Faszination Star Trek Mehr als eine Kult-Serie

Star Trek ist nicht nur eine Serie, Star Trek ist ein Phänomen, aktuell vielleicht vergleichbar mit "Six Feet Under" oder "Game of Thrones". Sie verbindet Philosophie und Wissenschaft mit spannender Unterhaltung.

Filmszene aus "Star Trek"
Einfach von einem Ort zum anderen gebeamt werden - eine faszinierende Vorstellung Bildrechte: IMAGO

Es gibt Fernsehserien, die lediglich der kurzweiligen Unterhaltung dienen - und schnell wieder vergessen sind. Häufig zu Recht. Manche werden im Nachhinein zu "Kult"-Serien deklariert, weil sie besonders skurril sind oder für viele Menschen eine verbindende Kindheitserinnerung darstellen.

Und es gibt Serien, in denen mehr steckt. In ihnen kristallisiert sich ein Lebensgefühl. Sie regen nachhaltig zum Denken an und verändern vielleicht die Sicht auf die Welt. Heute sind dies Serien wie "Six Feed Under" oder "Game of Thrones". In den 90er-Jahrenn gehörte "Star Trek - The Next Generation" (TNG) dazu!

Unendliche Weiten der Philosophie

Jede dieser "Star Trek TNG"-Episoden mutete wie ein philosophischer Exkurs an. Betrachtet wurden elementare Fragen: Welche Grenzen sollte moralische Einmischung haben? Wo sind die Grenzen der Toleranz? Welche Macht sollte der Technik überlassen werden? Selbst die Frage, ob es einen Gott gibt und wie er sich zeigen könnte, wurde erörtert. Die Antwort: Das Wesen "Q" offenbart sich als allmächtig-göttlich, ist aber eigentlich eine ziemliche Nervensäge, die aus Spielvergnügen die Raumforscher in Gefahren bringt. Später wird sogar offenbar, das "Q" eigentlich nur ein Schaumschläger ist, der die ihm zu Verfügung stehende Macht aus purem Egoismus nutzt und daraufhin von seinen "Mitgöttern", seiner Kräfte beraubt, in die Verbannung geschickt wird.

Bis an die Grenzen

All diese Fragestellungen ermöglichen immer auch einen aktuellen Bezug. So begegnen die Reisenden des Raumschiffs "Enterprise" einem gefährlichen Kollektiv, den "Borg". Diese erobern andere Welten, indem sie die intelligenten Lebensformen dort assimilieren und sich selbst angleichen. Die "Borg" sind emotionslose Cyborgs, Mischwesen aus Mensch und Maschine, die, untereinander vernetzt, eine gewaltig Schwarmintelligenz entwickeln. Ihr Leben gleicht eher einem Bienenschwarm, der jegliche Individualität ausschließt. Dabei glauben sie von sich selbst, nicht bösartig zu sein, denn sie glauben, das Leben der assimilierten Völker zu verbessern und sie in einer glücklich machenden Gemeinschaft zu vereinen.

Ein Universum im Wandel

Das Star-Trek-Universum ist aber noch weit größer. Es begann in den 1960er-Jahren mit der Ursprungsserie "Raumschiff Enterprise" (engl. Originaltitel "Star Trek"). Der intellektuell etwas einfacher gestrickte Raumschiff-Captain Kirk löste seine Probleme noch deutlich gewaltorientierter. Dennoch faszinierte und inspirierte diese Serie die Menschen.

Star Trek bewegt sich in einer Gedankenwelt von Science-Fiction-Autoren wie Isaac Asimov, Stanislaw Lem oder Phillip K. Dick, bei denen die Grenzen zwischen belletristischer Betrachtung und philosophischer Erörterung verschwammen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der interstellare Forscherdrang maßgeblich durch die Star-Trek-Filmbilder vorangebracht wurde. Auch technologische Entwicklungen wurden durch die Serie vorangebracht - auch wenn man auf das Beamen derzeit leider noch verzichten muss.

Geradezu folgerichtig ist es daher, dass der Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry nach seinem Tod einen ganz besonderen Weg ins Weltall fand: Sein Asche wurde mit einer Rakete in eine Erdumlaufbahn geschossen und dort den ewigen Weiten überlassen.

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