Nanouk
Szene aus dem Film "Nanouk", der zwar in der Eiswüste Jakutiens spielt, zum Teil aber in Halle produziert worden ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Görliwood & Co. Wie Fördergelder Mitteldeutschland filmreif machen

Die Mitteldeutsche Medienförderung – kurz MDM – wird zwanzig Jahre alt. Seit 1998 fördert sie Filmprojekte, die einen Bezug zu Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen haben. Doch wie sieht diese Förderung genau aus? Und wie läuft die Zusammenarbeit zwischen der MDM und den Regisseuren und Filmproduzenten ab? Mareike Wiemann hat sich das für MDR KULTUR genauer angeschaut.

Nanouk
Szene aus dem Film "Nanouk", der zwar in der Eiswüste Jakutiens spielt, zum Teil aber in Halle produziert worden ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Film "Nanouk" hat auf den ersten Blick nicht viel mit Sachsen-Anhalt zu tun. Denn der Streifen eines bulgarischen Regisseurs, der im Oktober in den Kinos anlief, spielt in der Eiswüste Jakutiens. Doch wer beim Abspann genauer hinschaut, der merkt: Die Firma 42Film aus Halle hat "Nanouk" koproduziert. Die Postproduktion fand deswegen ebenfalls dort statt. Und auch das Produktionsdesign stamme von heimischen Kreativen, erklärt Eike Goreczka von 42 Film. So seien die Kulissen ein deutsches Element, ebenso die Tonaufnahmen vor Ort und das "Art Department – also die Leute, die gesagt haben: Wie sieht so ein Schlitten aus."

Dass verschiedene Menschen aus Mitteldeutschland bei "Nanouk" mitarbeiteten, ist kein Zufall – denn die Mitteldeutsche Medienförderung hat die Produktion und den Verleih des Films mit rund 300.000 Euro gefördert. Und Gelder in dieser Größenordnung werden nur bereitgestellt, wenn auch die Region davon profitiert, erklärt Oliver Rittweger von der MDM.

Rittweger erklärt: "Bevor so ein Antrag bewilligt wird und wir die Gelder tatsächlich auszahlen, muss der Produzent, die Produzentin uns genau darlegen, was mit dem Geld passieren soll. Im Vorfeld schreibt er oder sie also auf: 'Ich will in Mitteldeutschland das und das mit dem und der machen'. Und da gucken wir dann: Was sind das für Leute?"

Jeder Euro soll in die Region zurückfließen

Für eine Förderung der MDM gilt: Für jeden Euro, den sie dazu gibt, muss mindestens auch wieder ein Euro in Mitteldeutschland ausgegeben werden. Sei es, ob ein Drehbuch bei der Entwicklung gefördert wird, die Filmproduktion (also der Dreh) oder am Ende der Verleih.

Collage: Görlitz mit dem Schriftzug Görliwood
Görlitz ist bei Filmemachern besonders beliebt, daher der Spitzname "Görliwood". Bildrechte: IMAGO/MDR.DE

Allerdings zählt für die MDM nicht nur die wirtschaftliche Seite eines Projekts. Auch künstlerisch müssen Filme die elfköpfige MDM-Auswahlkommission überzeugen, die sich aus Vertretern der verschiedenen Bundesländer zusammensetzt. Dazu werde immer der Inhalt angeschaut, erklärt Rittweger: "Wir lesen nicht nur einmal das Drehbuch. Da werden Lektoren beauftragt, wir schauen: Was will die Regisseurin des Filmes?" Eine solche Mischung von außergewöhnlich guten Filmstoffen und cleveren Ideen für die Umsetzung werde bei der MDM gern gesehen, so Rittweger.

Die Filmszene in Mitteldeutschland ist überschaubar – und so kennt man sich, trifft sich auf Festivals, Symposien, Weiterbildungen. Die Produktionsfirma 42 Film aus Halle wurde von der MDM von Gründung an begleitet. Für Geschäftsführer Eike Goreczka ist dieser lokale Förderansatz sehr wichtig. Goreczka sagt: "Die Leute, die hier arbeiten, die leben wie wir hier und kennen die Probleme, die wir haben und wir auch in den Filmen ansprechen wollen. Und was ganz wichtig ist: Es gibt diese Partnerschaft zu Mittel- und Südosteuropa. Und das interessiert natürlich jemanden in Köln herzlich wenig."

Mitteldeutschland im Kino sichtbar werden lassen

Eine lebendige Filmwirtschaft in Mitteldeutschland zu etablieren ist ein Ziel der MDM. Ein anderes ist natürlich, Mitteldeutschland im Kino sichtbar werden zu lassen. Deswegen fördert sie immer wieder große internationale Produktionen, wenn diese wenigstens zum Teil hier gedreht werden.

Hier hilft die MDM außerdem mit einer Drehort-Suche weiter. Dafür gibt es etliche hundert Locations in Mitteldeutschland, erklärt Oliver Rittweger von der MDM: "Von Burgen, Schlössern bis hin zu Naturmotiven, da ist für jeden was dabei. Das wird rege genutzt von Szenenbildnern, die schauen – wo können wir Motive finden, wie sind die angebunden, wie sind die ausgestattet, gibt es noch weitere Motive möglicherweise in der Nähe?"

Angebote dieser Art haben viel damit zu tun, dass Görlitz etwa in den vergangenen Jahren zu "Görliwood" wurde, weil viele große Regisseure in der Stadt drehten. Und auch für Produzent Eike Goreczka ist klar: Ohne die MDM sähe die hiesige Medienlandschaft ganz anders aus: "Dann gäb's keine Filme. Das ist einfach klar. Das muss man wissen, dass es wichtig ist, dieses System aufrecht zu erhalten, dass überhaupt europäische Filme entstehen, die sich unterscheiden von dem, was woanders gemacht wird." Für Eike Goreczka hängt viel von der MDM ab. Das nächste gemeinsame Filmprojekt ist bereits in Arbeit.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. November 2018 | 18:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2019, 13:49 Uhr

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