Der Blogger Enno Park
Der Blogger Enno Park Bildrechte: Jakob Weber

Bezahlmodelle im Netz Wie uns die Utopie des Internets abhandengekommen ist

Bevor über Bezahlmodelle im Netz diskutiert wurde, war das Internet ein Raum der Informationsfreiheit. Damals dachte noch niemand daran, dass man einmal Zeitungen ins Netz stellen würde. Austausch unter Wissenschaftlern bestimmte den Anfang dieser revolutionären Kommunikationsplattform. Heute steht vor allem noch Wikipedia für diese Utopie des frei zugänglichen Wissens. Doch immer wieder wird versucht, das Internet zu regulieren und zu monopolisieren. Enno Park ist Blogger und schreibt zu Themen wie Digitalisierung und Technikkultur. MDR KULTUR hat mit ihm über Bezahlung im Netz gesprochen.

Der Blogger Enno Park
Der Blogger Enno Park Bildrechte: Jakob Weber

MDR KULTUR: Was ist die Ursache dafür, dass wir uns heute so aufs Geld fokussieren und diesen wundervollen Gründungsgedanken des Internets vernachlässigen?

Enno Park: Das Internet ist eine wunderbare Infrastruktur, über die man alles erledigen kann. Da haben wir eben nicht nur Wissenschaft. Ein Verlag hat teilweise kaum noch die Möglichkeit, gedrucktes Papier anzubieten, weil die Leute immer weniger gedrucktes Papier überhaupt lesen wollen. Zeitungen sind also auch gezwungen, ins Internet zu gehen. Da Schreiben ihr Job ist, brauchen sie auch die Möglichkeit, Geld damit zu verdienen. Beispiele wie Netflix oder die New York Times zeigen auch, wie Paywalls gut funktionieren. Ein Verlag kann seine Zeitung auch hinter so einer Bezahlschranke anbieten.

Ich bin der Meinung, wenn die Zeitungen kostenlos etwas ins Netz stellen und dann kein Geld dafür kriegen, dann dürfen sie sich hinterher nicht beklagen, dass so etwas wie eine Kostenlos-Mentalität bei den Lesern entsteht.

Enno Park, Blogger

Die Diskussion um Bezahlinhalte und Regulierungen wird stark von den Zeitungsverlegern dominiert. Das zeigt auch die Debatte in der EU. Ist das der richtige Weg?

Der Blogger Enno Park
Enno Park fordert in der Debatte um Bezahlung im Netz ein neutrales Internet, das alle berücksichtigt. Bildrechte: Jakob Weber

Nein, das ist sogar absurd. Die Perspektive der Zeitungsverlage ist ja nur eine Perspektive. Es ist legitim zu sagen: Ich habe eine Zeitung und lebe davon, sie zu verkaufen. Aber es ist auch legitim zu sagen: Ich bin Wikipedia und lebe davon, dass Leute Inhalte hochladen. Und es ist genauso legitim zu sagen: Ich habe einen Onlineshop und lebe von ganz anderen Dingen.

Ein großer bekannter Künstler ärgert sich vielleicht über Schwarzkopien im Netz, ein kleiner unbekannter Künstler hingegen wird sich über die Aufmerksamkeit freuen. All diese vielen verschiedenen Perspektiven und Anwendungsfälle des Netzes muss man unter einen Hut bringen. Da kann man nicht einseitig auf diesen einen Bruchteil Zeitungsverlage gucken, sondern muss alle berücksichtigen.

Das Internet selber muss neutral bleiben.

Enno Park

Das ist schwierig – irgendwie muss man regulieren und bestimmte Menschen auch schützen. Haben Sie da einen Ansatz, wie es gehen könnte?

Ich halte viel davon, Verwertungsgesellschaften zu verwenden. Rechteinhaber können sich dann aus diesem Topf mit bedienen – da muss man dann schauen, worauf man dann die Gebühr legt. Ich bin auch ein großer Freund der Rundfunkgebühr. Man könnte so ein Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wunderbar auch auf journalistische Inhalte im Internet ausweiten und anders strukturieren. Niemand zwingt einen, etwas kostenlos im Netz anzubieten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial: Was kostet das Netz - von digitalen Jägern und Sammlern | 12. Juli 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2018, 04:00 Uhr