Stephen Hawking
Stephen Hawking bei einer Konferenz an der George Washington University, 2008 Bildrechte: dpa

Zum ersten Todestag Physiker und Popstar: Stephen Hawking

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking galt als Superstar unter den Gelehrten der letzten Jahrzehnte. Wegweisend waren seinen Arbeiten im Bereich der Kosmologie, der Relativitätstheorie und zu Schwarzen Löchern. Und er konnte auch Laien für die Geheimnisse des Universums zu begeistern. Hawking schrieb Bestseller und hatte sogar Auftritte in TV-Serien wie "Raumschiff Enterprise", "The Big Bang Theory" und "The Simpsons". Zum ersten Todestag am 14. März erinnern wir an den brillanten Wissenschaftler und ungewöhnlichen Menschen.

Stephen Hawking
Stephen Hawking bei einer Konferenz an der George Washington University, 2008 Bildrechte: dpa

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking (1942-2018) wurde schon zu Schulzeiten mit Einstein verglichen. Hawking war allerdings ein schmächtiger Junge, zu schmal, um in seine Schuluniform zu passen. Er studierte zunächst Mathematik und Physik in Oxford und wechselte dann für seine Promotion in Kosmologie ans Trinity College in Cambridge.

Noch während des Studiums, kurz nach seinem 21. Geburtstag, wurde bei ihm Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert, eine unheilbare Erkrankung, die zum Verfall von Muskeln, Rückenmark und Nervenzellen führt. Die ALS-Diagnose wurde zu einem Wendepunkt in Hawkings Leben.

Bevor ich diese Krankheit bekam, langweilte mich das Leben. Aber durch die Aussicht auf einen sehr frühen Tod begriff ich, dass das Leben wirklich lebenswert war.

Stephen Hawking

Nach dem sich herausstellte, dass die Krankheit einen langsameren Verlauf nahm, fasste er neuen Lebensmut. 1965 beendete er seine Doktorarbeit und heiratete die Literaturstudentin Jane Wilde, mit der er drei Kinder bekam.

Urknall und Schwarze Löcher

Seine Arbeiten zur weiteren Erforschung der Allgemeinen Relativitätstheorie legten das Fundament für Hawkings wissenschaftlichen Erfolg.

Aus Einsteins Feldgleichungen hatten Wissenschaftler die Theorie entwickelt, dass riesige ausgebrannte Sterne unter ihrer eigenen Masse kollabieren und zu jenen merkwürdige Objekten zusammenschrumpfen, die wir heute als Schwarze Löcher bezeichnen. Im Inneren eines Schwarzen Lochs gibt es einen Punkt unendlicher Dichte in einem unendlich kleinen Raum, eine sogenannte Singularität, ein Zustand, in dem die Naturgesetze ihre Gültigkeit verlieren.

Hawking tat sich mit dem Oxforder Mathematiker Roger Penrose zusammen und übertrug diese Annahmen auf das ganze Universum. Er kam zu dem bedeutsamen Schluss, dass an dessen Anfang, wenn man die Zeit zurückdrehen würde, auch eine Singularität gestanden haben könnte. Damit lieferte einen wichtigen mathematischen Beweis für die damals noch umstrittene Urknall-Theorie, zeigte aber auch die Grenzen der Relativitätstheorie auf. Penrose und Hawking wurden für ihre Arbeit mit dem renommieren Adams Prize der University Cambridge ausgezeichnet.  

Künstlerische Darstellung eines Quasars - eine orange-rot glühende Scheibe dreht sich um ein schwarzes Loch im Zentrum, das einen senkrecht zu Scheibe stehenden lilafarbenen Strahl aussendet.
Künstlerische Darstellung eines Quasars, im Zentrum befindet sich ein Schwarzes Loch Bildrechte: Carnegie Institution for Science/Max-Planck-Institut für Astronomie

In den folgenden Jahren widmete sich Hawking der Erforschung Schwarzer Löcher. Im Jahr 1974 machte er eine verblüffende Entdeckung. Bisher ging man davon aus, dass auf Grund der enormen Schwerkraft aus einem Schwarzen Loch nichts entkommen kann, nicht einmal Licht. Mithilfe der Quantenmechanik bewies Hawking, dass schwarze Löcher nicht wirklich so schwarz sind, sondern thermische Strahlung aussenden, heute bekannt als "Hawking-Strahlung". Das bedeutete aber auch, dass Schwarze Löcher nicht ewig existieren. Sie verlieren Masse und verdampfen schließlich. Bei Schwarzen Löchern, wie sie im Weltall entstehen, würde das allerdings extrem lange dauern, viel länger als das Alter des Universums.

