Ein Auge
Ein Gesicht kann anziehend wirken oder abstoßen, interessant oder belanglos. Die Entscheidung darüber treffen wir oftmals in Sekundenbruchteilen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Spezial | Von Antlitz bis Visage – Gesichter und ihre Geschichten Faszination Gesicht

Das Gesicht ist unsere augenscheinlichste Visitenkarte. Wir können es wahren und verlieren. Eine Ausstellung im Dresdner Hygienemuseum beleuchtet die Faszination, die von Gesichtern ausgeht.

Ein Auge
Ein Gesicht kann anziehend wirken oder abstoßen, interessant oder belanglos. Die Entscheidung darüber treffen wir oftmals in Sekundenbruchteilen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gesichter begegnen uns täglich unzählige Male. Sie bergen Geheimnisse, offenbaren Gefühle wie Freude oder Trauer. Bei manchem Gesicht öffnet sich unsere Seele, wenn wir Verwandte, Freunde oder unsere große Liebe sehen.

Mädchen, das sich Haare rauft und vielleicht Kopfläuse hat
Für die meisten Menschen ist es sofort erkennbar, dass dieser Gesichtsausdruck gestellt ist. Warum wir das wissen, ist uns jedoch kaum bewusst. Bildrechte: IMAGO

Das Gesicht ist die Visitenkarte eines Menschen. Dementsprechend wird es für die Präsentation aufbereitet, mit Make Up, Rasierapparat, der möglichst passenden Frisur. Unser Gesicht zeigen wir im sozialen Netzwerk und versuchen uns dabei mit Selfies und attraktiven Porträtbildern ins rechte Licht zu rücken. Oder wir verbergen es, wenn wir der Meinung sind, kein vorzeigefähiges Antlitz zu haben.

So vertraut uns Gesichter auch scheinen, viele der Botschaften, die darüber kommuniziert werden, nehmen wir eher unbewusst wahr - manchmal auch gar nicht. Gesichtsausdrücke wie Wut, Trauer, Freude, Überraschung, Ekel und Angst sind genetisch angelegt und in allen Kulturkreisen mimisch gleich erkennbar. Das Strahlen der Augen, die gerunzelte Stirn - schon Babys wissen diese Ausdrucksformen zu erkennen und selber einzusetzen.

Von einem bestimmten Alter an ist jeder Mensch für sein Gesicht verantwortlich.

Albert Camus

Es gibt auch kulturelle Unterschiede. So achten Asiaten bei der Deutung von Mimik eher auf die Augenpartien, Europäer hingegen sehen auf den Mund. Das bietet viel Raum für Verwirrungen und Missverständnisse. Auch das Zeigen oder Verbergen von Emotionen im Gesichtsausdruck wird global unterschiedlich gehandhabt. Völker, die sich mimisch eher zurückhaltend zeigen, erscheinen da gerne reserviert, obwohl man nur die schwächeren Zeichen nicht zu deuten weiß.

Auf Augenhöhe

Die Abbildungen von Gesichtern auf Gemälden oder Statuen bietet uns eine direkte Verbindung zu unseren Vorfahren.

Kopf einer Christusstatue mit Dornenkrone.
Obwohl es nicht historisch überliefert ist, erkennen im christlichen Kulturkreis fast alle Menschen in diesem Antlitz Jesus Bildrechte: IMAGO

Die Antlitze von Cäsar, Shakespeare oder Karl Marx sind uns bekannt. Die Gesichter von Dschingis Khan oder Jesus scheinen uns dabei sogar vertraut, obwohl sie keinerlei historische Authentizität haben. Wir speichern Menschen in der Erinnerung gerne so, dass wir ihnen "ein Gesicht zuordnen" können, und nicht nur über rein historische Fakten.

Im Zeitalter der elektronischen Manipulation ist Vorsicht angesagt. Mit Photoshop werden Gesichter bis zur Irrealität verändert, jedes noch so kleine Fältchen und Pickelchen wird gnadenlos entfernt. Ganze Kinofilme sind mit virtuellen Charakteren besetzt, deren Gesichtsmimik entweder von echten Menschen übertragen oder gleich im Rechner erzeugt wird.

Warum müssen eigentlich so viele ihr Gesicht wahren, obwohl es gar nicht so schön ist?

Linus Carl Pauling, Chemiker und Nobelpreisträger

Ausstellung im Hygienemuseum

Wer sich mit der Vielfalt von Gesichtern faszinieren lassen will, dem ist die Sonderausstellung "Das Gesicht - Eine Spurensuche" im Deutschen Hygienemuseum Dresden empfohlen. Vom 19. August bis zum 25. Februar 2017 zeigt u.a. die historischen Wissenschaftsinterpretationen von Mimik und Ausdruck. Auch kulturgeschichtliche Porträts werden gezeigt, von Künstlern wie Gottfried Helnwein, Ana Mendieta, Leonardo Selvaggio, Cindy Sherman oder Andy Warhol.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 17.08.2017 | 18:05-19:00 Uhr


Zuletzt aktualisiert: 18. August 2017, 10:40 Uhr