Kinderbuch-Autorin Elizabeth Shaw, die Meisterin des leichten Strichs

Egal ob "Der kleine Angsthase", "Zilli, Billi und Willi" oder "Wildschwein Walter" – die irische Grafikerin Elizabeth Shaw hat viele zeitlose Kinderbücher geschaffen. Am Montag wäre sie 100 Jahre alt geworden. Eine Würdigung.

Cover des Buches Bärenhaus und Elizabeth Shaw
Elizabeth Shaw und das Cover ihres Buches "Bärenhaus" Bildrechte: Beltz | Der KinderbuchVerlag/Privatfoto Anne Schneider

Wegen ihrer Kinderbücher war sie besonders populär: Elizabeth Shaw – eine Irin, durch die Wirren des 20. Jahrhunderts und der Liebe wegen in der DDR gelandet und hier eine unverwechselbare Farbe im Kulturleben. Eine "Grafik- und Lebenskünstlerin", wie ein Kollege einmal wortwitzelte.

"Ich wurde in einem protestantischen Bett unter der Obhut eines katholischen Hausarztes geboren", schreibt Elizabeth Shaw in ihrer Autobiografie. In Belfast zur Welt gekommen und aufgewachsen, zwischen den religiös und politisch verhärteten Fronten Nordirlands. 1933, als sie 13 ist, zieht die Familie nach England.

In London studiert sie an der Kunstschule, allerdings nur kurz. Dann leistet sie Kriegsdienst, arbeitet als Mechanikerin. Abends zeichnet sie Karikaturen für linke Zeitschriften. Und sie lernt ihren Mann kennen, den deutschen Bildhauer René Graetz, geboren in Berlin. Hierher ziehen beide 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg.

Einige der schönsten Kinderbuch-Titel von Elizabeth Shaw

Biuchcover von Elizabeth Shaw: Das schwarze Schaf
Bildrechte: Beltz / Der Kinderbuchverlag
Biuchcover von Elizabeth Shaw: Das schwarze Schaf
Bildrechte: Beltz / Der Kinderbuchverlag
Biuchcover von Elizabeth Shaw: Das schwarze Schaf
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Zilli, Blli und Willi
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Guten Appetit
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Der kleine Angsthase
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Wildschwein Walter
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Die Schildkröte hat Geburtstag
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Die Landmaus und die Stadtmaus
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Biuchcover von Elizabeth Shaw: Gittis Tomatenpflanze
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Ein Kinderbuch sollte etwas zeigen, was für die Kinder nützlich ist – auch. Aber man muss das verbinden mit Spaß und Fantasie.

Elizabeth Shaw, Grafikerin und Kinderbuchautorin

Eine unauffällige Meisterin

Bei der Satire-Zeitschrift "Ulenspiegel" lernt Zeichnerkollege Lothar Kusche Elizabeth Shaw kennen. Er erinnert sich: "Ihre ersten Karikaturen entsprachen mit leicht grimmigem Humor durchaus dem Klima jener Nachkriegswinter. Als deren Trostlosigkeit langsam, aber sicher eintrocknete, blühte auch Elizabeths Charme neu wieder auf." Shaw sei "eine unauffällige Meisterin" gewesen, die in ihren oft sehr kleinen Zeichnungen "die größte Einfachheit des leichten Strichs mit einer unverwechselbaren Pfiffigkeit" verbunden habe, so Kusche.

Anfang der 60er-Jahre dann das erste Kinderbuch: "Der kleine Angsthase". Sascha Bunge, heute Theatermann, ist mit den Büchern von Shaw aufgewachsen und hat die Schöpferin selbst als Kind kennengelernt. 

Als eines seiner Lieblingsbücher nennt er "Bettina bummelt" aus der ABC-Reihe. "'Der kleine Angsthase', dann aber auch später die Illustrationen zu Brecht, zum 'Bummel durch Europa' von Mark Twain waren für mich unglaublich prägende Bild-Erfahrungen. Elizabeth Shaw hat das in ihrer typischen Art mit unglaublich prägnanten, wenigen Striche gezeichnet, mit wenigen Farben dazu illustriert", findet Bunge.

Illustrationen für andere Dichter

Shaws Werk ist vielfältig: Sie illustriert auch die Bücher von Dichter-Kollegen, porträtiert Mitglieder der Akademie der Künste, schafft ironische Farbgrafiken, zarte Landschafts-Aquarelle und Traumvisionen. Oder Reportage-Skizzen im "Magazin”.

Denn neben dem Zeichnen hat Shaw noch eine andere Leidenschaft: "Ich reise sehr gern und ich zeichne auch gern beim Reisen, schreibe auch meistens einen kleinen Text dazu", erzählte sie einmal. Daraus seien dann Reportagen entstanden.

Biuchcover von Elizabeth Shaw: Guten Appetit
Buchcover von Elizabeth Shaw: "Guten Appetit!" Bildrechte: Beltz / Der Kinderbuchverlag

Geht es statt an die Ostsee in die irische Heimat, dann muss Shaw – privilegiert durch Herkunft und Pass – ohne DDR-Freunde reisen. Ihr Kollege Harald Kretzschmar berichtet: "Von dort brach sie immer wieder auf nach den Ferientagen. Zurück ins selbsterwählte, schließlich traumlos gewordene Traumland DDR." Das Berührendste an ihr sei vielleicht ihre Konsequenz gewesen, den Kreisen der Freunde und Vertrauten treu zu bleiben, sagt Grafiker Kretzschmar.

Vielleicht, schreibt Elizabeth Shaw später, war die Frage weniger, warum sie nach Berlin gekommen ist, sondern eher, warum sie geblieben ist, auch im Osten. Knapp zwei Jahre nach Ende der DDR, im Juni 1992, stirbt Shaw. Ihre Bücher aber, vor allem die für Kinder, reisen noch immer weiter.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Mai 2020 | 06:40 Uhr