Oscar-Preisträger Filmmusik-Legende Ennio Morricone gestorben

Ennio Morricone
Der Filmmusik-Komponist Ennio Morricone Bildrechte: dpa

Der italienische Filmmusik-Komponist Ennio Morricone ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Wie ein Anwalt seiner Familie bestätigte, starb er am frühen Montagmorgen in einer Klinik in Rom. Er galt als einer der bedeutendsten Filmmusik-Komponisten der Welt und schrieb die Melodien zu hunderten Filmen.

Berühmt durch Western

Ennio Morricone mit einem Oscar, 2007.
2007 bekam er den Oscar für sein Lebenswerk. Bildrechte: dpa

Morricone wurde vor allem durch seine Filmmusiken für Italo-Western berühmt, etwa "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Zwei glorreiche Halunken" (1966, beide mit Clint Eastwood in der Hauptrolle) oder "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968). Auch für Klassiker wie "Es war einmal in Amerika" (1984) und "Mission" von Roland Joffé (1986) – mit Hollywoodstar Robert de Niro in der Hauptrolle – ersann der Mann mit der markanten Brille ebenso eindrucksvolle wie bewegende Melodien. 2007 erhielt er einen Oscar für sein Lebenswerk. 2016 bekam er die Auszeichnung für seine Musik zu Quentin Tarantinos "The Hateful Eight".

Über Umwege zur Filmmusik

Ursprünglich wollte der 1928 in Rom geborene Morricone Arzt werden. Doch sein Vater legte ihm eine Musikerlaufbahn nahe. So ging er zunächst aufs Konservatorium und studierte später Trompete. Beim Studium wurde ihm von seinem Harmonielehre-Professor nahegelegt, Komposition zu studieren.

Doch er sah ein Problem und beschrieb es so: "Mit dieser seriösen, ich nenne sie 'absolute Musik', konnte ich nichts verdienen. Nichts. Meine Familie brauchte aber Geld. So nahm ich ein Angebot bei der RAI an. Für das Heilige Jahr 1950 stellte ich Volkslieder für eine Sendung zusammen. Ich hatte Freude an dieser Arbeit. Vor allem, als ich die ersten Musiken für Theaterstücke komponieren durfte. So kam ich ja auch zum Kino."

Von Italien nach Hollywood

Morricone komponierte in der Folge für Fernsehen und Hörfunk, schrieb Schlager für die Hitparaden und Musik für den Konzertsaal. 1961 startete der erste Kinofilm mit seiner Musik: "Zwei in einem Stiefel". Die Italo-Western mit Clint Eastwood in der Hauptrolle machten ihn in der Folge bekannt und sorgten für Aufträge aus Hollywood – trotz fehlender Englischkenntnisse.

Charles Bronson und Henry Fonda während der Dreharbeiten zum Film - Spiel mir das Lied vom Tod.
Charles Bronson und Henry Fonda während der Dreharbeiten zum Film "Spiel mir das Lied vom Tod". Bildrechte: imago/Granata Images

Eine seiner markantesten Filmmusiken ist die zu Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod". Die Situation: Drei Männer warten auf den Zug, beziehungsweise auf einen Mann darin. Doch der taucht nicht auf, als der Zug am Bahnhof hält. Die Drei ziehen schon ab, da meldet sich der Kerl doch. Unverkennbar – mit Mundharmonika. Für die drei Wartenden wird das Spiel auf der Mundharmonika zur Todesmelodie, denn der musizierende Cowboy beherrscht nicht nur sein Musikinstrument, er kann genauso gut schießen. So beginnt der Film "Spiel mir das Lied vom Tod" und macht indirekt klar, wie wichtig die Musik von Morricone für diesen Edelwestern ist.

Ich habe einmal gesagt, dass Morricone mehr mein Drehbuchautor ist als mein Komponist. Denn durch seine Musik kann ich gewisse Dinge mitteilen, ohne sie aussprechen zu müssen.

Sergio Leone, Regisseur von "Spiel mir das Lied vom Tod"

Mehr als nur Filmmusik

"Ich arbeite nur mit Regisseuren zusammen, für die ich Freundschaft und Achtung empfinde", hat Morricone einmal gesagt. Dazu gehörten auch Bernardo Bertolucci, Brian De Palma ("The Untouchables – Die Unsterblichen") und Roman Polanski ("Frantic"). Wichtig sei aber letztlich nur eins, meinte der Maestro, nämlich "dass der Komponist sich immer selbst treu bleibt".

Dennoch wollte Morricon sein Schaffen nicht auf seine berühmten Melodien aus Italo-Western reduziert sehen. "Es geht mir schon ein bisschen auf den Wecker", sagt er 2015 der "Stuttgarter Zeitung". Oft denke er, "wieso interessiert es die Leute so wenig, dass ich auch so viel weitere Musik, stilistisch ganz andere und modernere, komponiert habe?"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Juli 2020 | 10:30 Uhr