Entdecken Pop-Newcomer, die Sie sich 2019 merken sollten

Beim Eurosonic-Festival im niederländischen Groningen stellen sich alljährlich die interessantesten Nachwuchs-Popmusiker vor. MDR KULTUR-Musikredakteur Hendryk Proske war vor Ort und verrät, welche Namen für ihn besonders hervorstachen: Unter anderem Elektronik-Künstlerin Lisa Morgenstern aus dem sächsischen Vogtland, die italienische Singer-Songwriterin Violetta Zironi und das Soloprojekt von Sizarr-Mitgründer Fabian Altstötter: Jungstoetter.

Violetta Zironi | Italien

Der Geist von ESC, als der noch ein Grand Prix war, schwebt durch den Raum, wenn Violetta Zironi die Bühne betritt. Die junge Italienerin schwelgt gern in schönen Melodien, lässt ihre helle, klare Stimme von ihnen tragen. In Norditalien ist sie geboren, über London zog es sie bis nach Berlin, wo sie derzeit wohnt. Und so schreibt sie ihre Songs: "Ich versuche meine Lieder in einem italienischen Stil zu denken, sie aber in englischer Sprache zu singen". Das mag nur auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben. Auf der Bühne geht diese Idee voll und ganz auf!

Gerry Cinnamon | Schottland

Was für eine Type! Ständig grinsend und lachend turnt der Schotte Gerry Cinnamon über die Bühne, singt, spielt Gitarre und Mundharmonika. Dieses Energiebündel ist sowas wie der Gegenentwurf zum derzeit eher populären Typ Singer-Songwriter: Cinnamon hat so gar nix gemein mit diesen nachdenklich-romantisch-verwuschelten Schmelzbarden, wie wir sie so zahlreich in den Charts finden. Cinnamon klingt eher wie eine One-Man-Kneipenband, immer auf der Suche nach dem nächsten Witz und dem nächsten Bier. Auf die Art und ohne Unterstützung einer großen Plattenfirma hat er es so in Schottland schon zu beachtlichem Ruhm gebracht.

Lisa Morgenstern | Deutschland

Manchmal muss man in die Ferne reisen um ein Talent aus der direkten Nachbarschaft zu entdecken. Lisa Mogenstern kommt aus dem sächsischen Vogtland, wohnt mittlerweile in Berlin. Als Kind hat sie an der Palucca-Schule in Dresden getanzt und klassisch Klavier gelernt. Musikalisch wagt sie sich in experimentelle Welten – irgendwo zwischen Elektronik und Neo-Klassik. Ihre Stimme kann ebenso strahlen wie auch geisterhaft flirren. Man denkt mal an PJ Harvey, mal wieder an Lisa Gerrard und Dead Can Dance. Selten gibt es Künstlerinnen, denen man so direkt dabei zusehen kann, wie sie sich LIVE im Moment und ihrem Spiel verlieren.

Thom Artway | Tschechien

Einer der bekanntesten Singer-Songwriter aus der tschechischen Nachbarschaft. Tomáš Maček, wie Artway eigentlich heißt, hat als Straßenmusiker angefangen. Das merkt man, er hat ein Talent sein Publikum vom ersten Moment zu binden. Seine Songs gehen tief, er singt und spielt sie sehr intensiv. Sein songwriterisches Handwerk hat er in Irland gelernt. Eigentlich ist er dahin gereist um auf einer Farm zu arbeiten, die Musik war wohl aber stärker.

Thom Artway, singend mit E-Gitarre
Thom Artway bei einem Konzert 2017. Bildrechte: IMAGO

Someone | Niederlande

"Ich habe das Gefühl, da steht etwas zwischen uns" sagt Sängerin Tessa Rose Jackson und lacht. Ist ja auch nicht zu übersehen, hat sie doch eine transparente Leinwand zwischen sich und dem Publikum gebaut. Sie möchte ihre Band Someone als Gesamtkunstwerk aus Animation und Musik verstanden wissen. Das funktioniert auf beeindruckende Weise. Sie und die Band stehen quasi live in einem selbstgebauten Film. Das mag zuweilen von Songs ablenken, die sind aber catchy und eingängig genug um hinterher immer noch im Ohr rumzugeistern.

Sea Girls | England

Irgendwas ist da im Wasser in England. Muss so sein. Wie anders ist es zu erklären, dass immer wieder solche Bands aus dem Nichts erscheinen? Eine Horde Jungs, Schulfreunde, die nur den einen Drang verspüren unbedingt eine Band zu gründen und live die Welt zu erobern. Und das mal wieder mit diesem beeindruckenden Talent scheinbar spielerisch klassisch britische Gitarrenpopsongs zu schreiben, die man sofort mitsingen kann. Sea Girls Sänger Henry bringt den einfachen, aber logischen Anspruch der Band auf den Punkt: "Das Schönste und Aufregendste ist es, einen Song zu schreiben und den gleich live zu spielen."

Sarah Klang | Schweden

Die schwedische Antwort auf Adele oder Lana Del Ray? Nicht so einfach. Auch wenn man beim Zuhören schnell an ähnliche Vorbilder denkt. Die junge Frau aus Göteborg vermag es eine wunderbar verträumte Atmosphäre zu schaffen. Ihre Band gibt dem Ganzen noch einen Hauch Nashville dazu – fertig ist Schwedens interessanter neuer Pop-Export.

RuthAnne | Irland

Jetzt komme ich! Das muss man bei Ruth Anne Cunningham wörtlich nehmen. Die Irin ist vor Jahren nach Los Angeles gezogen um das Pop-Geschäft dort zu lernen wo es am schwersten ist. Und dort machte sie sich vor allem als Songwriterin für andere einen Namen. John Legend hat von ihr profitiert, One Direction oder auch Britney Spears. Der niederländische Electro-Held Martin Garrix hatte mit ihrer Stimme einen Hit. Doch nun will RuthAnne selbst auf der Bühne als Künstlerin überzeugen. Mit einem Mix aus R’n’B und Verweisen auf irische Wurzeln.

Jungstoetter | Deutschland

Fabian Altstötter hatte mit seiner Band Sizarr vor ein paar Jahren beachtlichen Erfolg. Jetzt hat er neue Mitstreiter um sich gescharrt und seinem Solo-Projekt den Namen Jungstoetter gegeben. Seine Stimme, sein Sing- und Erzählstil mag schnell Vergleiche zu Nick Cave hervorrufen, oder besser noch Simon Huw Jones, dem Frontmann der Band And Also The Trees. Düster blickt er drein, tigert rastlos über die Bühne und singt tief-schwere Balladen. Eine Präsenz, der man sich Live nicht entziehen kann.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Januar 2019 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2019, 12:04 Uhr

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