Acht deutsche Städte wollen auf die "Shortlist" Wer bleibt im Rennen um den Titel "Europas Kulturhauptstadt 2025"?

Acht deutsche Städte bewerben sich um den Titel "Kulturhauptstadt Europas" im Jahr 2025. Neben Zittau, Dresden und Chemnitz in Sachsen sind das thüringische Gera sowie die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg im Rennen. Eine Jury verkündet am Donnerstag, welche vier Bewerber nun auf die "Shortlist" kommen und weiter am Konzept feilen dürfen. Bis im Herbst 2020 feststeht, wer die Ehre zugesprochen bekommt und sich über die damit verbundenen Mittel zur Stadtentwicklung freuen darf.

Eine Collage mit Gebäuden aus Magdeburg, Chemnitz, Gera, Zittau, Dresden, Nürnberg, Hildeshem und Hannover.
Die acht deutschen Bewerber Bildrechte: MDR/Collage:IMAGO/ Wallmüller/ Rust/ Torsten Becker/ Schlösserland Sachsen/ Marco Prosch/dpa/Florian Leue

Das Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" geht in die nächste Runde. Am Donnerstag wird bekanntgegeben, welche deutschen Städte im nationalen Wettbewerb weiterkommen. Zu den Anwärtern gehören Zittau, Dresden und Chemnitz in Sachsen, außerdem das thüringische Gera sowie die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg. Neben den fünf ostdeutschen Städten bewerben sich Hannover, Hildesheim und Nürnberg. Die insgesamt acht Bewerber präsentieren zuvor einer zwölfköpfigen europäischen Jury ihre Ideen, um kulturelle Vielfalt, gegenseitiges Verständnis und Austausch über die Grenzen hinweg zu befördern.

Zittau, Dresden und Chemnitz im Rennen

Das Rathaus und der Marsbrunnen auf dem Marktplatz von Zittau
Das Rathaus und der Marsbrunnen auf dem Marktplatz von Zittau Bildrechte: dpa

"Die Spannung ist schon jetzt greifbar", sagt Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker. Seine Stadt als östlichster Bewerber wählte das Motto "365°Leben". Das Bewerbungsbuch bezieht die ganze Region im Dreiländereck mit Polen und Tschechien ein und erzählt Geschichten über das Leben im ländlichen Raum abseits der Metropolen. Sie handeln Zenker zufolge von historischen Brüchen, Abwanderung und neuem Mut an einer "wichtigen Nahtstelle für die EU". So zeige man, dass ein vereintes Europa "nicht einfach nur Vorteile hat, sondern Lebensgrundlage für ganze Landstriche ist".

Die Dresdner Bewerbung läuft unter dem Titel "Neue Heimat" und versteht sich laut Oberbürgermeister Dirk Hilbert "angesichts des Risses, der durch Europa geht" als Einladung an alle, sie "positiv mitzugestalten": "Viele Dinge, die Dresden bewegen, sind ein Spiegelbild der Entwicklungen, die wir auf dem gesamten Kontinent beobachten", erklärt Hilbert. Das westsächische Chemnitz rückt die große Industriekultur der Stadt sowie die Identitätssuche nach den gesellschaftlichen Umbrüchen ins Zentrum. Das Konzept unter dem Motto "Aufbrüche - opening minds - creating spaces" sehe vor, dass Bürger selbst Projekte entwickelten", betont Projektleiter Ferenc Csák. "Dass Chemnitz und die Region den Titel Kulturhauptstadt als wichtigen Meilenstein für die zukünftige Entwicklung brauchen und auch nutzen werden", davon wolle man die Jury in einer "persönlichen Darstellung" überzeugen.

Gera: "Bewerbung aus der Bürgerschaft vorangetrieben"

Dafür bleiben nur drei Minuten Redezeit. Mit einer 30-seitigen Bewerbung auf Deutsch und Englisch reisten die Geraer am 1. Oktober nach Berlin, zur Übergabe des sogenannten BidBooks an die Kultusministerkonferenz. Nun muss Oberbürgermeister Julian Vonarb – wie seine Mitbewerber auch – auf den Punkt präsentieren, warum auch die ostthüringische Stadt mit ihrer "reichen und bedeutenden historischen Villen- und Kulturlandschaft" den Titel verdient. "Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass die Bewerbung aus der Bürgerschaft heraus angetrieben wurde", betont Vonarb. Den Ostthüringern geht es ebenfalls um Identitätssuche und Transformation einer vom einstigen Uranbergbau geprägten Region.

Magdeburg will "Raus aus dem Vakuum"

Schulkinder stehen um einen Tisch
Schon jetzt begeistert Bildrechte: Andrea Jozwiak

Viele Besucher, eine nachhaltige Stadtentwicklung sowie Effekte für die Region – das würde sich auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper vom Titel erhoffen. Die Bewerbungsvorbereitungen laufen seit Jahren. Nun lautet der Leitgedanke: "Out of the Void", zu Deutsch "Raus aus dem Vakuum" bzw. "Raus aus der Leere". Angespielt wird damit einerseits auf den großen Magdeburger Physiker Otto von Guericke, der im 17. Jahrhundert die Kraft des Luftdrucks und das Vakuum entdeckte. Angedeutet werden soll damit aber auch, dass es im Magdeburg des 21. Jahrhunderts jede Menge freien Raum für Experimente gibt. Auch "fehlende Urbanität", wie der Beigeordnete für Kultur, Schule und Sport, Matthias Puhle, unumwunden feststellt.

Die Bewerbung sei kein Marketingkonzept, sagt er, sondern beschreibe auch, wie die Leerstellen zu füllen seien und die Bevölkerung kulturell stärker mitgenommen werden solle. Sie solle nicht zeigen, "wie prachtvoll und schön Magdeburg ist", sondern auch erklären, "warum wir diesen Titel brauchen." Dabei gibt es Prachtvolles durchaus auch. Im November 2018 eröffnete das neue "Ottonianum". Ministerpräsident Reiner Haseloff bezeichnete das Dommuseum als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Kulturhauptstadt-Titel, sei es doch ein Aushängeschild für die erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden. Im Titel sehen die Magdeburger die Chance, "Wahrnehmung und Verständnis" ihrer Stadt zu verändern.

Titelbekanntgabe im Herbst 2020

Ob nun die fünf mitteldeutschen Städte oder die drei weiteren Bewerber Hildesheim, Hannover und Nürnberg - sie alle hoffen, dass die Jury sie auf die "Shortlist" mit den maximal vier Kandidaten für die zweite Runde setzt. Die "Shortlist" muss vom Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz bestätigt werden. Der Titelträger wird dann im Herbst 2020 gekürt. Deutschland darf im Jahr 2025 neben Slowenien eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen. Die letzte europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war 2010 Essen mit dem Ruhrgebiet. 2019 tragen das italienische Matera und das bulgarische Plovdiv den Titel, 2020 sind es Galway in Irland und Rijeka in Kroatien.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Dezember 2019 | 08:30 Uhr

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