Schulbuch
Der Lobbyverband "Die Familienunternehmer" findet, dass Unternehmer-Persönlichkeiten in Thüringer Geschichtsbüchern zu kurz kommen. Bildrechte: dpa

Bildung Unternehmer kritisieren Thüringer Schulbücher

Aus Sicht der Wirtschaft wird das Unternehmertum in Thüringer Schulbüchern zu negativ dargestellt. Der Verband der Familienunternehmer findet, es werde zu oft das Bild des ausbeuterischen Unternehmers gezeichnet. Zudem sei Ökonomie in den Büchern unterrepräsentiert. Bildungsminister Helmut Holter entgegnet, die Wirtschaft sei selbst für wirtschaftliche Bildung mit verantwortlich.

Schulbuch
Der Lobbyverband "Die Familienunternehmer" findet, dass Unternehmer-Persönlichkeiten in Thüringer Geschichtsbüchern zu kurz kommen. Bildrechte: dpa

Aus Sicht von Wirtschaftsvertretern wird das Unternehmertum in Thüringer Schulbüchern zu negativ dargestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, für die der Lobbyverband "Die Familienunternehmer" rund 20 Thüringern Schulbücher untersucht hat. Die politische Referentin des Verbands, Antonia Adamek, sagte MDR KULTUR, die soziale Verantwortung von Unternehmern werde nicht lebensnah vermittelt: "Es wird im Gegenteil oft immer noch dieses Bild eines nur ausbeuterischen Unternehmers gezeichnet."

In Geschichtsbüchern kommen Unternehmer nicht vor

Antonia Adamek
Antonia Adamek Bildrechte: Anne Großmann Fotografie

Allerdings sei die Darstellung je nach Fach unterschiedlich. In den Schulbüchern für Wirtschaft und Recht werde in der Regel ein "ausführliches und faires Unternehmerbild" präsentiert. In den Geografie- und Geschichtsbüchern dagegen kämen Unternehmer oder Unternehmerinnnen als Personen gar nicht vor: "Im Hinblick auf die deutsche Geschichte werden Unternehmerleistungen sogar ausgeklammert", so Adamek.

Auch Themen wie Selbstständigkeit und Unternehmensgründung würden in den meisten Schulbüchern gar nicht behandelt. Deshalb hätten Auszubildende häufig zu wenige Grundkenntnisse in der ökonomischen Bildung, etwa bei Themen wie Preisbildung oder Zinsen. Die Unternehmen müssten dann oft nachbessern. "Das müssen junge Leute einfach wissen. Und hier hat die Schule und auch die Gesellschaft einen ganz klaren Bildungsauftrag", so Adamek.

Bildungsminister Holter sieht Unternehmen selbst in der Pflicht

Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommission Zukunft Schule steht Helmut Holter (Die Linke) am 21.06.2017 in der Staatskanzlei in Erfurt (Thüringen) vor Thüringens Landesfahne.
Thüringens Bildungsminister Helmut Holter Bildrechte: dpa

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) sagte dem MDR, wirtschaftliche Bildung könne man nicht auf Schulbücher reduzieren: "Das hat etwas auch damit zu tun, was Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht selbst vermitteln und ob Unternehmerinnen und Unternehmer selbst in Schulen auftauchen und dort über ihre Erfahrungen in der Wirtschaft sprechen."

Darauf erwiderte Antonia Adamek vom Verband der Familienunternehmer, Wirtschaftsvertreter gingen gerne selbst in die Schulen. Allerdings seien "die Berührungsängste der Schulen und manchmal auch der Lehrer vor 'der Wirtschaft' immer noch enorm." Schüler müssten mehr für das Unternehmertum begeistert werden – "sonst sehe ich auch schwarz für die Ergreifung einer dualen Ausbildung", so Adamek.

Mehr zum Thema Bildung

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. August 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 09:41 Uhr

Abonnieren