Pannen, Preise, Debatten und Großereignisse Das war das Kulturjahr 2017

Welche kulturellen Debatten wurden 2017 geführt? Wer durfte sich über eine Auszeichnung freuen, und wer gehört in Literatur, Film und Kunst zu den Verlierern des Jahres? Welche Kulturevents wurden neben der Leipziger und Frankfurter Buchmesse, der documenta oder dem Wave-Gotik-Treffen gefeiert? Wir fassen die Ereignisse des Jahres 2017 zusammen.

Januar

Für Paphos auf Zypern und Aarhus in Dänemark war dieses Jahr etwas ganz Besonderes. Denn die beiden Orte waren die Kulturhauptstädte 2017. Am 20. Januar fand die Amtseinführung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA statt - ein Ereignis, das den Roman "1984" von George Orwell wieder in die Bestsellerlisten katapultierte, 70 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung.

Februar

Im Februar schaute alle Welt nach Los Angeles, wo jährlich die Oscars vergeben werden. Bei der diesjährigen Verleihung des begehrtesten Filmpreises der Welt ging aber fast unter, dass das Drama "Moonlight" zum besten Film 2017 gekürt wurde. Der Grund: Eine Panne mit den Gewinner-Umschlägen ließ für wenige Momente das Team des Musical-Films "La La Land" jubeln - bis jemand den Irrtum bemerkte. Die deutsche Oscar-Hoffnung "Toni Erdmann" (nominiert für den besten fremdsprachigen Film) ging leider leer aus.

Moderator Warren Beatty hält eine Karte in die Kamera.
Das gab's bisher noch nie bei den Oscars: Der Umschlag mit dem Namen des Gewinnerfilms "Moonlight" wurde vertauscht. Das Team von "La La Land" durfte sich nur für einen kurzen Moment freuen. Warren Beatty hält den Umschlag mit dem Namen des Gewinnerfilms in die Kamera - zum Beweis. Bildrechte: IMAGO

März

Die Leipziger Buchmesse gilt in jedem Jahr als erstes großes Treffen der Literaturszene. 2017 knackte die Buchmesse erneut ihren Besucherrekord und zog insgesamt rund 208.000 Lesebegeisterte an. Zu den Highlights des Lesefestes gehörte auch die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse, der 2017 in der Kategorie Belletristik an Natascha Wodin für ihr Buch "Sie kam aus Mariupol" ging.

April

Der April war in diesem Jahr zugleich der Auftakt für die Weltausstellung "documenta 14", deren erster Teil in Athen präsentiert wurde. Teil Zwei war ab Juni in Kassel zu sehen. Die Ausstellung für Gegenwartskunst endete im September 2017 mit einem Besucherrekord von mehr als einer halben Million Gästen, sorgte zugleich aber auch wegen finanzieller Schwierigkeiten für Schlagzeilen. Große Freude in Dresden: Im April wurde hier mit einem Festakt die Eröffnung des für 100 Millionen Euro umgebauten Kulturpalastes gefeiert.

Mai

Großes Schaulaufen im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes: Hier gewann Diane Kruger eine "Palme" als beste Hauptdarstellerin für ihre Darstellung in dem NSU-Drama "Aus dem Nichts" - in Cannes der erste Preis für eine deutsche Hauptdarstellerin seit 1986. Große musikalische Leistungen gab es bei den Händelfestspielen 2017, die Ende Mai in Halle an der Saale unter dem Motto "Händel im Zeitalter der Digitalisierung" stattfanden. Halle war neben Weimar, Jena und Erfurt, Eisleben, Leipzig, Magdeburg und Dessau-Roßlau auch Schauplatz für die "Kirchentage auf dem Weg", die anlässlich des 500. Reformationsjubiläums stattfanden und in einem Festgottesdienst in Wittenberg gipfelten. Großereignisse, deren Bilanz letztlich ernüchternd ausgefallen ist.

Juni

Anfang Juni begrüßte Leipzig wieder die schwarze Szene zur 26. Ausgabe des Wave Gotik Treffens. Auch diesmal traten wieder über 200 Künstler und Bands auf und auch in diesem Jahr bot die Stadt ihren Gästen wieder ein eigens fürs WGT gestaltetes Programm. Unangefochtenes Highlight für die Augen war auch diesmal das viktorianische Picknick im Clara Zetkin-Park. Erstmals in diesem Jahr fanden stilechte Trauungen in den Kasematten unter der ehemaligen Pleißenburg (Neues Rathaus) statt.

