Komponist und Produzent Moses Pelham
Komponist und Produzent Moses Pelham Bildrechte: dpa

Streit Moses Pelham vs. Kraftwerk Grundsatzurteil: EuGH stärkt das Microsampling

Der Musikproduzent Moses Pelham hat im jahrelangen Streit mit der Gruppe Kraftwerk um einen Sabrina-Setlur-Song aus dem Jahr 1997 einen Sieg errungen. Der Europäische Gerichtshof sprach sich in einem Grundsatzurteil für die Kulturtechnik des Musiksamplings aus – vor allem dann, wenn es um die kleinsten Teile eines Musikstücks geht.

Komponist und Produzent Moses Pelham
Komponist und Produzent Moses Pelham Bildrechte: dpa

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem Grundsatzurteil das sogenannte Mikrosampling gestärkt. Einem am Montag veröffentlichten Urteil zufolge, stellt es keine Urheberrechtsverletzung dar, wenn Audio-Fragmente in veränderter, nicht wiedererkennbarer Form auch ohne Zustimmung des Urhebers in neuen, eigenständigen Werken eingesetzt werden.

Jahrzehntelanger Rechtsstreit um zwei Sekunden Musik

Hintergrund ist ein Jahrzehntelanger Streit des Musikproduzenten Moses Pelham mit den Elektropo-Pionieren Kraftwerk. Diese stritten um die Verwendung von einem zwei Sekunden langen Ausschnitt des Songs "Metall auf Metall", den Pelham 1997 als Sample im Titel "Nur mir" der Rapperin Sabrina Setlur in Endlosschleife einsetzte. Kraftwerk hatten daraufhin die Aufführung es Titels verbieten lassen. Dagegen hatte Pelham gemeinsam mit anderen Produzenten und Musikern geklagt.  

BGH entschied ursprünglich gegen Pelham

Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) war Kraftwerk 2012 zunächst erfolgreich. Die BGH-Richter hatten entschieden, dass ein fremder Beat – und sei er noch so kurz – nur dann einfach kopiert werden dürfe, wenn er nicht gleichwertig nachgespielt werden könne. In der Musikszene wurde dies als "remixkulturfeindlich" kritisiert.

Kraftwerk
Klagten wegen zwei unerlaubt genutzten Sekunden ihrer Musik: Kraftwerk Bildrechte: EMI Music

Pelham hatte 2016 Beschwerde vorm Bundesverfassungsgericht eingelegt. Die Verfassungsrichter sahen die Kunstfreiheit verletzt. Der Bundesgerichtshof sollte den Fall neu bewerten und prüfen, ob die Nutzung von Musikschnipseln zu finanziellen Einbußen der Plattenlabel führt und dass der Gesetzgeber auch eine Bezahlpflicht einführen könnte. Der BGH legte den Fall dem EuGH vor.

Technologie vs. Kunst

Sampling stieß immer wieder auf Probleme bei Musikern und Plattenfirmen. Dennoch wird es seit Jahren verwendet und für ganze Musikgenres ist Sampling kaum verzichtbar. Üblicherweise einigen sich beide Parteien vorher auf eine angemessene Vergütung beziehungsweise Freigabe.

Europäischer Gerichtshof
Europäischer Gerichtshof in Luxemburg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht so geschehen im Fall Pelham/Setlur. Die Musiker machten geltend, dass ihre künstlerische Freiheit durch derartige Einschränkungen verletzt sei, ein Recht, das ihnen gemäß Verfassung als Grundrecht zustehen würde. Deshalb mussten BGH, Bundesverfassungsgericht und zuletzt EuGH entscheiden. Das Urteil dürfte richtungsweisende Wirkung haben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 14:40 Uhr