Treffpunkt für Leser, Autoren, Verlage Frankfurter Buchmesse im Zeichen der Menschenrechte

Zum 70. Mal öffnet in Frankfurt am Main die weltgrößte Bücherschau ihre Türen. Rund 7.000 Aussteller aus über 100 Ländern stellen bis zum 14. Oktober 2018 ihre Werke vor, unter anderem aus dem Gastland Georgien. Zunächst ist die Messe für Fachbesucher geöffnet, am Wochenende dann auch für das öffentliche Publikum. MDR KULTUR mit einem Überblick.

Die Frankfurter Buchmesse ist am Dienstagabend mit einem Bekenntnis zu Menschenrechten und einem friedlichen Zusammenleben eröffnet worden. Diese müssten täglich neu verteidigt werden, so Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, in seiner Rede beim Festakt. Auch gelte es, sich dringend neu mit ihnen auseinanderzusetzen.

Die Buchmesse stellt in diesem Jahr die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in den Fokus, die vor 70 Jahren verabschiedet wurde - vor 70 Jahren begann auch die Geschichte der Frankfurter Buchmesse. Bei dem feierlichen Auftakt waren auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Georgiens Ministerpräsident Mamuka Bachtadse anwesend.

Die Buchbranche solle laut Riethmüller auch wieder das Interesse an einer vertieften Beschäftigung und fundierten Inhalten wecken. Dabei seien die Deutschen in einer glücklichen Lage, denn in Ländern wie der von Riethmüller namentlich erwähnten Türkei, sei die Freiheit des Wortes verletzt. Er forderte die Freilassung von inhaftierten Autoren und Journalisten in der Türkei und auf der ganzen Welt.

Ein Lob der Vielfalt

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini beschwor in ihrer Rede ein Europa "der vielen Identitäten", in dem jeder zugleich Deutscher, Italiener und Europäer sein könne.

Für Vielfalt in der Literatur machte sich die nigerianisch-amerikanische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie stark und sagte: "Wir brauchen eine große Bandbreite von Stimmen. Nicht, um politisch korrekt zu sein, sondern weil wir genau sein wollen." Sie betonte, dass Literatur relevant sein müsse.

Heinrich Riethmüller (Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels)
Heinrich Riethmüller Bildrechte: imago/Patrick Scheiber

Es liegt an uns allen, die Menschen wieder mehr mit dem Buch in Berührung zu bringen und die Verbindung dazu wiederherzustellen.

Heinrich Riethmüller, Börsenverein des Deutschen Buchhandels

70 Autoren aus Georgien zu Gast

Zur Frankfurter Buchmesse werden in diesem Jahr rund 7.000 Teilnehmer aus über hundert Ländern erwartet. In ihrem 70. Jahr prognostizieren die Veranstalter damit ein Wachstum von rund drei Prozent bei den Ausstellern. Dieses komme allein aus dem Ausland, die Zahl der deutschen Verlage stagniere, so eine Sprecherin der Messe. Zahlreiche bekannte Schriftsteller haben ihr Kommen angekündigt, darunter Juli Zeh, Dörte Hansen, Jussi Adler-Olsen und Martin Suter.

Gastland der Buchmesse ist in diesem Jahr Georgien. Die kleine Kaukasus-Republik hat bereits seit über 1.500 Jahren eine eigene Sprache, diese förderte von Beginn an die literarische Identität des Landes, das fast immer unter Fremdherrschaft stand. Auf der Buchmesse will Georgien nun seine kulturelle Verankerung in Europa festigen. In Frankfurt werden etwa 70 Autoren aus dem Land erwartet, darunter Aka Morchiladze, der bekannteste Schriftsteller Georgiens.

Osteuropa

Georgien: Land im Wandel

Vor zwei Jahren schloss die EU ein Assoziierungsabkommen mit Georgien, um das Land näher an sich zu binden. Doch was ist Georgien für ein Land?