Unter dem Titel "Explodieren schwarze Löcher?" veröffentlichte Hawking seine Ergebnisse in der Zeitschrift "Nature". Sein Doktorvater, der Kosmologe Dennis Sciama, nannte den Artikel "die schönste Abhandlung in der Geschichte der Physik."

Für seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten wurde Stephen Hawking 1974 im Alter von nur 32 Jahren zum Mitglied der Royal Society ernannt. Fünf Jahre später wurde er auf den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge berufen, den schon Issac Newton innehatte.

Hawking setzte auch in den folgenden Jahrzehnten seine wissenschaftliche Tätigkeit fort. Das Revolutionäre seiner Arbeit besteht u.a. darin, dass er als einer der ersten versuchte, die Relativitätstheorie und die Quantentheorie miteinander in Einklang zu bringen. Er suchte nach einer Weltformel, einer "Theory of Everything". Das Ziel seiner wissenschaftlichen Arbeit beschrieb er einmal so:

Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen, ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.

Stephen Hawking

Weltweiter Erfolg als Autor

Mitte der 80er-Jahre hatte Hawking die Idee, ein populärwissenschaftliches Buch zu schreiben. Auch finanzielle Überlegungen spielten dabei eine Rolle. Hawking war mit steigenden Kosten für die Ausbildung seiner Kinder und für seine Pflege konfrontiert. Seit 1968 war er auf einen Rollstuhl angewiesen, seit 1985 verständigte er sich über einen Sprachcomputer.

1988 erschien "Eine kurze Geschichte der Zeit" ("A Brief History of Time") und wurde zum Besteller. Das Buch wurde in über 40 Sprachen übersetzt und über 10 Millionen Mal verkauft. Auf Grund seiner körperlichen Einschränkungen hatte Hawking die Fähigkeit entwickelt, komplizierte Vorgänge zu visualisieren und in kurzen Sätzen zu beschreiben. Mit seinem anschaulichen und direkten Stil gelang es ihm nun, ein großes Publikum für die komplexen Fragen der Kosmologie zu begeistern.

Eddie Redmayne als Steven Hawking mit dessen Frau Jane, gespielt von Felicity Jones
Der Film "Die Entdeckung der Unendlichkeit" erzählt die Liebesgeschichte von Stephen Hawking (gespielt von Eddie Redmayne) und seiner ersten Frau Jane. Bildrechte: Universal

Der Erfolg machte Hawking zum Superstar. In den folgenden Jahren reiste er um die Welt, hielt Vorträge und schrieb weitere populärwissenschaftliche Bücher. Er trat in TV-Serien wie "Raumschiff Enterprise", "The Big Bang Theory" und "The Simpsons" auf. Der Physiker meinte, dass ihn wahrscheinlich mehr Menschen durch seine Auftritte bei den Simpsons kannten, als durch seine Forschung. Das öffentliche Bild überschattete die Person und seine Errungenschaften. Doch Hawking nutzte seine Popularität auch, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen, er setzte sich für die Rechte Behinderter ein, warnte vor den Gefahren eines Atomkriegs, Künstlicher Intelligenz und dem Klimawandel.

Der britische Physiker war ebenso bekannt für seinen legendären Humor, wie seine an Sturheit grenzende Entschlossenheit. Beide Eigenschaften mögen zu seinem großen Erfolg beigetragen haben. Sein langjähriger Freund, der der britische Astrophysiker Martin Rees sagte über Hawkings Lebensleistung:

Wenn überhaupt, haben nur wenige Nachfolger Einsteins mehr getan, um unser Einsichten in die Schwerkraft, den Raum und die Zeit zu vertiefen.

Martin Rees

Stephen Hawking starb am 14. März 2018. Er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt, zwischen den Gräbern Isaak Newtons und Charles Darwins.

Über die Autorin

Anna Lila May studierte Philosophie und Kunstgeschichte. Ihr Meisterschülerstudium an der Hochschule für Bildende Künste beendete sie 2018. Sie arbeitet in Dresden und London als Videokünstlerin und freie Autorin.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR - Feature
Zum 1. Todestag von Stephen Hawking
"Alles hinter dem Spiegel"
Die kosmische Reise des Stephen Hawking
Von Anna Lila May

Sprecher: David Bennent, Ulrike Krumbiegel, Petra Hartung
Redaktion und Regie: Ulf Köhler
Produktion: MDR 2019 (Ursendung)

Sendung: 09.03.2019 | 09:05-09:35 Uhr

Die Sendung steht nach der Ausstrahlung hier ein Jahr lang zum Hören bereit.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Feature: "Alles hinter dem Spiegel - Die kosmische Reise des Stephen Hawking" | 09. März 2019 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 04:00 Uhr

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