Zum 75. Geburtstag Eric Clapton, der Überlebende des Bluesrock

Eric Clapton gilt als einer der größten Gitarristen aller Zeiten. Der Rolling Stone listete ihn 2011 auf der entsprechenden Rangliste auf Platz 2, gleich hinter Jimi Hendrix. Am Montag wird "Mr. Slowhand" 75 Jahre alt.

Eric Clapton
Eric Clapton Bildrechte: dpa

Mit Anfang 20 schon ein Gott, ein Gitarren-Gott. So jedenfalls legen es Graffiti nahe, von denen berichtet wird, in London Mitte der 60er-Jahre: "Clapton is God". Immerhin hat Eric Clapton schon ein paar Jahre Vorlauf: Die erste Gitarre spielt er mit 13. Das habe sich zwar gut angehört, erzählte er einmal, aber es sei einfach nur harte Arbeit gewesen: "Also habe ich mit dreizehn Jahren angefangen zu spielen und mit dreizehneinhalb Jahren aufgegeben."

Und dann offenbar doch wieder angefangen. Zum großen Glück für die Musikgeschichte. Clapton wird zu einem der ganz großen, der prägenden Rockgitarristen. Clapton stammt aus typisch englischem Provinz-Milieu. "Die Familien sind bestrebt, jeglichen Skandal zu vermeiden, der zum Gerede führen könnte", erzählt er. "Meine Mutter war sehr jung, als sie mich bekam. Das wurde verschleiert, indem meine Großeltern mich als ihr Kind ausgaben, so wurde meine Mutter zu meiner Schwester und mein Onkel zu meinem Bruder."

Ein deutscher Konzertveranstalter entdeckt ihn

Kein guter Start ins Leben. Später, vom Kunst-College, wird Clapton schon nach einem Jahr exmatrikuliert – wegen mangelnder Leistungen. Er interessiert sich viel mehr für die Musik. So kommt er zu den "Yardbirds". Da erlebt ihn 1963 ein begeisterter Konzertveranstalter: Fritz Rau, der damals gerade mit dem "American Folk Blues Festival" unterwegs ist. Rau erinnert sich: "Wir gingen nach Richmond, in den Crawdaddy-Club, das war der Club, in dem der Rythm&Blues geboren wurde. Da stand ein schlaksiger Typ, 17 Jahre alt, hatte die Gitarre nahezu an den Knien. Und er spielte wie B.B. King, wie Muddy Waters – steht da und hatte damals schon den Ehrennamen 'Slowhand'".

Eric Clapton in der Royal Albert Hall in London
Eric Clapton in der Royal Albert Hall in London Bildrechte: imago/UPI Photo

B.B. King, einer der "Könige des elektrischen Blues", ist eines der großen Vorbilder Claptons. Der feilt an seiner Gitarrentechnik, landet bei "John Mayalls Bluesbreakers", später bei "Cream" und "Blind Faith" – zwei sogenannten "Supergroups".

Zwischendurch spielt er mit den Beatles "While My Guitar Gently Weeps" ein – inkognito: "Die Idee war wirklich: Sind diese Leute, die die Platten kaufen, hip genug, um zu erkennen, dass da nicht George Harrison spielt?", erinnert sich Clapton: "Sind sie hip genug, um rauszufinden, wer es ist? Ich glaube, es war wie ein kleines Versteckspiel."

Immer wieder Schicksalsschläge

Bei zahlreichen anderen berühmten Kollegen ist Clapton ebenso gefragt, ob im Studio oder bei Live-Sessions. Anfang der 70er-Jahre tourt er, genervt vom Star-Rummel, mit seiner Band "Derek and the Dominos" durch kleine britische Clubs. Dabei entsteht auch der Riesen-Hit "Layla".

Claptons Karriere wird von Krisen und Schicksalsschlägen begleitet und unterbrochen: Da ist der schwierige familiäre Start, die komplizierte Liebesgeschichte mit der Frau seines Freundes, des Beatles George Harrison, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, lebensbedrohliche Krankheit, der Hubschrauberabsturz von Freunden und Kollegen, darunter Stevie Ray Vaughan. Und dann, 1991, der Unfall-Tod seines vierjährigen Sohnes. Clapton zieht sich zurück, schreibt später einen bewegenden Song über seine Trauer: "Tears in Heaven".

Der Blues als ewiger Bezugspunkt

Früh in seiner Karriere steht Clapton in einem komplexen Spannungsfeld: Einerseits Kommerz, Musikkritik und die Erwartungshaltung von Fans, andererseits das, was er selbst wirklich will. Meist ist es der Blues.

Der Blues bedeutet für mich in seiner Theorie, dass man sein Elend, seine Traurigkeit nimmt und sie zu etwas macht, das einen heilt.

Eric Clapton

Auch, wenn es um Eric Clapton in den letzten Jahren ruhiger geworden ist, manche Kritiker gar meinen, seine jüngeren Platten seien eher "Schlaftabletten". Claptons Musiker-Vita reicht für zwei oder drei Leben. Und hoffentlich auch noch für ein formidables Alterswerk.

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Eric Clapton in der Royal Albert Hall in London 16 min
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Das Interview mit Clapton-Biograf Peter Kemper führt MDR KULTUR-Moderator Stefan Maelck.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 27.03.2020 18:05Uhr 15:46 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. März 2020 | 06:40 Uhr

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