Zeichnung von Henry Büttner
Zeichnung: Henry Büttner Bildrechte: © Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH, Berlin

Porträt | Zum 90. Geburtstag Der dezente Strich des Henry Büttner

Es gibt wohl kaum einen DDR-Bürger, den Henry Büttner mit seinen Zeichnungen nicht durchs Leben begleitet hätte. Büttner, der Philosoph unter den Karikaturisten, war Kult und wurde jede Woche von den Lesern des ostdeutschen Satiremagazins "Eulenspiegel" herbeigesehnt. MDR KULTUR nimmt den 90. Geburtstag Henry Büttners zum Anlass für eine Hommage auf den menschenfreundlichen Misanthrop und einzigartigen Künstler sächsischen Humors.

von Matthias Thalheim, MDR KULTUR

Zeichnung von Henry Büttner
Zeichnung: Henry Büttner Bildrechte: © Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH, Berlin

Dieses staksige "H" mit dem drübergeschriebenen Spitzbauch-"B" – wie sehr hat man nach dieser markanten H B-Signet geblättert und gesucht – denn auf diesen Karikaturen war trockener Humor so genial zugespitzt, dass einem das Lachen oft im Staunen stockte, was diesem Henry Büttner wieder Originelles eingefallen war!

Signatur von Henry Büttner 58 min
Bildrechte: © Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH, Berlin

Dabei stand Büttners dünner Strich in einer beachtlichen Konkurrenz zu einer Vielzahl anderer profilierter Zeichner und Karikaturisten in der DDR: Von Behling, Bofinger, Henniger, Jankowski über Jordan, Klamann, Klemke bis zu Schmitt, Schrader, Shaw und Vontra. Von "Mosaik", "Frösi", "Fix und Fax" im "Atze" und den DEFA-Zeichentrickfilmen ganz abgesehen.

Und doch zog es einen immer wieder zu Henry Büttners verzweifelten Männern mit den "Kreissäge"-Hüten, den Bretter-Hosen und den kastigen Reise-Anzügen, die sie auch in der Gartenlaube trugen oder wo immer auch sich die valentinesken Ehegefechte Büttnerschen Zuschnitts ereigneten. Da war kein Detail zu viel und jedes Detail ein Vergnügen: Hundehütten, gerahmte Konterfeis, Schreibtische oder ein Nudelholz.

Karikaturen HB - Henry Büttner

Zeichnung von Henry Büttner
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Zeichnung von Henry Büttner
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Selbst wenn man die Boshaftigkeiten der Henniger oder eines Behling schätzte und sich über Jankowskis oder Schmitts Kullrigkeiten amüsierte – die zumeist wortlosen Attacken, die ein Henry Büttner gegen deutsche Biederkeit und (klein-)bürgerlichen Übertrumpfungs-Wahn in seinen Karikaturen in Szene setzte, überragten in ihrer Entschiedenheit und zeichnerischen Reduktion dann doch das gesamte Terrain des Ostens. In eine Loriot’sche Höhe.

Signatur von Henry Büttner
Signatur von Henry Büttner Bildrechte: © Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH, Berlin

Das nahm man bereits zu Zeiten wahr, da noch nicht von "Cartoons" die Rede ging und man sich eher weniger Gedanken darüber machte, welche Person denn nun hinter dem Kürzel "HB" steckte. Das änderte sich natürlich mit der deutschen Wiedervereinigung, die ja auch die landsmannschaftlichen Zugehörigkeiten erkennbarer machte. Und so sehr es einen freut, dass es ein Sachse aus der Nähe von Chemnitz ist, der sich hinter "H B" verbirgt, so wenig kann es einen verwundern, dass er sich im eigentlichen Sinne des Wortes tatsächlich verbirgt, dass er ein zurückgezogen lebender, scheuer Künstler ist. Wer so genau und empfindsam Eigensinn wahrzunehmen und darzustellen vermag, dem muss das schrille Getöse marktwirtschaftlicher Alltags-Geschäftigkeit schlichtweg ein Gräuel sein. Damit soll nicht ausblendet werden, wie absurd Büttner bereits die gesellschaftlichen Muster der vorhergehenden Ära aufzeigte, die Fragwürdigkeiten menschlichen Verhaltens überhaupt. Zu allen Zeiten.

Auf wundersame Weise fabulieren die Büttnerschen Szenen jedoch auch immer etwas, was gar nicht gezeichnet zu sehen ist, was aber die Seele seiner Witze ausmacht: Die Sehnsucht nach einem Menschsein jenseits von Etikette und dem "was die Mode streng geteilt" (F. Schiller). Die Sehnsucht nach unkomplizierter Nähe.

Vita von Henry Büttner

Henry Büttner wurde am 12. November 1928 im sächsischen Wittgensdorf geboren. Nach einer Malerlehre arbeitete er als Dekorateur und Schildermaler. Im Alter von 26 Jahren veröffentlichte der "Eulenspiegel" Büttners erste Arbeit.

Seit dem Ende der fünfziger Jahre lebt Büttner, der von sich behauptet, dass ihm als Gesellschaft seine Familie genüge, als freier Künstler zurückgezogen in seinem Geburtsort unweit von Chemnitz. Er schuf in seinem Arbeitsleben mehr als 21.000 Karikaturen.

Der Feature-Autor Günter Kotte Günter Kotte wurde 1949 in Pirna (Sachsen) geboren. Von 1964 bis 1966 besuchte er die Kinder- und Jugendsportschule Dresden. 1968 - 1973 studierte er an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg, die er im Fach Produktion/Regie mit einem Diplom abschloss. Danach war er bis 1983 freiberuflich für das DEFA-Studio für Dokumentarfilme tätig. 1983 übersiedelte er nach West-Berlin. Hier arbeitete er als Synchronregisseur und freiberuflicher Autor.

Er drehte mehrere Dokumentarfilme, u.a. "Die alten Weiber", "Lieber Wolodja", "Lampion - C'est si bon" und schrieb zahlreiche Features, wie "Ich stehe keinem mehr gegenüber - der Schriftsteller Tschingis Aitmatow" (2002) ,"Na sdorowje - die Russen und ihr Wodka" (2005), "Wenn die Zeit still steht. Oder: Langweilen sich Fische eigentlich auch?" (2011), "Stalins Stimme" (2012), "Die Gräber der großen Russen" (2014) und “Die Mumie vom Roten Platz“ (2017). Beim MDR entstand zuletzt das Feature "Der Chirurg aus dem Rheinland und seine Lausitzer Kinder" (2018).

Angaben zur Sendung MDR KULTUR - Feature
"Das bin doch nicht ich, oder?"
Der Karikaturist Henry Büttner
Von Günter Kotte

Sprecher: Günter Kotte, Eva Weißenborn, Dieter Wien

Regie: Stefan Kanis
Redaktion: Ulf Köhler
Produktion: MDR 2013

Sendung: 10.11.2018 | 09:05-09:35 Uhr

Das Feature steht nach der Ausstrahlung hier ein Jahr lang zum Hören bereit.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Feature: "Das bin doch nicht ich, oder? - Henry Büttner" | 10. November 2018 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2018, 04:00 Uhr

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Bildrechte: Eulenspiegel Verlag

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Gebundene Ausgabe, 317 Seiten
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nur antiquarisch erhältlich

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