WGT-Hochzeit in Leipzig.
Ein Blick in die Kasematten unter dem Neuen Rathaus Leipzig. Hier können sich nicht nur Anhänger der Schwarzen Szene seit Mai 2017 trauen lassen. Bildrechte: MDR/Maximilian Heeke

Juli

Bestes Sommerwetter und ausgelassene Stimmung beim Rudolstadt-Festival, das Anfang Juli mit einem Konzert von Amy McDonald eröffnet wurde. Länderschwerpunkt war in diesem Jahr Schottland. Der Weltmusik-Preis "Ruth" wurde an Ringswandl, das Quintett Alma und Banda Internationale verliehen. Ende Juli war Dresden Schauplatz der Biennale "Ostrale", die in diesem Jahr unter dem Motto "re_form" stand.

August

Sommerzeit ist Festivalzeit. Der Sommer ließ sich bei der Kulturarena Jena in diesem Jahr leider zu wenig blicken. Abschrecken ließen sich die Besucher dennoch nicht: 68.000 Gäste kamen nach Jena und feierten. Was die "documenta" für Menschen ist, gibt es seit August 2017 auch in New York - allerdings für Hunde: Die "dogumenta". Ernsthaft diskutiert wurde im August über Sexismus im Literaturbetrieb; ausgelöst wurde die Debatte durch Beobachtungen in Literaturinstituten und beim Blick in die deutschen Feuilletons, die sich vor allem den Büchern männlicher Autoren widmeten.

September

Mit dem Herbst beginnt jährlich auch die Saison der Preise. Der Deutsche Kabarettpreis 2017 ging an Mathias Tretter. In Los Angeles wurden die begehrten Fernsehpreise Emmys verliehen und machten vor allem durch politische Statements zu US-Präsident Trump von sich reden.

Oktober

Das zweite große Treffen der Buchbranche fand im Oktober bei der Frankfurter Buchmesse statt. Eröffnet wurde die Messe mit dem Besuch von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich deutlich zu Meinungsfreiheit äußerten. Überschattet wurde die Buchmesse von Tumulten bei der Podiumsdiskussion eines rechten Verlages. Das löste eine bundesweite Debatte in der Literaturszene aus ("Charta 2017" und offener Brief des Literaturhauses Dresden). Gefeiert wurde bei der 60. Ausgabe des DOK Leipzig und beim bundesweiten Reformationstag. Dieser war der Höhepunkt des gesamten 500. Refomationsjubiläums, dessen Bilanz für die Kirchen gemischt ausfiel, besonders mit Blick auf die Kosten.

November

Eine intensive Debatte und eine Initiative im Netz (#MeToo) über sexuelle Übergriffe löste der Skandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein aus. Diskutiert wurde im Monat November auch über die Neuausrichtung der Berlinale und die Präsentation von DDR-Kunst in Dresden. Mit einer "Kunstaktion" sorgte das Zentrum für Politische Schönheit für Aufsehen: Es stellte AfD-Politiker Björn Höcke ein "Holocaust-Denkmal" vors Haus. Positive Schlagzeilen machte die Vertragsverlängerung von Dirigent Christian Thielemann bei der Staatskapelle Dresden und die Verleihung des Theaterpreises "Faust" an eine Inszenierung der Bühnen Halle.

Dezember

Im Dezember wurde die "#MeToo"-Bewegung vom Time-Magazin zur "Person des Jahres" und der Begriff "Jamaika-Aus" von der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum "Wort des Jahres" gekürt. Erfolgreicher als der Versuch der Regierungsbildung ist der Filmstart von "Star Wars - Die letzten Jedi" verlaufen, der zum Ende des Jahres die Kinokassen noch einmal ordentlich klingeln ließ. Freude auch bei Regisseur Fatih Akin: Sein Film "Aus dem Nichts" darf sich weiter Hoffnungen auf einen Oscar machen. Schon jetzt steht fest, wer im kommenden Jahr den Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhält: Asne Seierstad für ihr Buch über den Massenmörder Anders Behring Breivik.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2017, 03:00 Uhr