Tbilisi, Hauptstadt von Georgien
Die georgische Hauptstadt Tbilisi ist eine Stadt zwischen den Welten. Gelegen im Schnittpunkt zwischen Europa, Russland und dem Nahen Osten, hat das Land einen einzigartigen Kulturmix. Land und Hauptstadt suchen gerade ihren Platz in der Moderne. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Tbilisi, Hauptstadt von Georgien
Die georgische Hauptstadt Tbilisi ist eine Stadt zwischen den Welten. Gelegen im Schnittpunkt zwischen Europa, Russland und dem Nahen Osten, hat das Land einen einzigartigen Kulturmix. Land und Hauptstadt suchen gerade ihren Platz in der Moderne. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Typische Gasse in der Altstadt von Tbilisi
Eine typische Gasse in der Altstadt von Tbilisi. Stilprägend sind die ausladenden Balkone, auf denen sich ein Großteil des Lebens abspielt. Auch der Farb- und Stilmix sowie die wilde Bauweise prägen das Stadtbild. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Flohmarkt in Tbilisi
Es wird mit allen gehandelt in Georgien. Wie hier auf einem der berühmtesten Flohmärkte der Stadt an der "Trockenen Brücke". Das ganze Jahr über gibt es hier alles von der gebrauchten Sicherung über sowjetische Offizierstaschen bis hin zu Ölgemälden. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Markt  in Tbilisi
Aber die eigentliche Leidenschaft der Georgier ist das Essen. Das Land ist reich an ertragreicher Schwarzerde, das Klima ist mild und die Auswahl an Obst, Gemüse und vor allem Nüssen riesig. Nicht zu vergessen: georgischer Wein und "Chacha“", eine Art starker Grappa. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Das Pankisi-Tal in Georgien
Das meiste davon wächst in den Tälern des Kaukasus, dessen Gipfel im Norden mehr als 5.000 Meter hoch sind. Wie etwa im Pankisi-Tal, nahe der Grenze zu Tschetschenien. Die Gegend ist wunderschön, aber auch von Armut gekennzeichnet. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Ein Schweißer in Georgien bildet Menschen aus
Die staatliche Infrastruktur im Pankisi-Tal ist mangelhaft. Und so behelfen sich die Menschen selbst. So wie dieser Mann, der in der Sowjetunion Schweißer beim Militär war. Heute bildet er in seinem Hinterhof kostenlos junge Männer aus dem Tal aus. Die Alternativen wären Tierzucht oder Arbeitslosigkeit. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Die georgische Grenze zu den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien
Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten macht Georgien vor allem die politische Lage zu schaffen. Konkret: der Dauerkonflikt mit den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien. Den Krieg darum mit Russland verlor Georgien. Seitdem verläuft eine Grenze zwischen den Landesteilen. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Mitarbietr der European Monitoring Mission (EUMM)
Überwacht wird der Frieden auch von Mitarbeitern der European Monitoring Mission (EUMM). Sie beobachten bei ihren täglichen Patrouillen, was an der Grenze passiert und schreiben Berichte darüber. Die Einheimischen sind ihnen überaus wohlgesonnen und immer zu einem Gespräch bereit. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Lkws warten kilometerweit am Straßenrand an der Grenze zu Russland
Die Beziehung zu Russland bleibt weiter angespannt, auch wenn viele Touristen über die nahe Grenze kommen. Umgekehrt ist das Reisen schwerer. Selbst Lkw, die Waren exportieren, müssen regelmäßig Tage oder Wochen an der Grenze auf eine Genehmigung für die Fahrt nach Russland warten. So wie hier: 1.600 Meter über dem Meeresspiegel auf der Heeresstraße nahe Stepantsminda. (Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV, am: 25.08.2018 | 19:30 Uhr.) Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
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Gegen Tumulte gewappnet

Auch Verlage aus dem rechten Spektrum werden in diesem Jahr wieder auf der Buchmesse präsent sein. Nachdem es im vergangenen Jahr zu Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppierungen gekommen war, gibt es nun ein neues Sicherheitskonzept. Demnach werden die betroffenen Verlage alle in einer Ecke angesiedelt. Die Veranstalter erwarten trotzdem erneut "polarisierende Diskussionen", Zensur finde auf der Messe nicht statt.

Entertainment rund ums Buch

Zum ersten Mal wird die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr nach Messeschluss mit der Veranstaltungsreihe "Bookfest" ergänzt. Man plane "publikumswirksame Veranstaltungen, um Bücher und Autoren zu inszenieren", wie der Projektverantwortliche Lars Birken-Bertsch erklärte. Darunter seien Lesungen und Talks, Poetry Slams und Tastings auf der Messe sowie in Frankfurter Bars und Kulturinstitutionen.

Abgesagt wurden dagegen in diesem Jahr einige der bisher immer von Großverlagen veranstalteten Partys. So werden unter anderem der S. Fischer-Verlag und Rowohlt in diesem Jahr nicht einladen. Ein Sprecher von S. Fischer begründete die Absage mit wirtschaftlich schweren Zeiten, in denen sich die Verlage befänden. Zwischen 2013 und 2017 hat die Buchbranche 6,4 Millionen Käufer - 18 Prozent der Kunden - im Publikumsmarkt verloren. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ging der Umsatz um 1,1 Prozent zurück. Die Buchbranche will auf der Messe nun nach Wegen suchen, um abgewanderte Leser zurückzugewinnen. Verlage und Buchhändler arbeiteten hart daran, "das Buch wieder stärker zu den Menschen zu bringen", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller.

Bedeutende Auszeichnungen

Portrait Jan Assmann
Jan Assmann ist Ägyptologe, seine Frau Aleida arbeitet als Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Bildrechte: dpa

Als Auftakt der Buchmesse gilt in jedem Jahr die Verleihung des Deutschen Buchpreises für den besten Roman des Jahres. Die Auszeichnung wurde bereits am Montag an die Berliner Schriftstellerin Inger-Maria Mahlke für ihren Roman "Archipel" vergeben. Dotiert ist der Preis mit 25.000 Euro. Im vergangenen Jahr gewann Robert Menasse den Preis für seinen Roman "Die Hauptstadt". Den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält das Wissenschaftler-Ehepaar Aleida und Jan Assmann. Sie forschen zu Hochkulturen und kulturellem Gedächtnis. Die Auszeichnung wird ihnen zum Abschluss der Buchmesse am 14. Oktober in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Sie ist ebenfalls mit 25.000 Euro dotiert.

Standort mit Geschichte

Die Frankfurter Buchmesse wurde 1949 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet. Insgesamt blickt Frankfurt aber auf eine mehr als 500-jährige Tradition als Umschlagplatz für Literatur zurück. Im Zeitalter der Aufklärung musste die Stadt ihre führende Rolle an Leipzig abtreten. Erst durch die deutsche Teilung gewann Frankfurt wieder an Bedeutung.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 09. Oktober 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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