmeinenden deutschen Familie in Mannheim aufgenommen wird. Das wirkt oft sehr bemüht, und das von Wolfram Koch und Juliane Köhler gespielte Lehrerpaar nervt mitunter mit seinem naiven Gutmenschentum.

Unter der verblüfften Beobachtung von Urlaubern rettet sich ein Flüchtlingsboot an den griechischen Strand. Unter den Zuschauern: Familie Hennings aus Mannheim (Wolfram Koch, Bruno Alexander, Juliane Köhler).
Szene aus "Eden": Unter der verblüfften Beobachtung von Urlaubern rettet sich ein Flüchtlingsboot an den griechischen Strand. Unter den Zuschauern: Familie Hennings aus Mannheim (Wolfram Koch, Bruno Alexander, Juliane Köhler). Bildrechte: SWR/Pierre Meursaut

Regie bei allen Episoden führte der seit über 30 Jahren in Frankreich lebende Deutsche Dominik Moll, bekannt durch Genrefilme wie "Harry meint es gut mir Dir". "Eden" ist dagegen schon realistischer. "Ich fand es einerseits wichtig, dass es gut recherchiert und dokumentiert ist, damit wir wissen, wovon wir ausgehen", erklärt Moll. Andererseits sei es trotzdem eine Fiktion, "und da will man natürlich mit den Waffen der Fiktion arbeiten und versuchen, dass sich die Leute das auch angucken und da Spannung ist und Drama und vor allem Emotion." Insofern sehe er "Eden" nicht losgelöst von seinem anderen Werk, so Moll.

Erst am Ende emotional packend

Insgesamt braucht diese sechsteilige deutsch-französische Koproduktion einfach zu lange, um den Zuschauer in den letzten beiden Folgen dann endlich auch emotional zu packen. Besonders gelungen ist vor allem die in Paris spielende Episode um syrische Exilanten, die noch immer unter den Folgen des Assad-Regimes leiden. Hier sind den Autoren komplexere und ambivalentere Figuren gelungen.

Überambitioniert und viel zu dramatisch dagegen die griechische Geschichte um zwei Wächter aus dem Flüchtlingscamp, die eine Tragödie verursachen. So ist Eden ein wenig wie das Dilemma mit der EU. Eigentlich eine super Idee mit hehren Idealen: gut gemeint, aber nicht immer gut genug gemacht.

"Eden" - sechsteilige deutsch-französische Mini-Serie Regie: Dominik Moll

In der Arte-Mediathek zu sehen bis zum 31. Mai 2019

Im TV:
ab dem 2. Mai, 20:15 Uhr bei Arte
ab dem 24. Mai, 23:15 Uhr bei ARD-One

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Mai 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 04:00 Uhr

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