Uraufführung am Theater Rudolstadt "Ellenbogen Ellenbogen": Wie Kinder die Corona-Welt sehen

Nach der langen Schließzeit starten die Theater in Thüringen nach und nach wieder in die neue Spielzeit. Inhaltlich greifen einige die Pandemie auf: wie das Theater Rudolstadt. Es hat das Stück "Ellenbogen Ellenbogen" entwickelt, eine Inszenierung, die die vergangenen Monate aus der Sicht von Kindern reflektiert.

Szenenbild 'Ellenbogen Ellenbogen' am Theater Rudolstadt
Wenn Corona zur Kuschelvire wird: Das Theater Rudolstadt zeigt junge Perspektiven auf die neue Normalität. Bildrechte: Anke Neugebauer

Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei, wir sind mittendrin – was es durchaus schwierig macht, sie mit den Mitteln des Theaters aufzuarbeiten. Steffen Mensching, Intendant am Theater Rudolstadt hat es gemeinsam mit seinem Chefdramaturgen Michael Kliefert dennoch getan. Es sei ein Prozess gewesen, bei dem es verschiedene inhaltliche Zwischenstufen gegeben habe, erzählt Mensching: "In der ersten Fassung sind wir bis nach China gegangen und haben versucht, die ganze Entdeckung des Virus in etwas surrealer, absurder Manier durchzuspielen. Das wurde dann aber eher grotesk und albern. So sind wir stattdessen auf die Idee mit den Kindern gekommen."

Neun junge Protagonistinnen und Protagonisten stehen nun im Fokus des Stücks. Sie brechen gemeinsam auf in ein Abenteuer, verlassen ihre Eltern und treffen sich an einem versteckten Ort, um die ungewöhnliche Situation für sich zu klären: Was passiert eigentlich, warum benehmen sich alle so seltsam, warum ist heute alles anders, als es gestern war?

Eine Portion Naivität tut gut

Szenenbild 'Ellenbogen Ellenbogen' am Theater Rudolstadt
Steffen Mensching (links) und Michael Kliefert. Bildrechte: Anke Neugebauer

In 24 kurzen Szenen beschreiben Mensching und Kliefert diese Reise durch die Corona-Welt, es geht um Desinfektion, um neue Verhaltensregeln, um ausbleibende Berührungen und Nähe. Und auch, wenn Kinder im Mittelpunkt stehen – Zielgruppe seien hier Erwachsene, betont Michael Kliefert: "Wir stehen ja in der Gefahr, dass man solch ein Thema zu wissenschaftlich, zu soziologisch oder zu journalistisch behandelt. Und dass daraus mehr eine Kulturbetrachung wird als ein Spiel für Menschen und für Schauspieler. Also haben wir einen Weg gesucht, um Abstand reinzubringen. Und sind auf die Idee mit den Kindern gestoßen, um aus deren Perspektive besser, naiver und unbefangener zu erzählen."

Krise als Chance

Szenenbild 'Ellenbogen Ellenbogen' am Theater Rudolstadt
Das Stück wurde in den Sommermonaten geschrieben. Bildrechte: Anke Neugebauer

Im Theater neu auf die Welt schauen – das ist gar nicht so einfach bei einem Thema, bei dem alle Bescheid wissen, und auch oft bereits eine eigene Meinung entwickelt haben. Für die Dramatiker war es also durchaus eine Herausforderung, hier nicht einfach das Geschehene nachzuerzählen. Die gemeinsamen Erfahrungen bildeten nun die Ausgangssituation für "Ellenbogen Ellenbogen", sagt Chefdramaturg Kliefert. "Das ist ein Pfrund für dieses Stück – wir sitzen alle in einem Boot. Die Menschen auf der Bühne und die im Publikum. Es ist ja auch ein Schatz, dass uns anders als bei der Banken- oder der Flüchtlingskrise diese Krise wirklich konkret betrifft."

"Ellenbogen, Ellenbogen", das ist ein Stück am Puls der Zeit. Auch wenn Mensching und Kliefert hoffen, dass es mit seinen grundsätzlichen Fragen auch noch in ein paar Jahren aktuell sein wird: dann, wenn die Pandemie hoffentlich nicht mehr so in unser Leben eingreift.

Informationen zum Stück Ellenbogen Ellenbogen
Ein Stück Gegenwart von Steffen Mensching und Michael Kliefert Uraufführung

Premiere: 26.09., 17 & 20 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
Weitere Aufführungstermine: 29.09., 15 & 18 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
03.10., 19:30 Uhr (Eisenach, Landestheater)
04.10., 15 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
16.10., 19:30 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
17.10., 17 Uhr (Eisenach, Landestheater)
17.10., 20 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
23.10., 19:30 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
24.10., 19:30 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
06.11., 19:30 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
14.11., 19:30 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
15.11., 18 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)
15.12., 15 Uhr (Rudolstadt, Theater im Stadthaus)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. September 2020 | 07:45 Uhr